-
7 Leserbriefe
- → Ansichten
Kuba schon besiegt?
Am Freitag trafen sich im Außenbereich des US-Folterlagers Guantanamo Bay auf Kuba der Chef des US-Regionalkommandos (Southcom), General Francis Donovan, und der Chef des Generalstabs der kubanischen Revolutionären Streitkräfte, Roberto Legrá Sotolongo. Bei dem kurzen Austausch seien »Fragen der operativen Sicherheit« erörtert worden, teilte Southcom auf X mit. Das Verteidigungsministerium in Havanna sprach von einem »positiven Treffen«. Welche Bedeutung das auch immer hatte, die deutsche Bürgerpresse war auch am Montag hingerissen vom vermeintlichen Sieg über alles Linke, aber nicht begeistert von der Aussicht auf einen blutigen Krieg.
Die Süddeutsche Zeitung feiert den endgültigen Sieg unter der Überschrift »Aus der Traum« und träumt: »Endspiel in Havanna: Die Tage des sozialistischen Kuba, dieser Sehnsuchtsinsel der Linken seit fast 70 Jahren, sind gezählt.« Trumps »mittelalterlich anmutende Strategie des Aushungerns und ein massives Militäraufgebot mitsamt einem Flugzeugträger vor der Küste haben den Widerstand in Havanna nahezu erstickt. Jetzt geht es nur noch darum, auf welche Art das Regime abdankt. Es wurde Zeit.« Denn das Scheitern des kubanischen Modells hätten »die Machthaber in Havanna seit Jahrzehnten selbst« besorgt. Völlig richtig: Aus der Sicht der besitzenden Klasse sind Revolutionen stets anlasslos, also überflüssig und ihre Macher immer unfähig. Wirtschaftliches Erwürgen oder gar militärische Attacken sind nebensächlich, mordende Konterrevolutionäre rechtfertigen daher keine Repression. Außerdem kommen der US-Präsident und die KP Kubas aus derselben Einheitssoßenschüssel: »Richtig ist, dass Trump für die Kubaner in Kuba genauso wenig Empathie aufbringt wie das Regime in Havanna.« Na klar, Kommunisten handeln wie schmierlappige Nepper und Bauernfänger.
Zu diesem hohen Grad an Ausgewogenheit gelangt die Onlineausgabe der Zeit nicht. Sie veröffentlicht am Montag einen langen Text zu Kuba unter dem Titel »Das Regime, das nicht fallen will« und stellt die Frage, ob »den USA nur noch der Einsatz roher Gewalt« bleibe, »um Kuba zu unterwerfen?« Anders als die Süddeutsche Zeitung will die Zeit aber noch nicht den Sieg feiern, denn der könne »Bilder von Gefallenen« mit sich bringen und »einen möglicherweise langen, zermürbenden Krieg, den Trump innenpolitisch nicht gebrauchen kann.«
Ähnlich sieht das auch Bernd Wulffen, von 2001 bis 2005 deutscher Botschafter in Havanna. Er warnte am Sonnabend in einem Leserbrief in der FAZ, Trump könne bei einem Angriff auf Kuba in ein »Hornissennest« stoßen, auf mehr als eine Million kurzfristig Mobilisierter: »Kuba ist nicht Venezuela«. (as)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 2,7
-
Reinhold Schramm aus Berlin 4. Juni 2026 um 19:46 UhrAntwort auf Franz S. und Joachim Seidel. »Das Bürgertum brauchte fast 300 Jahre, ehe es sich gegen den Feudalismus durchsetzen konnte.« Weiterhin bestimmt das feudale Bewusstsein das Sein im Kapitalismus. Jürgen Kuczynski verweist beim Erkennen der Begebenheiten auf die Wirklichkeit der Welt. Um zu begreifen, müssen wir uns mit der vorhandenen Wirklichkeit in der jeweiligen Gesellschaft beschäftigen. Ein Denkfehler Lenins war es, man könnte mit der Aufnahme religiöser Menschen in die Partei die Religion der feudalistischen Gesellschaftsordnung und deren fortwirkenden religiösen Bewusstseinslagen überwinden. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde in allen Nachfolgestaaten nicht nur die fortschreitende Umwandlung in den Kapitalismus, sondern auch das Fortbestehen des feudal-religiösen Aberglaubens des Christentums wie vor allem auch des Islams deutlich. Nach dem Sieg Vietnams über den ideologisch christlich geprägten US-Imperialismus besuchte ich mit anderen Vietnamfreunden das Land. Der Befreiungskampf Vietnams erfolgte maßgeblich auch aus der traditionellen und bis heute fortbestehenden feudalistischen religiösen Bewusstseinslage. Ob der vorgeblich antireligiöse Kampf der Regierungspartei Chinas auf Dauer erfolgreich sein dürfte, das klärt für uns noch der weitere Verlauf der Geschichte. Zu Kuba: Nicht umsonst besuchte der vormalige katholisch-römische Papst Kuba und Fidel Castro den Papst in Rom. Rund 70 Prozent der Kubaner bekennen sich zum feudal-religiösen Christentum und etwa 15 Prozent zum feudal-religiösen afrikanischen Aberglauben. »Das Bürgertum« und die Bourgeoisie haben es bis heute noch nicht geschafft, den Feudalismus im Massenbewusstsein zu überwinden. Aktuell genügt hier auch noch ein Blick auf die Migrationsbewegung, insbesondere auf die Migranten in der EU und in Deutschland. Sie sind in ihrer übergroßen Mehrheit – trotz der ökonomisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung – vom feudal-religiösen Aberglauben im Massenbewusstsein geprägt.
