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Jazz in der jW-Maigalerie

Ernsthaftigkeit und Experiment

Das Sandro Sáez Trio spielt Dienstag in der Reihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie in Berlin

Foto: Sandro Sáez Trio
»Man muss wissen, wer man ist und was man will« – Pianist Sandro Sáez (r.)

Mit fünfzehn Jahren liebte Sandro Sáez, gebürtiger Hamburger, die romantische Klaviermusik von Frédéric Chopin. Aber schon ein Jahr später verfiel er der Magie des Jazz. Ob Swing, Barmusik oder Free Jazz: »Für mich gibt es keine klare Trennung zwischen verschiedenen Musikarten«, beteuert Sáez, der sich als Mittler zwischen den Welten sieht. Bis 2019 hat er in seiner Heimatstadt Jazzpiano studiert, danach vollendete er seine Ausbildung nebst Abschluss am Jazzinstitut Berlin. Seither ist er als Musiker und Komponist tätig. 2022, in seinem letzten Studienjahr, das zugleich das letzte Jahr der Coronapandemie war, landete er gleich einen Volltreffer mit dem Onlineprojekt »Jazzhop«: Es wurde mehr als vier Millionen Mal gestreamt. Musikalisch ist es typisch für die Richtung, die Sáez einschlägt: Er verbindet klassischen Jazz mit Improvisation und neuen musikalischen Formen wie Elementen des Hip­Hop. Wie das klingt, wird am Dienstag abend, den 2. Juni, in der von Hannes Zerbe kuratierten Reihe »jW geht Jazz« in der Berliner Maigalerie, der Galerie der jungen Welt, zu hören sein. Dort tritt Sáez mit seiner jungen Formation, dem Sandro Sáez Trio, auf.

2020 gründete Sáez diese Berliner Band, wobei er selbst der jüngste der drei Musiker ist. Erst 2024 stieß Jonas Westergaard, gebürtiger Kopenhagener und mit dem Geburtsjahr 1976 der Oldie im Trio, mit seinem Kontrabass dazu. Westergaard, der am dänischen Rytmisk Musikkonservatorium studierte, hat viel Erfahrung. Er spielte unter anderem mit Michael Wollny und Christian Lillinger. Und: Er legte auch ein Album mit eigenen Kompositionen vor. Im Trio ist er für die dunklen Nuancen zuständig.

Dritter im Bunde ist Nathan Ott, geboren 1989, am Schlagzeug. Wie Triogründer Sáez begann auch Ott mit klassischer Musik. Er spielte zunächst in Jugendorchestern die Violine. Nachdem er mit 18 Jahren den US-amerikanischen Saxophonisten Dave Liebman bei einem Konzert erlebte, konnte Ott sich der Anziehungskraft des Jazz nicht mehr entziehen. Der in der Brecht-Stadt Augsburg aufgewachsene Nachwuchsmusiker nahm Unterricht beim Jazzschlagzeuger Walter Bittner und studierte dann in Würzburg und Hamburg, wo er seinen Abschluss machte. Für das Fach Komposition nahm er zusätzlich Privatunterricht, und 2024 nahm er an einem Tanzprojekt im Berliner Spielort Dock 11 teil. Seine Offenheit für alles, was swingt oder vibriert, ist sein Markenzeichen.

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Gespielt wird vom Trio am Dienstag eine Mixtur aus Jazz und europaweiter moderner Musik. »Man muss wissen, wer man ist und was man will«, meint Sandro Sáez zu seinem Stil. Als Komponist lässt er sich bevorzugt von Klassik aus dem 20. Jahrhundert inspirieren, von Arnold Schönberg oder Olivier Messiaen. Die sieben Skalen von Messiaen, als Ersatz für die herkömmlichen Tonleitern, werden tatsächlich öfter von Jazzern genutzt, um die traditionelle Tonordnung aufzuheben und eine schwebende, spirituell wirkende Klangwelt zu erschaffen.

Die Stücke, die in der Maigalerie gespielt werden, basieren auf dem aktuellen Album des Trios mit dem Titel »No Perspective«. Es surrt und gurrt darin, und Sáez’ Mischung aus Ernsthaftigkeit und Experiment bereitet letztlich vor allem Freude. Trotz oder wegen gelegentlicher Düsternis. So heißt ein Stück im Programm »Paternoster«, und der Titel mag ein Sinnbild fürs Auf und Ab im Leben sein.

→ Das Sandro Sáez Trio spielt am Dienstag, 2. Juni 2026, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 0 30/53 63 55 54 oder maigalerie@jungewelt.de

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 11, Feuilleton

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