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08.05.2026
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Bunt war’s: Das Trio BROM spielte in der jW-Maigalerie
Man stelle sich Musik vor, die wie ein kunterbuntes Kaleidoskop blitzschnell die Muster wechselt. Am Dienstag abend spielte das Trio BROM zum zweijährigen Jubiläum der Konzertreihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie der jungen Welt in Berlin. Jazzkomponist Hannes Zerbe, Kurator der Konzerte, hat damit einen guten Griff getan. Wirklich schwierig, ruhig sitzen zu bleiben, obwohl oder weil die Rhythmen gewiss nicht simpel sind. Sie gehen ins Blut.
Der Beginn ist fetzig, schnell, hart, fast hektisch. Die drei Musiker von BROM, Alexander Beierbach am Saxophon, Bassist Jan Roder, Christian Marien am Schlagzeug, legen auf einen Schlag los. Die Energie der Berliner Band ist sensationell, und wie toll sie harmoniert, während sie die schönsten Disharmonien anrichtet. Das klingt jetzt vielleicht wilder, als es ist: Jazz lebt in vielen Sphären und ist in der Lage, Ungezähmtes galant zu servieren.
Rund zwanzig Minuten dauert das erste Stück, das von der harten Seite bald ins sanfte Gleiten kommt. Zwischendrin streicht Drummer Marien mit einem Cellobogen über den Beckenrand, wie in Trance entfächern die drei immer wieder kleine Intervallwunder. Der vierte Teil des Stücks beginnt zart und leise – steigert sich aber immens. Die Schwingungen werden langsamer, mit einer weiteren Steigerung entfaltet sich eine wahre Orgie aus Klängen. Beierbach kniet verzückt am Boden, das Blasinstrument an den Lippen.
Roder mit knallrotem Hemd steht mit dem Kontrabass in der Mitte, flankiert von Marien und Beierbach in Schwarz. Die drei könnten einem Gemälde von Max Beckmann entsprungen sein. Das am Abgrund tanzende Berlin vor hundert Jahren hatte vielleicht noch keinen so perfekt wilden Klang – aber ein ähnliches Temperament.
Die folgenden Stücke sind mal eine Viertelstunde lang, mal wenige Minuten. Trommelwirbel und Soli. Der Bass beginnt mit elegischem Gemurmel, bis Saxophon und Schlagzeug energisch einstimmen. Bald hämmert Marien derart genial seine solistischen Rhythmen, dass man sich wünscht, die Zeit möge stehenbleiben. Wie nebenbei schüttelt er eine mit Sand gefüllte Dose, macht damit Regengeräusche. Hätte der Schlagzeuger acht Arme wie ein Oktopus, hätte er garantiert mit allen acht Musik gemacht.
Saxophonist Beierbach, der das Trio vor fünfzehn Jahren gegründet hat, erklimmt schließlich wie ein Bergsteiger seinen Gipfel, Stück für Stück. Die Zugabe erinnert an einen Zug, der schneller und schneller fährt – bis zum nächsten Konzert der Reihe »jW geht Jazz«.
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