-
Reinhold Schramm aus Berlin 5. Juni 2026 um 10:53 UhrBill Anderson, geboren 1966, ist seit dem 1. Juni 2023 Vorstandsvorsitzender der Bayer AG. Zuvor war der US-Amerikaner in führenden Positionen bei den Biotech- und Pharmakonzernen Biogen, Genentech und Roche tätig. Anderson hat Chemieingenieurwesen und Management in Texas und am Massachusetts Institute of Technology studiert. Er bezeichnet sich als gläubigen Christen, der seine Kraft aus dem Glauben an Gott schöpft. Ein beispielhafter Nachtrag zum feudal-religiösen Klassenbewusstsein wie auch Massenbewusstsein im historischen Feudalismus, im vormaligen bürgerlichen Realsozialismus und heutigen Bourgeoissozialismus wie im heutigen Finanz- und Monopolkapitalismus der jeweiligen »Volksgemeinschaft« und »Sozialpartner« des herrschenden Religions-Feudalismus und der Bourgeoisie, so auch heute im 21. Jahrhundert in Nordamerika, Afrika, Lateinamerika, Asien, Deutschland und ganz Europa. 05.06.2026, R.S.
-
-
Reinhold Schramm aus Berlin 2. Juni 2026 um 13:34 Uhr»Kuba schon besiegt?« Bemerkenswert bleibt, dass es vor allem feudalen, feudal-religiösen, kolonialistischen und imperialistischen Herrschaftsregimen einer gesellschaftlichen Minderheit gelingt, eine breite kämpferische Basis für ihren Macht- und Herrschaftsanspruch zu mobilisieren. Dass bisher alle historisch progressiven sozialrevolutionären Befreiungsversuche der sozialökonomischen und eigentumslosen Mehrheit der jeweiligen Bevölkerungen in ihrem Kampf um Emanzipation und Befreiung gescheitert sind. So auch ein weltweites Scheitern der ursprünglich sozialrevolutionären Befreiungsbewegungen im 20. Jahrhundert. So auch die Völker der Sowjetunion unter dem Anspruch ihrer sozialrevolutionären Führung, der einst kommunistischen Partei. Das Scheitern im Spanischen Bürgerkrieg. Die vormals an ihrem humanistischen Anspruch gescheiterten osteuropäischen antifaschistischen und antikapitalistischen Staaten. Aber auch die Unmöglichkeit der Kommunisten und Sozialisten, mit Unterstützung der UdSSR eine sozialistische und antikapitalistische Deutsche Demokratische Republik dauerhaft und widerstandsfähig mit ihrem ursprünglichen gesellschafts- und sozialpolitischen Anspruch aufzubauen. Ebenso die sozialrevolutionäre Niederlage Vietnams wie der Volksrepublik China. Wo jeweils die sich neu herausbildende Bourgeoisie die Kontrolle über die gesellschaftlichen Produktionsmittel und das sich hieraus entwickelnde Privateigentum an Produktionsmitteln ausübt; so auch unter dem ideologisch-demagogischen Anspruch auf revolutionären Fortbestand. Gleiches gilt so auch für alle vormaligen national- und sozialrevolutionären Befreiungsbewegungen in Asien, Nahost, Afrika und Lateinamerika. Sie implodierten an inneren Widersprüchen und äußeren imperialistischen Einflussnahmen. Beispielhaft hierfür ist auch die vor allem aus sozialökonomischen Gründen vorangetriebene Flucht- und Migrationsbewegung aus sozioökonomischen Schwellen- und Entwicklungsländern nach Westeuropa und Nordamerika. Es sind vor allem die medialen Verheißungen auf ein besseres wirtschaftliches und soziales Leben in den westlichen Wirtschafts- und materiellen imperialistischen Reichtumsmetropolen, die dazu verführen, auf eine soziale Befreiung von den heimischen Oligarchen und korrupten Eliten zu verzichten. Auch Kuba ist seit Generationen den materiellen und ideologisch-demagogischen Versprechungen des westlichen Imperialismus ausgeliefert. Zudem werden diese Illusionen und Wunschvorstellungen von einem besseren wirtschaftlichen und sozialen Leben durch deren Migranten und Exilanten in Westeuropa und vor allem in Nordamerika materiell und ideologisch befeuert. Der weitere Verlauf der jüngsten Geschichte und die Gegenwart Kubas werden uns auch Aufschluss darüber geben. 02.06.2026, R.S.
