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Jazz in der jW-Maigalerie

Das kleine Wunder

Am Dienstag spielten Tee.Trio in der Berliner jW-Maigalerie

Foto: Christian-Ditsch.de
Träumerisches Einvernehmen: Das Tee.Trio in der Maigalerie (Berlin, 7.4.2026)

Jazz kann eine so besondere Energie haben, dass man meint, zu schweben. Dieses Gefühl gab die Berliner Jazzcombo Tee.Trio mit Sophie Link als Gastsängerin ihrem Publikum am Dienstag abend in der Reihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie in Berlin-Mitte. Peter Ehwald, Kopf der Band, gab am Saxophon den Sound vor: hibbelig, kribbelig, irgendwie etwas nervös und dennoch ganz bei sich. Andreas Pichler an den Drums legte sein erstes Solo des Abends dazu ganz sanft hin, beinahe zart. Sein Bruder Matthias Pichler am Bass bettete dann das Sax in einen träumerischen Lauf – so entstand Harmonie zwischen den drei grundverschiedenen Instrumenten scheinbar spontan, als sei all das ein Zufall.

In diesem Flow, in dem alles logisch und zwangsläufig erscheint, erfüllten die Stücke der Jazzgrößen Charles Mingus und Charlie Parker sowie vor allem von Peter Ehwald die Maigalerie mit sprödem Charme. Wird draußen gerade die Welt zerbombt? Wartet Kuba auf die nächste rettende Öllieferung? Liegt da ein tapferer Wal im langsamen Sterben, während die Menschheit nur danach geifert, seinen Kadaver ins Museum zu schaffen? Die Musik weiß das vielleicht, aber sie will uns keine Vorhaltungen machen.

»Baumkronenschüchternheit« heißt ein Song. Sophie Link, in einem ärmellosen Pulli in der Farbe persischer Türkise, beherrscht den Free Jazz bis ins Atonale. Man kann sich gut vorstellen, wie ein Baum sich dazu am liebsten rhythmisch schütteln möchte, aber eben zu schüchtern ist. Zumal der Wind wohl eher einer Flaute gleicht. Aber Stück für Stück helfen die drei Instrumente, sie vollbringen schließlich das kleine Wunder der Gemeinsamkeit: mit einem einzigen langen, klangvollen Ton. Endlich wiegt sich die Baumkrone ohne Hemmungen.

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Gen Ende gibt es dann einen Hit von Supertramp, der hier aber so stark variiert ist, dass man ihn nur an der gesungenen Melodie erkennt: »When I was young« – wie schön und magisch im »Logical Song« der Jugend die Welt erscheint, ist nicht neu, aber immer wieder richtig. »Birthday« (»Geburtstag«) heißt der Absacker. Ehwald komponierte ihn an einem seiner eigenen Geburtstag, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Fetzig und rasant beginnt das Schlagzeug, der Bass kommt zackig dazu. Das Saxophon und die Sängerin bilden ein Paar, kommen gemeinsam in Schwung.

Bis sich die Tonlinien kreuzen. Das Schiff mit musikalischen Gefühlsladungen scheint im Meer der Unübersichtlichkeit ins Schlingern zu geraten. Doch ganz plötzlich steht der Klang wieder gerade im Raum. Das schafft so nur der Jazz.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.04.2026, Seite 11, Feuilleton

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