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Ballett

Ein Prinz muss gehen

Erst gefeiert, dann gefeuert: Starballerino Julian MacKay und das Bayerische Staatsballett

Foto: Denis Balibouse/REUTERS
Das war’s: Julian MacKay ist raus

Er ist ein virtuoser Ballerino. Aber ihm fehlte der Instinkt dafür, dass er auf der Abschussliste stand. Julian MacKay, US-Amerikaner und an der Akademie des Bolschoi-Balletts in Moskau ausgebildet, wurde am vergangenen Montag von seinem Arbeitgeber, dem Bayerischen Staatsballett, fristlos entlassen. Die Begründung fehlt allerdings, offiziell aus rechtlichen Gründen.

Vier Jahre lang hatte MacKay in München als Prinz und in ähnlichen Rollen begeistert. Aber seit seine frühere Bühnenpartnerin, die feingliedrige Madison Young, die ebenfalls aus den USA stammt, im letzten Jahr ostwärts zum Wiener Staatsballett abwanderte, sank MacKays Stern. Als eher schmächtiger junger Mann fand er beim Bayerischen Staatsballett keine neue adäquate Tanzpartnerin.

Für die Vorstellung am 10. Juli 2026 von »Die Kameliendame« von John Neumeier hatte MacKay sich auf die männliche Hauptrolle vorbereitet. Er wollte darin brillieren, sie gilt als Königsdisziplin im Ballett. Aber Julian MacKay wurde »nur« für die zweitwichtigste männliche Rolle im Stück eingeteilt. Als wandelndes Traumbild hat man in dieser Partie, Des Grieux genannt, durchaus viel zu tanzen.

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Objektiv ist Des Grieux sogar eine prachtvolle Rolle, für die sich viele Tänzer ein Bein ausreißen würden. Nicht so Julian MacKay. Obwohl er als lyrische Begabung fraglos sehr gut damit besetzt war. Doch in den sozialen Medien beschwerte er sich, dass er dieses Mal nicht den Armand tanzen durfte. Es wirkte leider so, als wolle er die Hauptrolle dem für sie durchaus besser passenden, kraftvolleren Tanzkollegen Jakob Feyferlik nicht so richtig gönnen.

Vielleicht gab es hinter den Kulissen noch mehr in diese Richtung. Jedenfalls war Julian MacKay bei den Chefs nicht mehr so angesehen wie noch vor einigen Jahren. Wütend und gekränkt reichte er eine Beschwerde bei der Theaterleitung ein. Mit dem Hinweis, er werde kündigen, falls man seinem Hinweis auf »Missstände« bei der Behandlung von Künstlern nicht nachgehe. Welche Missstände er konkret meinte, sagte er bislang nicht öffentlich. Aber MacKay erhielt als direkte Reaktion auf seine internen Anwürfe die fristlose Kündigung.

Der hochdotierte Tänzer wird, wenn er nicht dumm ist, klagen. Nun wäre es nicht der erste Prozess, den das Bayerische Staatsballett vor Gericht verliert. Aber die Verhaltensweisen, der Umgang im Miteinander, scheinen sich in den letzten Jahren am renommierten Opernhaus in München nicht verbessert zu haben. Vielleicht wird es mal Zeit für eine große Supervision?

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.07.2026, Seite 11, Feuilleton

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