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04.04.2026
- → Feuilleton
Ein Fluidum
Tee.Trio spielen am Dienstag in der Berliner Maigalerie
Diese Musik kommt von Herzen – und vom Swing, denkt man zunächst. Bis sich verschiedenste Stilrichtungen eröffnen. »Tee.Trio« nennen sich die drei Jazzmusiker, die hier zusammenspielen: mit einem swingenden Namen also, der nach Tanztee oder »das Tanzbein schwingen« klingt. Tatsächlich spielte das Tee.Trio, mit genau dieser Interpunktion, lange in einem Teesalon. Und hat sich dem Ungewöhnlichen verschrieben. Originalität ist Trumpf: Das Stück »Eastcoasting« beginnt mit einem extravaganten Bass, um dann das Schlagzeug und das Saxophon wie hochgeschätzte Gäste dazuzuladen. Feste Rhythmen und fluide Melodien, was zugleich anregend und entspannend wirkt. Am Dienstag abend ist dieses Fluidum in der von Hannes Zerbe kuratierten Reihe »jW geht Jazz« in der Maigalerie der jungen Welt in Berlin zu genießen.
Zentrale Figur des Trios ist der 1978 geborene Berliner Peter Ehwald. Er, der schon mit der Drummerlegende Tom Rainey auftrat, spielt das Saxophon und wird flankiert von einem Zwillingspaar aus Tirol: von Matthias Pichler am Kontrabass und Andreas Pichler am Schlagzeug. Die Geschwister, Jahrgang 1981, fanden erst nach dem Studium und ersten Berufserfahrungen in Österreich und den USA nach Berlin. Sie spielten bis dahin mit Wolfgang Muthspiel und Mark Feldman, mit Achim Kaufmann und Joachim Haage.
Auch Peter Ehwald ist weit gereist, bevor er 2007 nach Berlin zurückkehrte. In Berlin-Mitte aufgewachsen, studierte er in Weimar und Köln, in London und New York. In Kombination mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger spielt er schon seit 2003. Seine Komposition »Alanis« wurde sogar in der berühmten Carnegie Hall in New York uraufgeführt. Aber ihn inspiriert nicht das Großstadttreiben, sondern die pure Musik. Oder, wie er selbst es formuliert: »Anregend sind die musikalischen Aggregatzustände und Klänge, die nur dann entstehen, wenn man intensiv zusammenspielt.«
Es ist also Musik, die hier Musik hervorbringt. Vorbild ist für Ehwald etwa Sonny Rollins, der US-amerikanische Saxophonist und Modern-Jazz-Komponist. Denn auch Ehwald selbst komponiert, wobei es ihm, typisch für Jazz, eher um die Schaffung von musikalischen Grundlagen für Improvisationen geht, nicht um vollständig fertige Werke. In der Maigalerie wird das Tee.Trio vor allem Stücke präsentieren, die Ehwald während der Coronapandemie entwickelte und die dann sozusagen verschütt gingen. Eine Erinnerung an eine Zeit, die so außergewöhnlich wie furchterregend, aber auch ebenso fruchtbar war.
Im zweiten Teil des Abends stößt die Sängerin Sophie Link hinzu. Gebürtig aus dem Umland von Hannover studierte sie in Weimar und Berlin – und reiste für Auftritte schon bis nach Russland und China. Jazz ist für sie ein Geschwisterkind von Pop, Indie und sogar von Folk. Folk in Form von Folklore versprechen dazu die beiden Tiroler. Das Tee.Trio sei seine »working band«, meint Peter Ehwald – da stehen ungewohnte Sounds mit Zimbelklang und Zirpen auf dem Programm.
Tee.Trio, Dienstag, 7. April, 19.30 Uhr in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten unter: 0 30/53 63 55-54 oder maigalerie@jungewelt.de
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