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15.05.20268 Leserbriefe
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Kasse und Klasse
Die Linke: Schwerdtner und Pantisano bewerben sich als »Team« um den Vorsitz. Anhaltende Unruhe wegen geplanter Diätenobergrenze für MdBs
In rund fünf Wochen soll beim Bundesparteitag der Linkspartei in Potsdam die Parteiführung neu gewählt bzw. im Amt bestätigt werden. Für die Doppelspitze bewerben sich die aktuelle Koparteichefin Ines Schwerdtner und – nach dem angekündigten Rückzug Jan van Akens – der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano aus Baden-Württemberg. Schwerdtner und Pantisano treten jetzt auch offiziell als »Team« an, wie sie am Mittwoch in einer auf Schwerdtners Webseite veröffentlichten Erklärung bekanntgaben. Man habe sich bei der Arbeit in der Bundestagsfraktion »persönlich schätzen gelernt«, heißt es darin.
In der Erklärung finden sich auch einige programmatische Aussagen. Bekräftigt wird etwa das Leitbild einer »organisierenden Klassenpartei«. Als Ziel wird ausgegeben, »mehr Arbeiterinnen und Arbeiter« zu erreichen: »Wir machen keine Politik für Linke, sondern linke Politik für alle. Unsere soziale Basis muss breiter und stabiler werden.« Bis 2029 soll die Partei auf 200.000 Mitglieder wachsen.
Rein äußerlich scheint die Lage der Linkspartei im Vergleich zur Situation im Oktober 2024, als Schwerdtner und van Aken beim Bundesparteitag in Halle (Saale) an die Parteispitze gewählt wurden, gänzlich verändert zu sein. Während die Partei damals nach jahrelangem Siechtum, katastrophalen Ergebnissen bei Landtagswahlen in ihren einstigen ostdeutschen Hochburgen und mit Umfragewerten von drei Prozent in Richtung Bundestagswahl taumelte, steht sie seit dem Frühjahr 2025 in Umfragen stabil bei bundesweit zehn bis zwölf Prozent – ohne dass sie, so scheint es, viel dafür tun muss.
Die sichtbarste Aktivität der Bundestagsfraktion im Vorfeld des Parteitages ist aktuell der Kampf gegen einen Antrag, mit dem die Parteispitze eine verpflichtende Deckelung der Abgeordnetendiäten auf dem Niveau des deutschen Durchschnittslohns – mit zusätzlichen Freibeträgen, falls es Kinder oder pflegebedürftige Angehörige gibt – herbeiführen will. Nachdem einzelne MdBs, darunter der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow, auf offener Bühne gegen das Vorhaben geschossen hatten, wurde in dieser Woche bekannt, dass sich auch die Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek und Sören Pellmann Ende April in einem Schreiben an den Parteivorstand gegen den Plan ausgesprochen haben. Darin konstatieren Reichinnek und Pellmann, dass mit der Debatte Misstrauen gegen die Abgeordneten geschürt werde und die Fraktion nicht ausreichend einbezogen worden sei. »Wir deckeln unser Gehalt bereits«, heißt es unter Verweis auf die verpflichtende Mandatsträgerabgabe, Beiträge und Spenden. Gefragt wird, ob man als MdB in Zukunft »beim Bundesschatzmeister, dem Parteivorstand oder einer anderen Gruppe vorsprechen und sich komplett nackt machen muss«. Was »wir in den Fraktionssitzungen gehört haben, wirkte wie eine Befragung vom Jobcenter«, schreiben Reichinnek und Pellmann.
Es ist offenkundig kein Vergleich zu schief, um einen einfachen Tatbestand zu verschleiern: Die Mehrheit der Linke-Bundestagsabgeordneten empfindet einen Gehaltsdeckel von 2.850 Euro netto schlicht als Zumutung und ist nicht bereit, derlei zu akzeptieren. Die Parteispitze befindet sich nun in einer Zwickmühle, denn beim Potsdamer Parteitag droht eine schlagzeilenträchtige Auseinandersetzung über diese Frage mit dem Potential, die Fassade der »Klassenpartei« nachhaltig zu beschädigen.
