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Linke konsequent »zeitgemäß«

Ehrenmale in Berlin

Foto: Santiago Flores / jW
Laut dem Antrag der Grünen, der von der Linkspartei unterstützt wird, »einseitig durch die stalinistische Sowjetunion geprägt«: Das Ehrenmal im Treptower Park (8.5.2026)

Seit einiger Zeit hält sich das Gerücht, die Linkspartei sei seit der mit dem Parteitag von Halle 2024 eingeleiteten dosierten Hinwendung zu Elementarformen von Oppositionspolitik und dem nachfolgenden Zustrom zahlreicher Neumitglieder »eine andere Partei«. Darunter kann sich jeder irgendwas vorstellen – jedenfalls, so die Botschaft, habe die Partei nur noch wenig mit dem regierungslinken Wrack von 2023/24 zu tun.

Das Urteil scheint ein wenig vorschnell. Auch unterhalb der Ebene, auf der im Bundesrat Militarisierungsprogramme abgenickt und Resolutionen für Waffenlieferungen und Sanktionspolitik gebilligt werden, ist die »alte« Partei sehr rege. Zum Beispiel in Berlin, wo insbesondere die Fraktion im Abgeordnetenhaus weiter im Modus der Lederer- und Schubert-Regentschaft operiert – obwohl Lederer 2024 mit einigen harten Rechten, die nicht mit in den Mantel der Oppositionspartei schlüpfen wollten, aus der Partei ausgetreten ist.

In Berlin also liegt im Kulturausschuss des Landesparlaments (in dem weiterhin für die Linkspartei auch die mit Lederer ausgetretene Elke Breitenbach sitzt) jener Antrag der Grünen, der darauf zielt, die sowjetische Prägung der Ehrenmale, die in der Hauptstadt an den Sieg über Nazideutschland erinnern, mit antisowjetischen und antikommunistischen Narrativen zu überschreiben und letztlich zu zerstören. Nun hat die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landesparlament, Anne Helm, der Welt gesteckt, dass ihre Partei diesem Antrag zustimmen wird.

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Überraschen kann das finale Einschwenken auf eine für die kriegstüchtige Mobilisierung taugliche »zeitgemäße« Geschichts- und Erinnerungspolitik nicht. Beim Führungspersonal der Hauptstadtlinken steht der Hass auf den sozialistischen Versuch im 20. Jahrhundert seit jeher in einem direkt proportionalen Verhältnis zur immer leidenschaftlicheren Affirmation der eingerichteten Ordnung. Es ist konsequent, einmal beide Tendenzen zu gemeinsamer Wirkung kommen zu lassen und die Zurichtung der Ehrenmale auf der Linie einer mindestens latenten Gleichsetzung von Sowjetunion und Nazideutschland zu unterstützen.

