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Nur halb geheim

Iran und die USA verhandeln weiter

Foto: SOPA Images/IMAGO
Irans Außenamtssprecher Baghaei bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz (Teheran, 25.5.2026)

Am ersten Tag nach dem Sieg der Oktoberrevolution, dem 8. November 1917, rief Wladimir I. Lenin im Allrussischen Rätekongress zur Abschaffung der Geheimdiplomatie auf. Das maßgeblich von ihm formulierte »Dekret für den Frieden«, das er in einer langen Rede begründete und verteidigte, wurde einstimmig angenommen.

Heute drängt sich angesichts des obszönen Theaters der Gruppe um Donald Trump der Sinn der Forderung nach Abschaffung der Geheimdiplomatie und der Geheimverhandlungen auf. Die Prognosen und Stimmungen, ob es zu einem »Deal« zwischen Washington und Teheran kommen oder ob der Krieg verstärkt losbrechen werde, wechseln mehrmals am Tag. Börsianer, die »den richtigen Riecher« oder direkte Verbindungen zu den Politikmachern der USA hatten, realisieren Insidergeschäfte in Millionenhöhe. Der Preis für die Orientierungsmarke Brent lag am Montag mittag unserer Zeit bei 97 US-Dollar pro Barrel – so niedrig wie zuletzt am 6. Mai.

Trump nahm sich auch am Montag das Recht, die Welt im Ungewissen zu lassen und die Macht seiner Launen zu genießen. Auf seinem persönlichen Chatspielfeld postete der US-Präsident: »Der Deal mit Iran wird großartig und bedeutend sein oder es wird keinen Deal geben.« Keine Konkretisierung, keine Begründung. Trumps Außenminister Marco Rubio sagte, die USA würden entweder ein »gutes Abkommen« mit Teheran schließen oder müssten sich mit dem Land »auf andere Weise beschäftigen«.

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Was die iranische Führung sich davon verspricht, ihre Verhandlungen mit den USA seit Jahrzehnten generell – und nicht etwa nur ausnahmsweise – vor der Öffentlichkeit ihres Landes und der Welt zu verbergen, erschließt sich dem Beobachter nicht und wird nicht einmal begründet. Dass die Gruppe um Trump die iranischen Vorschläge kennt und genau analysiert, ist vorauszusetzen. Dass auch einige andere Regierungen mehr oder weniger eingeweiht sind, an erster Stelle die Pakistans als derzeitige Hauptvermittlerin, kann man mit Grund vermuten.

Darüber hinaus bleiben die Papiere beider Seiten ohnehin nicht absolut geheim, sondern werden teilweise oder sogar ganz den Medien »zugespielt«. Das Netzwerk Al-Arabija, hinter dem saudisches Geld steckt, veröffentlichte am Freitag sogar den, wie es dort hieß, »letzten Entwurf« einer Vereinbarung, der innerhalb der nächsten Stunden veröffentlicht werden könne, falls die Verantwortlichen beider Seiten zustimmen.

Statt mit dem Rätselraten und den Spekulationen einfach Schluss zu machen, beschäftigt die Führung der Islamischen Republik den Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghaei, und besonders die Nachrichtenagentur Tasnim mit angeblichen Richtigstellungen, was alles in Wirklichkeit nicht Verhandlungsgegenstand sei. Andere iranische Medien, wie die Agenturen Mehr und Isna, plaudern indessen munter drauflos, auf welche Beschränkungen seines Atomprogramms Iran sich in den Gesprächen schon eingelassen habe. Baghaei sagt: »Darüber verhandeln wir gar nicht.« Falls das so wäre, könnte man den Streit auch öffentlich führen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.05.2026, Seite 3, Ansichten

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  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 26. Mai 2026 um 11:24 Uhr
    Aktuelle Meldungen weiterer US-Angriffe auf den Iran können so interpretiert werden, dass weder jene religiösen Fanatiker, noch benanntes Trump-Regime Vertrauen dahingehend verdient haben, offen mit Informationen umzugehen. Letzteres schweigt beispielsweise bis dato dazu, wie die FAZ heute schreibt, dass das iranische Militär weit mehr Ziele traf, als die Vereinigten Staaten zugeben. Ferner läuft gewünschter Zeitplan des Machthabers aus Washington offensichtlich aus dem Ruder. Der Druck wächst. Eigentlich wollte er sich schon längst in Havanna als Befreier von sozialer Gerechtigkeit in Kuba feiern lassen. Den Krieg in der Ukraine in 24 Stunden zu beenden, funktionierte ja irgendwie auch nicht.
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