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02.06.2026
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Kuba schon besiegt?
Am Freitag trafen sich im Außenbereich des US-Folterlagers Guantanamo Bay auf Kuba der Chef des US-Regionalkommandos (Southcom), General Francis Donovan, und der Chef des Generalstabs der kubanischen Revolutionären Streitkräfte, Roberto Legrá Sotolongo. Bei dem kurzen Austausch seien »Fragen der operativen Sicherheit« erörtert worden, teilte Southcom auf X mit. Das Verteidigungsministerium in Havanna sprach von einem »positiven Treffen«. Welche Bedeutung das auch immer hatte, die deutsche Bürgerpresse war auch am Montag hingerissen vom vermeintlichen Sieg über alles Linke, aber nicht begeistert von der Aussicht auf einen blutigen Krieg.
Die Süddeutsche Zeitung feiert den endgültigen Sieg unter der Überschrift »Aus der Traum« und träumt: »Endspiel in Havanna: Die Tage des sozialistischen Kuba, dieser Sehnsuchtsinsel der Linken seit fast 70 Jahren, sind gezählt.« Trumps »mittelalterlich anmutende Strategie des Aushungerns und ein massives Militäraufgebot mitsamt einem Flugzeugträger vor der Küste haben den Widerstand in Havanna nahezu erstickt. Jetzt geht es nur noch darum, auf welche Art das Regime abdankt. Es wurde Zeit.« Denn das Scheitern des kubanischen Modells hätten »die Machthaber in Havanna seit Jahrzehnten selbst« besorgt. Völlig richtig: Aus der Sicht der besitzenden Klasse sind Revolutionen stets anlasslos, also überflüssig und ihre Macher immer unfähig. Wirtschaftliches Erwürgen oder gar militärische Attacken sind nebensächlich, mordende Konterrevolutionäre rechtfertigen daher keine Repression. Außerdem kommen der US-Präsident und die KP Kubas aus derselben Einheitssoßenschüssel: »Richtig ist, dass Trump für die Kubaner in Kuba genauso wenig Empathie aufbringt wie das Regime in Havanna.« Na klar, Kommunisten handeln wie schmierlappige Nepper und Bauernfänger.
Zu diesem hohen Grad an Ausgewogenheit gelangt die Onlineausgabe der Zeit nicht. Sie veröffentlicht am Montag einen langen Text zu Kuba unter dem Titel »Das Regime, das nicht fallen will« und stellt die Frage, ob »den USA nur noch der Einsatz roher Gewalt« bleibe, »um Kuba zu unterwerfen?« Anders als die Süddeutsche Zeitung will die Zeit aber noch nicht den Sieg feiern, denn der könne »Bilder von Gefallenen« mit sich bringen und »einen möglicherweise langen, zermürbenden Krieg, den Trump innenpolitisch nicht gebrauchen kann.«
Ähnlich sieht das auch Bernd Wulffen, von 2001 bis 2005 deutscher Botschafter in Havanna. Er warnte am Sonnabend in einem Leserbrief in der FAZ, Trump könne bei einem Angriff auf Kuba in ein »Hornissennest« stoßen, auf mehr als eine Million kurzfristig Mobilisierter: »Kuba ist nicht Venezuela«. (as)
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