Man kann das so zur Kenntnis nehmen und einen Schluss ziehen: Wer keinen Wert darauf legt, eine Politik zu unterstützen, die unter anderem das Zeigen der sowjetischen Flagge an den Ehrenmalen am 8. und 9. Mai zu einer Polizeiangelegenheit erklärt, kann im September nicht Die Linke wählen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 4. Juni 2026 um 21:22 Uhr
    Ich kann mir vorstellen, ein politisches und gesellschaftliches System zu wählen, aber keine Partei. Wenn zur Wahl stünden Sozialismus, Kommunismus, Kapitalismus, Monarchie, Oligarchie, Feudalismus usw., dann würde ich erstmal Sozialismus wählen. Parteien und Personen sind korruptionsanfällig und »wirtschaften« in die eigene Tasche. Manni Guerth
  • Hans Wiepert aus Berlin 4. Juni 2026 um 21:04 Uhr
    Ich bin heilfroh, aus dieser Partei rechtzeitig ausgetreten zu sein – um nun eine solide Konkurrenz zu unterstützen (die den Linken im Südwesten erfreulicherweise den Landtagseinzug verhagelte). Schon als auf dem Bundesparteitag 2022 eine obskure Exilukrainerin mit Blumen im Haar über Waffenlieferungen schwadronieren durfte, war klar, wohin der Hase läuft. Und der Zulauf 2024/25 kam ja im Wesentlichen von den Grünen, die in Sachen Russenhass und Militarismus äußerst rechts stehen (Panzertoni, Joschka Fischer u.v.a.). Die zusätzlichen Wähler sind eher aufgrund der Flüchtlingspolitik zu den Linken übergelaufen, nicht wegen Begeisterung für Antimilitarismus. Die Linken werden den gleichen Weg der Grünen gehen – Schritt für Schritt.
  • Michael Niklesz aus Zeitz 2. Juni 2026 um 19:29 Uhr
    …nicht die LINKE wählen? Was denn dann? (Ernst gemeinte Frage) Ich lebe nun nicht in der Hauptstadt, sondern im tiefsten Sachsen-Anhalt, und ich hätte da noch AfD, CDU, SPD, FDP, GRÜNE, BSW, DIE PARTEI, DIE BASIS zur Auswahl… was noch? Tierschutzpartei? Sagt‘s mir - bitte… oder sollen wir gar nicht wählen, damit die AfD auch sicher die absolute Mehrheit bekommt?
    • Kora Brandner aus Elsteraue, Lützkewitz 4. Juni 2026 um 09:48 Uhr
      Nichtwählen ist keine Option. BSW hat kluge Leute in ihren Reihen und wer sich für Frieden starkmacht, verdient eine Chance.
    • Onlineabonnent*in Raimon B. aus C. 4. Juni 2026 um 08:04 Uhr
      Lieber Michael Niklesz, Du stellst sicher eine ganz berechtigte Frage, die auch uns alle umtreibt. Nur, um es ganz klar zu sagen, Parteien die das gegenwärtige System der Ausgrenzung, sozialen Kälte und Kriegstüchtigkeit unterstützen, kann man nicht wählen. Auch denen, die sich links geben, aber im und mit dem konservativen Lager gemeinsame Sache machen oder dies wollen. Die Linke betreibt Etikettenschwindel, gibt sich sozial und friedfertig, aber unterstützt Bundes- und Landesregierungen, die Anderes tun. Wer wirkliche Veränderungen zugunsten der Menschen will, der muss bereit und willens sein, das gegenwärtige politische System ernsthaft in Frage zu stellen. Wer das nicht will und kann, den kann man auch nicht wählen. An der Wahl nicht teilzunehmen ist ein möglicher Ausdruck der Systemverweigerung und kann die Scheindemokratie bedingt bloßstellen. Rosstäuschern keine Stimme!
  • Raimon Brete aus Chemnitz 2. Juni 2026 um 12:58 Uhr
    Es war einmal undenkbar, dass sich »Linke« im Sog des Antikommunismus und verblendet von der »Russophobie« gegen die Ehrung der Gefallenen und Opfer der Sowjetunion vehement und geschichtsvergessen engagieren. Äußerst beschämend, wenn diese Blender und Vertreter der Partei Die Linke im Schoße bürgerlicher Parteien, koste es, was es wolle, nach der Übernahme von Staatsverantwortung streben. Diese ekelerregende Anbiederung, verbunden mit der Aufgabe sozialistischer Grundsätze, macht eine Wahlverweigerung und Mitgliedernichtigkeit zwingend erforderlich. Ich habe es bereits getan, als der Parteivorstand der Linken der EU und NATO die Absolution erteilte. Der parteipolitische und moralische Abstieg dieser Pseudolinken wird weitergehen.
  • Kora Brandner aus Elsteraue 2. Juni 2026 um 11:20 Uhr
    Nico Popp hat es zum Glück mal wieder auf die Titelseite geschafft mit seinem brillanten Beitrag zu den Ehrenmalen in Berlin. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die Geschichtsvergessenheit der Linkspartei istunerträglich, und alle die Menschen, die sich dort nach der Wende engagiert haben, können nur noch enttäuscht sein von dieser Wandlung zu einer Anbiederungspartei an die kriegslüsterne Regierung.
    Danke für diesen klugen Beitrag.
  • Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 2. Juni 2026 um 10:35 Uhr
