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Liebesbriefe in den Knast
Esther Zimmering und Maria Heiner lesen Liebesbriefe des Künstlers Hans Grundig an seine Ehefrau Lea in der Nazihaftw
Sie hielten zusammen, seit sie sich kannten: die jüdische Künstlerin Lea Grundig und der ihretwegen zum Judentum übergetretene Künstler Hans Grundig. Beide waren in Dresden angesiedelt, beide waren leidenschaftliche Mitglieder der KPD. 1928 heirateten sie, gegen den Willen von Leas Vater. Die Nazis verfolgten das Künstlerpaar. Erstmals verhaftet wurde Lea Grundig 1936. Doch ihre zweite Verhaftung war gravierender: Im Mai 1938 – laut Akten erst am 1. Juni – wurde sie, weil sie ihrem Cousin half, der als Widerstandskämpfer zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland pendelte, inhaftiert. Bis Dezember 1939 saß Lea ein. Auch Hans wurde verhaftet, dieses Mal aber nach einigen Wochen freigelassen. Ab dann schrieb er Briefe in den Knast an seine geliebte Lea, und manchmal konnte sie ihm antworten. Aus dieser Korrespondenz lesen am kommenden Donnerstag unter dem Zitatmotto »Liebste, sei nicht traurig auf unserer Höllenwanderung« in der Gedenkstätte in der Bautzner Straße in Dresden die Berliner Schauspielerin Esther Zimmering und die Dresdnerin Maria Heiner, die als Kunstsammlerin, Mäzenin und Ärztin mit Lea Grundig in Freundschaft verbunden war.
Zimmering und Heiner sind auch in der jungen Welt keine Unbekannten. Esther Zimmering moderierte so manche Veranstaltung unserer Zeitung. Linolschnitte der beiden Grundigs aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise, aus dem Besitz von Maria Heiner stammend, wurden ab März dieses Jahres in der Maigalerie der jW in Berlin ausgestellt. Jetzt kooperieren die beiden Frauen, um die dramatischen Lebensverläufe der Grundigs zu vergegenwärtigen. Sie lesen nicht nur, sondern zeigen auch Kunstwerke von Hans Grundig als Projektionen.
So malte Hans, während Lea in Haft war, ein Bildnis seiner Frau, auf dem sie ihr Granatcollier trägt. Besonders elegant malte er sie sich in ihrer Abwesenheit, mit tiefem Blick und dem Anflug eines Lächelns. Ein ernster Ausdruck erschien ihm angemessen, in einer Situation, in der er nicht wusste, ob und wann er sie wiedersehen würde. Lea hält einen Arm vorgeschoben auf dem Bild, als sei sie im Gehen. Hinter ihr sind Büsche und Wolken zu sehen, der Untergrund ist strudeliger Sand. Ein Ausflug in die Natur, vielleicht an einem Sonntag, mag der Anlass für die Szenerie gewesen sein.
Auch den gekreuzigten Christus malte Hans, während Lea inhaftiert war. Dessen Beine könnten die von Lea sein, auch der Oberkörper trägt weibliche Züge. Aufopferung war auch in Hans ein Motiv, denn er suchte nach Möglichkeiten, Lea vor dem KZ zu bewahren. Deshalb reichte er sogar die Scheidung ein, denn nur als Ledige hätte Lea nach England einwandern können. Unter der Nummer 16364 wurde ein Einreiseantrag, den Hans für Lea gestellt hatte, in London bearbeitet. Der Kriegsausbruch machte diese Pläne zunichte.
Vom Juli 1939 stammt der letzte zu lesende Brief von Hans. Darin ist von der Scheidung – die dann nie stattfand – und von den Haftkosten, die Lea selbst tragen musste, die Rede. Ein Jahr zuvor konnte er ihr noch schreiben: »Nun habe ich Dich wieder gesehen und war so froh. Wie im Traum bin ich nach Hause gegangen und alles erschien mir so unwirklich, aber dass ich Dich im Arm gehalten habe und Dein liebes, süßes Leben spürte, das war wahr.«
Leas Antworten erschüttern. Zwei zählen zum Konvolut aus Yad Vashem, das Maria Heiner auftrieb und transkribierte, um es der Lesung zugrunde zu legen. Lea im November 1938: »Jeder neue Morgen ist ein Schrecken und eine Last für mich. Ich bin völlig verzweifelt am Leben. … Ich lese Deine Briefe, denke immer, immer an Dich und weine viel.« Kurz vor der Deportation wurde sie vom Palästinaamt, einer Abteilung der Jewish Agency for Palestine, freigekauft. Dafür wurde Hans 1940 im KZ Sachsenhausen interniert. Später konnte er zur Roten Armee überlaufen. Lea rettete sich nach Palästina. Beide kehrten nach dem Krieg nach Dresden zurück und wurden in der DDR hoch geehrt.
»Liebste, sei nicht traurig auf unserer Höllenwanderung«: 11. Juni 2026, 18 Uhr, Gedenkstätte, Bautzner Str. 112 a, 01099 Dresden. Eintritt frei!
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Onlineabonnent*in Carsten G. 10. Juni 2026 um 18:31 UhrDas Land, dessen Existenz von Hitler bis Kohl vielen dt. Politikern missfiel, heißt Tschechoslowakei. Bitte nutzen Sie nicht das Unwort Tschechien, wenn Sie den Staat meinen, der bis 1992 unser Nachbarland war!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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