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Jazz in der jW-Maigalerie

Die Kraft vieler Seelen

Das Trio 17strings spielt Dienstag in der Reihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie in Berlin

Foto: 17strings
»Bitte verlassen Sie den Planeten!« – 17strings vor dem Abflug

Die Namen der Stücke verraten es schon: Diese Musik hat Esprit. »Walzer Nanu«, »Sowieso« und »Bitte verlassen Sie den Planeten!« heißen einige Nummern. Das Trio namens 17strings hat die selbst verfassten Titel im Programm. Seit zwei Jahren gibt es nun die Konzertreihe »jW geht Jazz«, die Hannes Zerbe in der Maigalerie, dem Veranstaltungsort der jungen Welt in Berlin, ausrichtet. Aber erstmals ist darin jetzt eine brandneue Band zu hören: 17strings hat sich nämlich gerade erst gegründet. Dabei sind die drei Musiker erfahrene Leute. Triogründer Jörg Schippa trat schon zu jener Zeit in Berlin mit Jazz auf, als die Stadt noch geteilt und als Mauerstadt bekannt war. Schippa ist gebürtiger Kreuzberger, und den Song von den langen Kreuzberger Nächten scheint er regelrecht zu verkörpern. Ein Urgestein des Jazz ist er, auch.

Schippa hat nie studiert, er ist, wie es früher bei den Jazzern häufiger üblich war, Autodidakt. Jazz als Studiengang gab es zu seiner Zeit zwar in Dresden in der DDR, nicht aber im Westen Berlins. Mit zwölf Jahren begann Schippa an der »Klampfe«; mittlerweile gilt er als Meister an der E-Gitarre. Und egal, welche Richtung, welcher Stil: Jörg Schippa beherrscht alle Facetten des Jazz.

Auch Andreas Willers, der die zweite E-Gitarre im Trio spielt, lebt in Berlin. In diesem Jahr hat er zudem den Jazzpreis Brandenburg erhalten. Ein echter Könner eben, der aus Schleswig-Holstein in den Osten kam. Er hat aber zuvor in Los Angeles und Hamburg Jazz studiert. Sein eigenes Trio Blue Collar hat Willers mit Kollegen zum Quartett, zum Quintett und schließlich zum Oktett mit acht Mann ausgebaut. Einige Jahre war er Dozent an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, und vernetzt ist er in den verschiedenen Jazzszenen der Stadt ohnehin.

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Johannes Fink wiederum, der Dritte im Bunde von 17strings, ist zwar seit 1996 auch Berliner, stammt aber aus dem Fränkischen und dort aus einer Musikerfamilie. Schon sein Vater war Jazzpianist. Auch der Sohn erlernte zunächst das Spielen auf dem Klavier, dann das auf dem Schlagzeug, dann noch das Gitarrespiel, bevor er mit 24 Jahren autodidaktisch auf den Kontrabass umstieg. Drei Jahre später erhielt Fink für wenige Monate hochkarätigen Unterricht am Cello an der Musikhochschule Würzburg. Dies prägte ihn nachhaltig.

Cello spielt er jetzt auch bei 17strings. Aber: Es ist kein gewöhnliches Cello, das Fink spielt, sondern eines mit fünf statt mit vier Saiten. Daher rührt auch der Name der Band: 17strings bedeutet aus dem Englischen übersetzt »17 Saiten«. Gemeint sind die jeweils sechs Saiten der beiden Gitarren plus die außergewöhnlichen fünf Cellosaiten von Johannes Fink.

Die »Jungfernfahrt« der siebzehn Saiten, also ihr erstes gemeinsames Konzert, wird sich an der Jazzgeschichte ausrichten. Laut Jörg Schippa werden die drei Musiker zwar nur ihre eigenen Kompositionen spielen, aber in diesen finden sich häufig Bezüge zu bedeutenden musikalischen Vorkommnissen im historischen Jazz.

Und wenn Jörg Schippa am Klavier sitzt, um zu komponieren und damit die Grundlagen für die Live-Improvisationen zu schaffen, fühlt er sich ganz in seiner Welt. »Ich mache europäischen Free Jazz«, sagt er und betont, dass es ihm dabei auch um Einflüsse aus der europäischen Moderne geht: Anklänge an Igor Strawinsky, Arnold Schönberg, Béla Bartók und Hans Werner Henze sind zu hören. Insofern wird der erste Auftritt von 17strings die Kraft vieler Seelen vereinen.

→ Das Trio 17strings spielt am Dienstag, 7. Juli 2026, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 0 30/53 63 55 54 oder maigalerie@jungewelt.de

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.07.2026, Seite 11, Feuilleton

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