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22.05.2026
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Siegen oder sterben
Iran-Krieg: Teheran weist Washingtons Ultimaten zurück und bereitet sich auf weiteren Angriff der USA und Israels vor
Donald Trump will in wenigen Tagen – vielleicht schon am Wochenende, vielleicht aber auch erst kommende Woche – den Krieg gegen Iran wiederaufnehmen, falls Teheran sich nicht seinem Diktat unterwirft. Das ist das derzeitige Verständnis von Diplomatie. Keineswegs nur in den USA unter einem offensichtlich Verrückten. Sondern auch in der BRD und wohl auch in der EU.
Irans Antwort ist eindeutig: »Wir siegen, oder wir sterben als Märtyrer.« So drückte es Kazem Gharibabadi am Dienstag aus. Er spricht nicht, wie weltweit üblich, nur von den Soldaten. Seine Aussage bezieht die für die Politik der Islamischen Republik Verantwortlichen ein, jeden einzelnen. Gharibabadi ist stellvertretender iranischer Außenminister mit spezieller Zuständigkeit für »rechtliche und internationale Angelegenheiten«. Iranische Medien zitierten ihn auch mit dem Satz: »Für uns hat Kapitulation keine Bedeutung.« Gemeint ist: Sie kommt nicht in Frage.
Im Gegensatz dazu behauptete die rechte israelische Tageszeitung Jerusalem Post am Mittwoch, die von Pakistan vermittelten Verhandlungen zwischen den USA und Iran hätten zuletzt »Fortschritte« gemacht. Gegenwärtig gehe es um die Formulierung eines »Memorandum of Understanding«, über dessen Inhalt die Jerusalem Post jedoch nichts zu berichten hat. Sie erwähnt aber eine angebliche Einschätzung anonymer israelischer Funktionäre, dass, »selbst wenn auf diplomatischer Ebene Einverständnisse erreicht würden«, die iranische Führung, insbesondere »Revolutionsführer« Modschtaba Khamenei, »wahrscheinlich keine Zugeständnisse erlauben« werde.
Dabei deutet alles darauf hin, dass westliche Behauptungen, es gebe erhebliche Meinungsverschiedenheiten im »Establishment« der Islamischen Republik, wovon sich auch der US-Präsident blenden lässt, Wunschdenken sind. Der Pressesprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erläuterte am Mittwoch in einem Interview mit dem Staatsfernsehen, dass Iran zwar »in gutem Glauben« verhandle, aber die USA aufgrund langer Erfahrungen »mit tiefem Misstrauen« sehe. Gegenwärtig konzentriere sich Iran darauf, »den Krieg an allen Fronten, einschließlich Libanons, zu beenden«, so Baghaei. »Unsere Forderungen sind klar: Freigabe der beschlagnahmten iranischen Guthaben sowie ein Ende der Piraterie auf den Meeren und der Übergriffe gegen die Schiffahrt der Islamischen Republik.«
Zugleich hat Irans Führung sich öffentlich darauf festgelegt, momentan nicht über ihr Atomprogramm zu verhandeln. Bisher scheinen Verhandlungsvorschläge Teherans nicht einmal eine zeitliche Perspektive für Gespräche über dieses Thema zu beinhalten. Andererseits ist dieser Punkt für Trump von zentraler Bedeutung, weil er die Beteiligung der USA am Angriffskrieg gegen Iran ausschließlich mit dessen unterstelltem Streben nach Atomwaffen begründet hat. Eine Beendigung des Krieges unter den jetzigen Voraussetzungen würde Trump schlecht aussehen lassen, nachdem er das so schwer erzielte Wiener Abkommen vom Juli 2015 zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms im Mai 2018 selbst zerstört hatte.
Zur gleichen Zeit muss der US-Präsident mit dem naheliegenden Verdacht kämpfen, er habe sich vom israelischen Premierminister unbedacht in einen teuren, nicht wirklich gewinnbaren Krieg hineinziehen lassen. Die auf halbem Weg zwischen Washington und Langley ansässige, in Israel stark beachtete Nachrichtenagentur Axios berichtete am Mittwoch von einem heftigen Telefongespräch zwischen Benjamin Netanjahu und Trump am Dienstag. Der US-Präsident habe angerufen, um Israels Premier zu informieren, dass »Vermittler« dabei seien, eine gemeinsame Absichtserklärung mit Iran über ein Kriegsende zu formulieren, worauf eine monatelange Verhandlungsphase über alle anderen Streitpunkte folgen solle. »Nach dem Gespräch stand Bibis Haar in Flammen«, behauptete Axios und heizte die Gerüchteküche an. Das muss man aber ebenso wenig glauben wie Trumps Behauptung, Netanjahu »macht, was ich will«.
Netanjahu war es vor dem gemeinsamen Angriffskrieg, der am 28. Februar begann, offenbar gelungen, Trump von der Illusion zu überzeugen, dass der iranische Staat in kurzer Zeit zusammenbrechen und sich eine neue, kooperationsbereite Führung geben werde. Die New York Times behauptete am Dienstag wenig überzeugend, dass Mahmud Ahmadinedschad, Präsident von 2005 bis 2013, der bevorzugte Kandidat israelischer Stellen für diese Position gewesen sei. Das ist zwar weniger unwahrscheinlich, als westliche Medien glauben. Denn in Wirklichkeit war Ahmadinedschad weder ein »Holocaustleugner« noch hatte er die »Vernichtung« Israels angekündigt. Aber eine wirre, widersprüchliche Geschichte, für deren Richtigkeit nichts spricht, bleibt es trotzdem.
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