Die AfD riecht streng
Am Dienstag stimmte der Kabarettist Uwe Steimle auf einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Dessau die DDR-Nationalhymne an. AfD-Kochef Tino Chrupalla, AfD-Spitzenkandidat Ulrich »deutschdenken« Siegmund und das Publikum sangen mit. Seitdem zieht ein Tornado durchs mediale Sommerloch. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt gegen Steimle, weil er dort über das Porträtbild von Angela Merkel gesagt hatte, sie habe sich für eine Darstellung im Stehen entschieden, »weil sie ahnt, sie wird bald sitzen«. Und: »Im Moment hängt sie erst mal.« Wenn der Nagel bricht, »dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen.« Außerdem: »Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht.«
Die FAZ tobt: »Zur AfD passt ›Auferstanden aus Ruinen‹ aber allemal. Die Partei schwimmt im Schmutzwasser totalitärer Regime. Sie hat schon so viel davon getrunken, sie ist so blau, dass 40 Jahre Gefängnis, Knechtschaft, Bespitzelung, Folter bis hin zum Abknallen der eigenen Landsleute als ganz eigener Schatz erscheinen, den man sich nicht nehmen lassen will.« Da kommt Bild kaum mit: »Wenn sich die AfD-Spitze damit im Osten anbiedern will, dann überschreitet sie eine innerdeutsche, demokratische Grenze. Dann verhöhnt sie die Opfer eines DDR-Regimes, das Lieder (und den Text der eigenen Hymne) verbieten, die Freiheit und im Zweifel das eigene Leben an Mauern und Zäunen enden ließ.« Der große Springer-Vorsitzende Mathias Döpfner wusste schon 2023: »Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig.«
Döpfners Karrengaul folgt auch die Taz: »Einen größeren Gefallen kann Steimle den Nazis in Ostdeutschland kaum tun, denn die Verbindung ostalgischer Gefühle mit rechtsextremer Politik ist deren populistische Königsdisziplin.« Und der Reutlinger Generalanzeiger kennt seine Ossis: »In Ostdeutschland ist den Rechtspopulisten jedes Mittel recht, um von der Linkspartei enttäuschte Protestwähler anzusprechen.« Die Mediengruppe Bayern würgt es: »Abscheu – was sonst sollten die Opfer der DDR-Diktatur bei diesen Klängen fühlen? (…) Doch der ehemalige Westen ist schon auch selbst schuld: Bei 100.000 Tatverdächtigen und nur 800 Urteilen bevorzugte man, wegzuschauen und das DDR-Unrecht unter den Teppich zu kehren.« Bei so geringem Vertrauen in die Justiz ist Bayern gefährdeter als Sachsen-Anhalt.
Das überzeugendste Argument, warum die CDU dort nicht mit der AfD koalieren darf, steuert aber Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Stern bei: seine Nase. »Machst du die Tür auf, dann stinkt dein Zimmer. Und deswegen würde ich die Tür erst gar nicht aufmachen.« (as)
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