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15.05.2026
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Hat der Leiter des Museums das Verbot begründet?
Es ist nicht normal, dass am Tag der Befreiung im Museum Karlshorst Symbole der VVN verboten werden, sagt Gerhard Langguth
Das Museum Berlin-Karlshorst wird Jahr für Jahr am Tag der Befreiung von Menschen aufgesucht, die am Ort der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands am 8. Mai 1945 an die Zerschlagung des deutschen Faschismus und die damit verbundenen Opfer erinnern wollen. Sie waren am vergangenen Freitag auch dort, durften aber nicht auf das Gelände des Museums. Warum?
Ich bin am 8. Mai zu der kleinen Kundgebung vor dem Museum gegangen. Irgendwann kam der Bürgermeister des Bezirks Lichtenberg. Die ehemalige Lichtenberger Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch und die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner waren auch da. Sie sind auf das Museumsgelände gegangen, um dort Blumen und Kränze niederzulegen. Und da wollte ich mitgehen. Der Wachschutz hat mich allerdings nicht hineingelassen, weil ich ein Halstuch der VVN trug. Sie sagten, sie hätten die Weisung, niemanden mit politischen Symbolen auf das Gelände zu lassen.
Haben Sie darauf hingewiesen, dass es sich um die Organisation der Verfolgten des Naziregimes handelt?
Ja, aber das hat sie nicht interessiert. Als Gesine Lötzsch zurückkam, habe ich sie auf die Situation aufmerksam gemacht. Sie hat dann den Leiter des Museums, Jörg Morré, an die Pforte geholt. Ich kenne Herrn Morré von früher, denn in meiner Zeit als Vorsitzender der VVN-BdA in Lichtenberg hatte ich ab und an mit ihm zu tun. Ich habe ihn gefragt, was das soll. Das hier ist ein Ort, der an die Zerschlagung des Faschismus erinnert, und dann kommt einer mit einem Halstuch der Organisation der Verfolgten des Naziregimes und wird am Tag der Befreiung vom Faschismus nicht auf das Museumsgelände gelassen. Das ist doch nicht mehr normal. Und kein Antifaschismus.
Das hat ihn nicht nachdenklich gemacht?
Nein. Er hat bekräftigt, dass an diesem Tag alle politischen Symbole verboten sind. Und wenn einer mit einem AfD-Abzeichen käme, würde er den auch wegschicken. Er hat die VVN mit der AfD auf eine Stufe gestellt. An diesem Ort. Dann hat er angeboten, dass ich auf das Gelände gehen könne, falls ich das Tuch unter dem Kragen meiner Jacke verberge. Das habe ich abgelehnt und blieb ausgesperrt. Gesine Lötzsch konnte Morré auch nicht davon überzeugen, mich hineinzulassen. Der Bürgermeister, den ich ebenfalls angesprochen habe, hat gesagt, er könne nichts machen. Morré habe das Hausrecht.
Hat Morré die Verbotsverfügung, die ja noch über die Bestimmungen der Allgemeinverfügung der Berliner Polizei für den 8. und 9. Mai hinausgeht, Ihnen gegenüber begründet?
Nur damit, dass das Museum keine »Störungen« wolle. Was für Störungen die Symbolik der VVN verursachen könnte, hat er leider nicht erläutert. Ich habe ihm signalisiert, dass es schon ein bisschen merkwürdig ist, dass die Symbole der VVN an diesem Ort als potentiell störend betrachtet werden. Darauf ist er nicht eingegangen. Hier gilt das, was auch für das in diesem Jahr wieder ausgesprochene Verbot der sowjetischen Flagge an den Ehrenmalen gilt: Wer am Tag des Sieges über den Faschismus die Symbole der Sieger verbietet, stellt sich auf die Seite der Verlierer. Das sage ich als Sohn eines vom faschistischen Volksgerichtshof in Abwesenheit zum Tode verurteilten Widerstandskämpfers.
Nun hat das Museum am 8. Mai aber durchaus ein politisches Symbol nicht nur zugelassen, sondern demonstrativ gezeigt: Die Flagge der Ukraine hing wieder vor dem Gebäude.
Und die der Sowjetunion nicht. Das ist, wie man es auch dreht und wendet, ein klares politisches Zeichen. Daraus kann jeder seine Schlüsse ziehen. In der Ukraine werden Faschisten hofiert, mit Waffen ausgestattet und in die Streitkräfte integriert.
Wird Ihre Organisation das Vorgehen der Museumsleitung thematisieren?
Ich gehe davon aus, dass das passieren wird. Es gibt schon eine Stellungnahme der Berliner VVN-BdA.
Darin wird das Verhalten des »sehr geehrten« Museumsleiters als »unhöflich, unsensibel und geschichtsvergessen« bezeichnet. Eine sehr verhaltene Kritik. Es ist doch ziemlich offensichtlich und ergibt sich auch aus Ihrem Wortwechsel mit Morré, dass die Museumsleitung eine klare politische Agenda hat und genau weiß, was sie tut.
Davon gehe ich auch aus.
Werden Sie 2027 am 8. Mai wieder vor dem Museum stehen?
Selbstverständlich. Natürlich mit dem VVN-Halstuch.
Gerhard Langguth ist aktiv in der VVN-BdA Berlin-Lichtenberg
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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