Auch andernorts in der Partei sammeln sich Bataillone, die eher nicht von einer »organisierenden Klassenpartei« träumen. Zuletzt hat sich unter dem Label »Demokratische Linke« eine neue rechte Strömung konstituiert. Anfang Mai hat sie ein Grundsatzpapier beschlossen. Darin wird wieder das alte strategische Ziel (das 2021 den Linke-Bundestagswahlkampf geprägt hat, der in gewisser Hinsicht der Auftakt der Existenzkrise der Partei in den folgenden Jahren war) formuliert, auf Bundesebene eine Regierung mit SPD und Grünen zu bilden. Als nicht hilfreich gekennzeichnet werden darin »ein hilfloser Antikapitalismus, Zusammenbruchphantasien oder eine vermeintliche ›Klassenpolitik‹«. Für den nächsten Anlauf braucht es eine »moderne linke Partei« bzw. »eine reformorientierte und progressive Linke«, die sich von Programmbeständen trennt, die »zeitgebunden und erneuerungsbedürftig« sind, und die eine »zeitgemäße Vision eines demokratischen Sozialismus entwickelt, die nicht in Vorstellungen und Rhetorik des 19. und 20. Jahrhunderts stecken bleibt«. Kein Bestandteil der »Vision« der Linksdemokraten ist eine »Rhetorik, in der der Begriff ›Klasse‹ nur ein Codewort für Fundamentalismus und Re-Maskulinisierung ist«. Man darf gespannt sein, ob der Potsdamer Parteitag Appetit auf eine solche »Modernisierung« der Partei erkennen lässt.
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Joachim Becker 18. Mai 2026 um 10:09 UhrDie Partei Die Linke ist schon lange keine Partei »der arbeitenden Klasse«, der Arbeiterklasse mehr. Wer in der BRD mitregieren will, muss bekanntlich auch Kompromisse, mitunter mit den bürgerlichen Parteien, eingehen. Was mit der Linkspartei zusammen dabei herausgekommen ist, haben die Wählerinnen und Wähler dieser Partei oft genug gesehen. Was heute fehlt, ist eine wahrhaft linke (!) Opposition, der es nicht ums Mitregieren, sondern um Veränderung geht.
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Hans Wiepert aus Berlin 16. Mai 2026 um 02:47 UhrWie peinlich: Als Nutznießer eines fünfstelligen Diäten-Salärs verhöhnen Frau Reichinnek und Herr Pellmann sämtliche Bürgergeld-Empfänger, wenn sie derart auf die Tränendrüse drücken. Interessant der Verweis auf die »Demokratische Linke«, welcher die bloße Erwähnung des Klassenbegriffs als »Re-Maskulinisierung« beschimpft. Dieser Kurzschluss ist bei näherer Betrachtung nicht nur männer-, sondern auch frauenfeindlich. Denn es stellt sich dann ja die Frage: Findet Klasse ohne Frauen statt?
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Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 15. Mai 2026 um 16:23 UhrDie selbsternannte Linke aktualisiert mit ihren »Diskussionen« die politische Mottenkiste. Eine uralte Taktik ist es, wenn man etwas erhalten bzw. behalten möchte, dann muss man es überschwänglich kritisieren und nach der Kritik einfach weitermachen wie bisher, in diesem Fall vom Kapitalismus profitieren. Das hat die christliche Kirche bis heute vorgemacht. Sie hat ihre Untaten zum Teil kritisiert und als Wandlung verkauft, wobei ihre Religion die gleiche geblieben ist. Die selbsternannte Linke verteidigt den Kapitalismus, in dem sie den Kapitalismus kritisiert, aber in der Realität den Kapitalismus unterstützt. Das linke Bürgertum lebt von der Ausbeutung der Arbeiterklasse und will von uns Arbeitern immer bedient werden. Ob Putzfrau oder Handwerker, wir Arbeiter sollen ihnen dienen. Mao hat es auf den Punkt gebracht: »Das Kriterium der Wahrheit und der Erkenntnis ist die Praxis.« Die Praxis der Linke-Bürokraten und -Politiker findet in einer »Aktentasche« statt. Der Inhalt ihrer »Aktentasche« bestimmt ihre Praxis. Ich als klassenbewusster Bauarbeiter führe kein Leben in der »Aktentasche« und kann es mir nicht leisten, den Kapitalismus zu retten. Verschärfte Ausbeutung meiner Arbeitskraft, Steuerraub, Finanzamt Terror, Kriegsvorbereitung, gelbe Gewerkschaft, Faschismus, mangelhafte Gesundheitsversorgung, Kürzung der Altersrente, Lügenmedien und kontrollierte Presse, Bildung auf niedrigem Niveau usw. sind Sachen, die mich wütend machen und die ich im Rahmen meiner Möglichkeiten praktisch bekämpfe. Manni Guerth
