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Aus: Ausgabe vom 06.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Größte Gefahr

Nach dem Ende von »New Start«
Von Arnold Schölzel
Militärparade in Moskau.jpg
Eine strategische russische Atomrakete vom Typ »Topol-M« fährt am Tag des Sieges über den Roten Platz (Moskau, 9.5.2011)

Am Tag vor dem Auslaufen von »New Start« telefonierten sowohl Wladimir Putin als auch Donald Trump ausführlich mit Xi Jinping. Ob die Lage nach dem Ende des Vertrages besprochen wurde, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Gespräche in einer gefährlichen Lage auf höchster Ebene über Atomwaffen waren vor rund 60 Jahren Voraussetzung für die sogenannte Entspannung und damit für die Verträge, die einen der gefährlichsten Brandherde beherrschbar machten: die Konfrontation in Europa zwischen NATO und Warschauer Vertrag und damit die zwischen den beiden deutschen Staaten. Nicht zu vergessen: Als 1968 die Verhandlungen über den Atomwaffensperrvertrag und 1969 die zwischen der Sowjetunion und den USA über die Begrenzung strategischer Atomwaffen begannen, strebte der Völkermord der USA in Vietnam seinem Höhepunkt zu. Die Sowjetunion, die ebenso wie China die vietnamesischen Befreiungskräfte unterstützte, führte zugleich 1969 kriegsähnliche Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik in Ostsibirien.

Die im Fall eines Atomkrieges »gegenseitige gesicherte Zerstörung« oder genauer: die Anerkennung des von der Sowjetunion erreichten militärischen Gleichgewichts mit dem Westen, machte es dennoch möglich, die damaligen Vertragswerke zu vereinbaren. Die USA und die NATO nutzten sie zur Destabilisierung der sozialistischen Staaten und versuchten, etwa mit dem NATO-Doppelbeschluss, zurück zur Erstschlagfähigkeit zu gelangen. Die Sowjetunion zerfiel aber ohne Atomkrieg, die USA erklärten sich zur »einzigen Weltmacht« und zerstörten mit zahlreichen Kolonialfeldzügen und der NATO-Expansion bis an die russische Grenze die Berechenbarkeit der Beziehungen. Washington führte das Ende aller Rüstungskontrollverträge und damit einer Ära bewusst herbei. Triebkräfte sind der relative Verlust der Hegemonie bei Erhalt imperialistischen Größenwahns, geblieben ist die militärische Schlagkraft. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit ließ Trump sieben Länder bombardieren, ohne dass – etwa in Venezuela – Russland oder China eingreifen konnten, ohne eine direkte Konfrontation zu riskieren. Alles zusammen besagt: Das ist der Stoff, aus dem Weltkriege gemacht werden.

Dennoch umriss Putin die internationale Lage im Telefonat mit Xi zurückhaltend mit »zunehmenden Turbulenzen in der Welt«, in denen die russisch-chinesische Partnerschaft »ein stabilisierender Faktor« sei. Trump erwartet von Xi sogar »viele positive Ergebnisse in den nächsten drei Jahren meiner Präsidentschaft«. Bislang tat er viel dagegen, aber immerhin sprechen die drei miteinander. Berlin und die Westeuropäer wollen seit vier Jahren mit Moskau nicht reden. Dieser NATO-Rest hat 2022 Frieden in der Ukraine torpediert und denkt nach »New Start« über eigene Atomwaffen nach. Er ist auf dem Weg, die größte Gefahr für den Weltfrieden zu werden.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (6. Februar 2026 um 00:22 Uhr)
    Auch wenn ich zur Gebetemühle mutiere: Es läuft haargenau nach Zbigniew Brzezinskis Weltenplan (begonnen mit dem »Vietnam für die Sowjetunion«, dessen erstes offizielles Vertragspapier Herr James Carter am 5. Juli 1979 unterschrieb und damit erstmals offiziell finanzierte; erst im Dezember kam die Sowjetarmee dem 12. oder 13. Beistandsersuchen aus Kabul nach), denn nun versammeln sich alle Tonangebenden der NATO-Paktstaaten mit immensen Steigerungen ihrer Vorkriegsvorbereitungskosten vor einer gelungenen Variante der Spitzbübin hinter jener Spanischen Wand. (Wie steht’s dabei um das NATO-Pakt-Gründungsmitglied Island? Werden dort Rücklagen für den späteren Beitritt geschaffen?) Nach zwei, drei Schlenkern aber wird sich – vollkommen unerwartet! – das Blatt/die Lage/die Stimmung ändern. Alles Vasallische wird und bleibt der NATO-Pakt-Spitzenmacht erneut wieder modern (zeitgemäß) und zulässig. Und zwar auf dem erreichten weltweit notwendigen mehr als verdoppelten Niveau. – Das war bisher nicht absehbar, oder? Das Buch »Die einzige Weltmacht« ist mehr als dreißig Jahre alt, liebe Leute.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Oliver S. aus Hundsbach (6. Februar 2026 um 13:29 Uhr)
      »Gebetsmühle« ist das richtige Stichwort! Die KI sagt: Zbigniew Brzezińskis »Weltplan«, primär dargelegt in »Die einzige Weltmacht« (1997), skizziert die Sicherung der US-Vorherrschaft durch Kontrolle über Eurasien. Er sieht den Kontinent als »großes Schachbrett«, auf dem die USA verhindern müssen, dass eine rivalisierende Macht entsteht. Kernstrategien sind die NATO-Osterweiterung, die Einbindung der Ukraine zur Schwächung Russlands und die Kontrolle eurasischer Brückenköpfe.« Gebetsmühle: Die Europäer agieren nicht als eigenständige weltpolitische Akteure, sondern als Brückenköpfe der US-Politik! Die Frage wäre also nicht, ob sie als Brückenköpfe agieren, sondern warum sie das tun. Ich hoffe, eines Tages eine minutiöse Erklärung in der jW vorzufinden.

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