-
Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 5. Juni 2026 um 11:02 UhrIch fasse mal kurz zusammen: 1. Sie sagen, dass nahezu alle sozialrevolutionären und sozialistischen Befreiungsversuche des 20. Jahrhunderts – von der Sowjetunion über die DDR bis zu China, Vietnam und zahlreichen Bewegungen in Asien, Afrika und Lateinamerika – letztlich gescheitert seien. 2. Als Grund benennen sie innere Widersprüche und äußere Einflüsse des Imperialismus und die Herausbildung neuer Eliten und Eigentumsverhältnisse. 3. Einwanderung in westliche Industriestaaten erfolgt durch materielles Wohlstandsversprechen, die revolutionäre Befreiungen schwächen würden. 4. Kuba wird da als aktuelles Beispiel gesehen. Wenn man, wie sie, geschichtliche Entwicklungen geradlinig bewertet und nicht den Zickzackkurs erkennt (was der Realität entspricht), dann kommt man zwangsläufig zu solchen absurden Schlussfolgerungen. Für mich ist die erste Etappe, die Herausbildung sozialistischer Staaten, zu Ende gegangen (was sagen Sie zu Nordkorea?). Die zweite Etappe hat schon begonnen: Untergang des westlichen Imperialismus, siehe u.a. BRICS-Zusammenschluss. Manni Guerth
-
Reinhold Schramm aus Berlin 5. Juni 2026 um 13:59 UhrAntwort auf Manfred G.: Mein Verständnis für ihre tiefenpsychologische Trauer und der anderen bürgerlichen Idealisten über den Untergang des Realsozialismus. Alle bisherigen historischen Bemühungen um »Sozialismus« befanden sich im embryonalen Zustand auf dem Weg zum Sozialismus und sind an den inneren gesellschaftlichen Widersprüchen und der äußeren ideologischen und imperialistischen Einflussnahme gescheitert; einschließlich der militärischen Ausrottungspolitik der Finanz- und Monopolbourgeoisie gegenüber der jeweiligen Befreiungsbewegungen, vor allem unter Führung der Kommunisten. ► Im Übrigen sind feudal-bürgerliche Herrschaftsideologien und Familiendynastien keine gesellschaftspolitische Grundlage für einen gegenwärtigen und zukünftigen Sozialismus. Daran ist nicht nur das fortbestehende muslimische Albanien gescheitert, ebenso auch Jugoslawien und Korea, Vietnam, Laos, Kambodscha und aber auch das heutige immer noch bürgerlich-idealistisch verehrte China. PS: Wie die einst sozialrevolutionäre deutsche Arbeiterklasse vor 1933 müssen wir uns ernsthaft mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auf marxistischer Grundlage auseinandersetzen. Dafür müssen wir unseren feudal-religiösen Aberglauben und unseren bürgerlichen (Ver-)Bildungsidealismus im 21. Jh. nachhaltig überwinden, auch wenn es im Einzelfall sehr schmerzhaft im tiefenpsychologischen Bewusstsein sein mag. Literaturempfehlung gegen den kleinbürgerlichen Zickzackkurs: ▪ Marx und Engels über Religion. Dietz Verlag Berlin 1976. ▪ Albert Norden: So werden Kriege gemacht! Dietz Verlag Berlin 1968. ▪ Sebastian Haffner: Der Verrat 1918/1919 – als Deutschland wurde, wie es ist. Verlag 1900 Berlin. ▪ Kurt Pätzold und Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP 1920 bis 1945. PapyRossa Verlag 2009. ▪ Otto Finger: Philosophie der Revolution. Verlag der Wissenschaften 1975 ▪ Karl Marx: Das Kapital. Erster, Zweiter und Dritter Band. Dietz Berlin. ▪ Autorenkollektiv: Politisches Grundwissen. Dietz 1972 (unvollständig)
-
-
Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 4. Juni 2026 um 15:12 UhrWas ist der Zweck dieses Rundumschlags gegen alle fortschrittlichen Bewegungen und was wollen Sie mit der Leugnung von Erfolgen erreichen? Defätismus bei den Lesern erzeugen? Arm und reich, unten und oben, Ausbeutung und Krieg wird es immer geben? Wer könnte daran ein Interesse haben? Man hat auch nicht das Gefühl, dass es sich beim Schreiber um einen armen Mann handelt. Wenn doch, handelt er gegen seine eigenen Interessen.
-
Joachim Seidet aus Berlin 2. Juni 2026 um 15:05 UhrWarum so pessimistisch? Der Weg in eine neue Welt ist nun mal keine glatte Asphaltstraße. Große Umwälzungen haben immer auch große Rückschläge hinnehmen müssen. Das Bürgertum brauchte fast 300 Jahre, ehe es sich gegen den Feudalismus durchsetzen konnte. Nach schrecklichen Gemetzeln wie im 30jährigen Krieg. Und dennoch kam, was kommen musste: Die Gesellschaftsordnung, die den Feudalismus endgültig begrub. Kann man daraus etwas lernen? Ich meine ja.
-
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
