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Die CSU als Krakatau

Foto: Fariha Farooqui/REUTERS

Am Montag trompetete der Stern: »Und plötzlich gilt Hendrik Wüst als Einwechselkanzler«. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident habe sich am Rande einer Polenreise »sehr besorgt über die politische Lage in Deutschland, über den Zustand der Bundesregierung, besonders mit Blick auf die Landtagswahlen« gezeigt. Die Großmedienmeute nahm’s gierig auf, am Mittwoch gab’s Zunder aus dem Kanzleramt, einschließlich Wortspiel: »Wüste Spekulation« und »gefährliche Lust an der Zündelei«. Am Freitag wusste Bild: »Merz macht Wüst für die Berichterstattung verantwortlich und markiert ihn als Intriganten.« Dabei könne der Kanzler auch lustig: Bei FDP-Kubicki habe er sich am Telefon als »Eierarsch« vorgestellt.

Die deutschnationale Medienwindmaschine läuft also geschmiert wie immer, zumal gleichzeitig in der CSU »Das große Brodeln« (Bild) einsetzte. Am Freitag titelte die FAZ einen Seite-eins-Kommentar: »Söder sitzt auf einem Vulkan«. Die bayerische Staatspartei – ein Krakatau. Söder habe den Unmut offenkundig gespürt: »Also nahm er sich den Bart ab, schlug Ilse Aigner als Bundespräsidentin vor und postete im Netz keine Döner-Videos mehr.« Deutsches Spitzenpersonal anno 2026. Die CSU ist jedenfalls auf dem Weg von der Biernahrung zum flüssigen Magma, allerdings will ihr Ehrenvorsitzender Theo Waigel gegenüber der FAZ nur einen »Weckruf«, keine »Abrechnung« mit Söder vernommen haben. Der ließ am Freitag verlauten, er werde am 9. Juni an der Spargelfahrt des rechten »Seeheimer Kreises« der SPD teilnehmen.

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Außerhalb des rund 15.000köpfigen Medientrosses in Berlin-Mitte nerven die Gerüchteküchendünste. Die Neue Osnabrücker Zeitung seufzt jedenfalls am Freitag: »Auch das noch. Als hätte Friedrich Merz nicht schon genug Baustellen, kommt jetzt noch eine Personaldebatte hinzu.« So kann man Geplapper mit Wirklichkeit verwechseln. Die Chemnitzer Freie Presse macht in der Wutpressemitteilung des Kanzleramtes den nächsten Fehler der Merz-Truppe aus: »So etwas wieder auszutreten ist nicht leicht.« Die Magdeburger Volksstimme kann das Unken nicht lassen: »Nach den Ostwahlen dürften indes alle Karten neu gemischt werden – bis hin zur Merz-Auswechslung. Wer wäre der Trumpf, der dann für die Union stechen könnte? Außer Hendrik Wüst ist da nicht viel zu sehen.« Sieht die Badische Zeitung auch so, steht aber in Treue fest: Bis zum Herbst bleibe nur ein »kurzes Zeitfenster für Reformen«, die »nicht populär sein werden, aber notwendig sind, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen und den Sozialstaat zukunftsfest zu machen«. Leider versetzt Aberglaube nicht den Schwarzwald, um das Redaktionsgebäude zu begraben. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.05.2026, Seite 2, Ansichten

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