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Weinkellner des Tages: Stalin

Foto: Irakli Gedenidze/REUTERS
Größte Etikettensammlung der Welt

Georgien, Land der Bauern. Vielleicht leitet sich der Name auch vom Heiligen Georg ab, Land der Weinbauern ist Georgien in jedem Fall, der Wein nämlich wurde dort erfunden. Vor groben 8.000 Jahren ging er auf Wanderschaft, mit im Gepäck: das Wort »Wein«, übernommen von den Sprachen der indoeuropäischen Familie. Wer wissen will, wie dieser Prototyp geschmeckt hat, kann das durchgegorene Fabrikat probieren, das heute als »Orangewein« verkauft wird, doch ich rate ab.

Ein anderer Exportschlager Georgiens: Stalin. Und tatsächlich meldete der französische Nachrichtensender BFM TV am Wochenende, die Regierung Georgiens habe beschlossen, Stalins Weinkeller zu öffnen. Nicht die Weine, nur den Keller. Rund 40.000 Flaschen soll er enthalten, was schon passt. Immerhin war Stalin, nach Meinung Stalins, auch beruflich von Flaschen umgeben, der Besuch im Keller dürfte vertraute Gefühle gestiftet haben. Die Abfüllungen, die zum Teil noch aus den Sammlungen der Zaren Alexander III. und Nikolaus II. stammen, harren der Versteigerung. Mit dem Erlös soll eine Schule für Önologie gegründet werden.

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Was immer mit dem Wein dann passiert, getrunken wird er wohl nicht. Weine von mehr als 20 Jahren Lagerung sind ein Risiko, auch die süßen, auch die tanninstarken. In der Regel schmecken sie nach Essig. Ein Wein fürs Auge also, man kann nicht beides sein, Sammler und Alkoholiker. Victor Chen, Sammler aus Texas, scheint es dennoch zu versuchen. Eigens nach Tbilissi geeilt, gab er dem TV-Sender die etwas benebelte Auskunft: »Ich habe das Gefühl, dass ich Indiana Jones bin, der eine Höhle öffnet.« Nein, Echtzeitheld, du bist eher wie diese Knalltüten, die die Laufzeit des Films damit zubringen, Indi den gehobenen Schatz abzujagen, und die enden in der Regel damit, dass sie die Tür eines Kellers nicht mehr aufkriegen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 3, Ansichten

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