Es schaut der Mensch
»Ein Schlüssel zum Garten«: Die Galerie Bastian in Berlin-Dahlem zeigt Bilder von Max Liebermann
Wer die Natur liebt, kann über die Gartenbilder von Max Liebermann nicht hinwegsehen. Liebermann, der 1935 – angewidert von den Nazis – in Berlin starb, malte zuletzt meistens seinen eigenen Garten in Berlin-Wannsee. Diese Gemälde, durchwirkt vom Licht- und Schattenspiel des Sommers, sind nicht ohne Grund weltberühmt. Schon viele internationale Museen zeigten etliche der über 200 Meisterwerke mit den Gartenansichten. Jetzt hat die Galerie Bastian in Berlin-Dahlem eine erlesene Auswahl kleinformatiger Sommerbilder von Liebermann zu einer Schau zusammengestellt.
»Max Liebermann – ein Schlüssel zum Garten« heißt die Ausstellung, und sie besticht durch das Licht auf den Bildern, aber auch durch die milde Ausleuchtung des Raums. Letzterer lässt den Blick in den Eichenpark frei: Der britische Architekt John Pawson, buddhistisch inspiriert, schuf die kleine Kunsthalle mit der Möglichkeit, die wandhohen Fenster mit Vorhängen zu versehen oder eben nicht.
Die Bilder dazwischen wirken oft wie verschwommene fotografische Ausschnitte. Ihre Dynamik erschließt sich am besten, wenn man langsam auf ein Bild zugeht und dann ebenso langsam zurücktritt. Die Blumen, die sich in Liebermanns Pinselstrich harmonisch biegen, scheinen sich dann federleicht im Wind zu bewegen. Auch der sandfarbene Weg, der häufig im Bild ist, bekommt was Lebendiges. Man erinnert sich, wie es ist, wenn Regentropfen kleine Bäche auf einen Naturweg zaubern.
Die »Allee mit Fontäne« von 1931 zeigt hohe Bäume, einen breiten Weg – und an dessen Ende, als Zielpunkt für die Blicke, eine Brunnenfontäne, die mit dem Himmel zu verschmelzen scheint. Auch die »Zwei Reiter in der Allee bei Sakrow«, schon 1924 entstanden, passen in die Landschaft, als seien sie Porzellanfiguren in einer Miniaturkulisse. Blaugrün wehen die Wipfel der Kiefern. Hell leuchten Sonnenflecke auf. Man riecht fast die ätherischen Öle des Waldes, so viel Flair vermittelt sich.
Dabei gehört Liebermann gerade nicht zu den Naturalisten, sondern zu den Impressionisten, denen ein Tupfer Farbe hier und ein großzügiger Spachtelauftrag dort alles war. Aber schaut der Mensch nicht auch so? Aus dem »Nutzgarten« von Liebermann funkeln uns die Bauernblumen in Himbeerrot und Gelborange an. Nur elf Bilder sind es hier, zwei davon zeigen den Maler im Selbstbildnis. Dennoch hat man nach dem Ausstellungsbesuch das Gefühl, einen Tag in der freien Natur verbracht zu haben. Rätselhaft. Aber unbedingt zu genießen.
→ Bis 1. August, Galerie Bastian, Taylorstr. 1, 14195 Berlin, Di. bis Sa., 11 bis 17 Uhr
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