    Allzu weit scheint auch Nico Popp nicht von der Linkspartei in Sachen Sowjetunion entfernt zu sein, wenn er suggeriert, den Sozialismus in der Sowjetunion und der DDR habe es eigentlich gar nicht gegeben, es war lediglich ein »sozialistischer Versuch«. Womit unterstellt wird, Kommunisten würden Experimente mit Menschen machen. Hätte nur noch die Behauptung gefehlt, dieser »Versuch« sei nicht durch Verrat und Konterrevolution zerstört worden, sondern »gescheitert«
    • Kora Brandner aus Elsteraue, Lützkewitz 4. Juni 2026 um 10:01 Uhr
      Welche politische Haltung Nico Popp hat, ist unerheblich. Er verfasst objektive Beiträge, die ich teile. Ich bin alt genug, um zu beurteilen, ob der »Sozialismus« in der DDR reformwürdig gewesen wäre. Leider werde ich wohl kaum eine zweite Chance erleben, in der die Fehler versucht werden zu beheben. Vielleicht haben spätere Generationen die Kraft dazu.
  • B.S. aus Ammerland 2. Juni 2026 um 09:57 Uhr
    Etikettenschwindel bezeichnet das Vortäuschen eines spezifischen Inhaltes mit Hilfe einer falschen oder irreführenden Inhaltsangabe auf dem Etikett. Der heutige Sprachgebrauch bezeichnet damit im eigentlichen Wortsinn das Etikett einer Ware, im übertragenen bzw. abstrakten Sinn das »Etikett« eines komplexen Sachverhaltes (Beispiele: Ein Produkt, eine Organisation ließe vermissen, was ihr Name verspricht.) aus Wikipedia. Und genau das ist die Partei Die Linke auf Bundesebene, aber besonders in Berlin. Salonlinke, mit keiner Lust zur wirklichen Arbeit, Maulhelden und Karrieristen prägen das Bild dieser (angeblich) Linken. Sage es immer wieder gerne … Die Grünen haben es vorgemacht, wie man zu Geld und Posten kommen kann. Von der eigentlichen politischen Position ist nichts mehr übrig!
  • Onlineabonnent*in Gabriel T. aus B. 2. Juni 2026 um 08:14 Uhr
    Dieses Pack aus Antideutschen, Antikommunisten und Stiefelleckern noch immer die »Linke« zu nennen, ist schon ein Euphemismus, der nur in Deutschland vorkommen kann.
  • Matias Völker aus Berlin 1. Juni 2026 um 20:49 Uhr
    Ich bin empört, dass die Linke/Berlin nun auch den russophoben Kurs der Grünen und der anderen Parteien, die die unsäglichen Beschlüsse zum Abhalten der Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung gutheißen, mitfährt. Aber was tut man nicht alles, um eventuell mitregieren zu können. Dass Leute, die die Linke in schwierigen Zeiten verlassen haben immer noch im Abgeordnetenhaus für die Linke sprechen dürfen, verstehe ich nicht, und wurde von der Basis auch anders gefordert … Sei es, wie es sei, aber in diesem Zustand ist die Linke in Berlin für mich kaum noch wählbar, und den vielen fleißigen Basismitgliedern, die sich im Wahlkampf den A… aufreißen, wird direkt in selbigen getreten. Ich verlange von meiner Partei, den eingebrachten Antrag der Grünen strikt abzulehnen. Ich möchte nicht in einer Reihe stehen mit Leuten, die überlegen, wie man das »Russische Haus« schließen kann, die sich gern mit ukrainischen Faschisten fotografieren lassen und, und, und! Matias Völker, 52 Jahre Mitglied dieser Partei
    • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 2. Juni 2026 um 12:24 Uhr
      Setzen wir noch eins drauf: In der Zeit des Zweiten Weltkriegs dienten mindestens sechs Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer in der Roten Arbeiter- und Bauernarmee. Mindestens 1,35 Millionen sind gefallen. Insgesamt starben zwischen achteinhalb und zehn Millionen Kämpfende der Roten Armee (ab 26. 2.1946 Sowjetische Armee/Sowjetarmee). Also waren mindestens zwischen 13,5 und 16 Prozent der in den drei Berliner sowjetischen Ehrenmalen Bestatteten Angehörige der ukrainischen Ethnie. Warum mindestens? Die Schlacht wurde von der 1. Ukrainischen Front angeführt, die zwar auch multiethnisch zusammengestellt war, in der jedoch vor allem Ukrainische kämpften. In der Schönholzer Heide sind etwa 13.000, im Treptower Park wohl 7.000 und im Ehrenmal Tiergarten mindestens 2.000 Gefallene der Roten Armee bestattet: zwischen 22.000 und 23.000 insgesamt. Welchen modernen (= zeitgenössischen) Dienst wird die Berliner PdL-Elite also den Ukrainischen leisten, wenn sie gegen die Ehrenmale und den Tag der Befreiung und den Tag des Sieges vorgeht? – Das ukrainische Jungvolk, das hier aufdringlich histrionisch (HPS-belastet) diese vielsagende blau-gelbe Flagge schwenkt, könnte sich mit seiner offensichtlichen intermittierenden explosiblen Störung bitte Hilfe suchen.
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