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Stanislav Sedlacik aus Weimar 15. Mai 2026 um 14:06 UhrDie Linke: Schwerdtner und Pantisano bewerben sich als »Team« um den Vorsitz. Anhaltende Unruhe wegen geplanter Diätenobergrenze für MdBs, damit beginn der Artikel. Das neue Team hat viel zu tun, um die Partei im schweren Sturm auf Kurs zu halten. Das Motto vieler Mitglieder der Partei auf allen Ebenen lautet: »Und willst du nicht mein Bruder sein, schlage ich dir den Schädel ein.« Im zweiten Satz wird gefordert, dass sie dies für 2.850 Euro machen sollen – das entspricht einem durchschnittlichen Nettolohn. Laut Arbeitszeitgesetz darf werktäglich maximal acht Stunden gearbeitet werden, von Montag bis Freitag. Meine Frau war drei Wahlperioden lang Landtagsabgeordnete in Thüringen. Beim dritten Mal gewann sie ein Direktmandat. Mit einer Arbeitszeit von acht Stunden am Tag, von Montag bis Freitag, wäre das nicht möglich gewesen. Der Antrag »Diätenobergrenze für MdBs« ist nicht vollständig. Er müsste eine Vereinbarung enthalten, in der geregelt wird, wie die Überstunden von Abgeordneten vergütet werden, üblich sind Zuschläge zwischen 50 % und 150 % des Grundlohns. Zudem sollten Übernachtungspauschalen (Inland/Ausland) sowie Verpflegungspauschalen festgeschrieben werden. Ebenso ist zu regeln, dass die Fahrzeit zu Veranstaltungen als Arbeitszeit gilt. Ein Freizeitausgleich für Überstunden (»Abbummeln«) wäre für die Parteiarbeit tödlich. Zum Nachdenken: Ein zentraler Grundsatz des Sozialismus ist: »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung«!
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A. Pietsch aus Berlin 15. Mai 2026 um 11:17 UhrDer eigentliche Casus knaxus kommt im Beitrag gar nicht zur Sprache. Was passiert wenn beim BPT die Parteirechte mit ihrem israelfreundlichen Antrag durchkommt? Finden dann Massenaustritte der seit mehr als einem Jahr Neubeigetretenen statt? Oder werden die dann, wie im letzten Jahr vereinzelt geschehen, diesmal in Massen aus der Partei geschmissen?
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Klaus Busse aus Neu Wulmstorf 15. Mai 2026 um 08:05 UhrWir befinden uns nach wie vor im Klassenkampf mit dem Kapital, und der wird jeden Tag härter. Der Kapitalismus ist nicht reformierbar – er muss überwunden werden!
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Uwe Höntzsch 15. Mai 2026 um 02:46 UhrIst es nur eine Zahl oder soll es ein symbolischer Betrag sein? Ich befürchte, das es auf - wie schon einmal geschehen - eine Gängelung der BT-Fraktion durch die Parteispitze hinausläuft. Einfachen Mitgliedern wird damit suggeriert, das die BT-Fraktion kontrolliert werden muss. W. Thierse (SPD) begründete einmal die Höhe der Diäten damit, das so die Abgeordneten frei von Korruption wären. Bei der Linken sehe ich dieses Problem eher nicht. Mich interessiert vielmehr die Höhe der Abgaben, die die Abgeordneten leisten müssen. Wo wird in welcher Form gespendet? Sind die 2850€ brutto oder netto? Sollte gute Arbeit nicht auch gut honoriert werden? Ist die Linke eine Cooperative, in der offiziell festgelegt wird, wer wie viel verdient? Hier wird von der Parteispitze eine Front eröffnet, die kein Mensch braucht aber - sicher ungewollt - eine Neiddebatte schürt. Wegen meiner kann die BT-Fraktion ihr Salär erhalten. Ich bin zwar kein Linken-Mitglied, aber ich fühle mich durch die Fraktion gut vertreten. Gerade der Klassencharakter ist mir sehr wichtig und wird im Bundestag sehr ordentlich vertreten.
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Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 15. Mai 2026 um 15:12 UhrZITAT: »W. Thierse (SPD) begründete einmal die Höhe der Diäten damit, das so die Abgeordneten frei von Korruption wären.« Ha, ha, ha, … Danke, für die Erheiterung. Für mich sind Politiker, die ständig lügen und deren Rückgrat aus Untaten und hohlen Phrasen besteht – fast der komplette Bundestag – nicht korruptionsfrei, sondern Vogelfrei. Manni Guerth
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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