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Geheimgemeinwille des Tages: Vergesellschaftung

Foto: Klaus Pollkläsene/Funke Foto Services/IMAGO
Ran an die Buletten!

Dit is Berlin: Im Schnitt fast fünf Prozent mehr Miete für 138.000 Mietwohnungen – acht Prozent des gesamten Bestands. Da ward vielen janz blümerant. Europas erfolgreichster Immobilienhai Vonovia beteuerte indes »Sozialverträglichkeit« und »Augenmaß«. Immerhin werde der neue Mietspiegel nicht ausgereizt. »Die Wohnungen bei Vonovia bleiben für die Menschen in Berlin bezahlbar«, bewarb sich der Konzern mit maklerischen Märchen jüngst auf sofortige Enteignung.

Dass es sich dabei allenfalls um eine Durchhalteparole handelt und Vonovia mit Blick auf die Mudderstadt nicht minder angespannt ist als der eigenhändig zerrüttete Wohnungsmarkt, offenbarte die örtliche Presse am Freitag. Eine Studie sei nicht zum erwünschten Ergebnis gekommen und daher unterschlagen worden. Man habe lediglich »das tatsächliche Meinungsbild in der Stadt besser verstehen« wollen und »eine Veröffentlichung (…) nie beabsichtigt«, rechtfertigte irgendein Mietmaul.

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2021 fanden die Berliner ihre Grundherren nämlich gar nicht dufte, haben sich 59 Prozent von ihnen doch für deren Enteignung ausgesprochen. Fünf Jahre, reichlich politische Augenwischerei mittels Kommission, Vergesellschaftungsrahmengesetz sowie Bündnissen mit der Immobilienwirtschaft – und anderthalbfach teurere Angebotsmieten – später, ist fast allet wie jehabt, sind 56 Prozent für die Vergesellschaftung. Da kiekste.

»Wenige Akteure« wären »sehr laut und zunehmend ideologisch«, seierte dagegen die Flitzpiepe von Vonovia an. Wahrscheinlich entging ihr die Ironie, dass die Studie in Auftrag gegeben worden war, um zu ermitteln, welche Unentschlossenen wie noch bewogen, sprich ideologisiert werden können. Besonders beeinflussen könne man demnach die Jugend. Verjesstet! Berlin hat Eigenbedarf. Und wenn der Bund nicht uffmuckt, jibt et bald umjekehrte Zwangsräumung.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 3, Ansichten

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