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Krieg gegen Iran

Ruhe vor angedrohtem Sturm

Trump eskaliert verbal zwar weiter, lässt Militär aber etwas Abstand zu Iran nehmen. Eine iranische Antwort auf US-Verhandlungsangebot bislang nicht publik

Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Plakatwand in Teheran mit indirekter Aufforderung an Trump, besser mal den Mund zu halten (6.5.2026)

Iran habe die US Navy zur Flucht aus dem Persischen Golf gezwungen. Das, was etwa der iranische Sender IRIB am Donnerstag erklärte, mag man für eine landesübliche Übertreibung halten. Aber Tatsache ist, dass die mit Lenkraketen bewaffneten Zerstörer »Truxtun«, »Rafael Peralta« und »Mason« am Donnerstag die Meerenge von Hormus in östlicher Richtung passiert haben und sich jetzt nach Durchqueren des Golfs von Oman im Arabischen Meer befinden. Der Vorgang wird durch eine Presseerklärung des für die Region zuständigen Zentralkommandos der US-Streitkräfte (Centcom) vom 7. Mai bestätigt, in der von »unprovozierten iranischen Angriffen« mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten die Rede ist. Es sei kein US-amerikanisches Eigentum getroffen worden. Das stellt die iranische Seite allerdings etwas anders dar, indem sie von »erheblichen Beschädigungen« an den feindlichen Kriegsschiffen spricht.

Die drei Zerstörer waren am Montag vergangener Woche in den Persischen Golf verlegt worden, um das »Project Freedom« zu unterstützen, das Donald Trump tags zuvor angekündigt hatte. Nach Darstellung des Präsidenten sollte die Operation den im Golf festliegenden Tankern und anderen Handelsschiffen – nach US-Angaben mehr als 1.500 Schiffe mit 22.500 Mann Besatzung – die Weiterfahrt ermöglichen.

Das klang nach bewaffneter Eskortierung von Konvois und kam so auch bei vielen Medien an. Dieser Erwartung erteilte der Centcom-Chef während einer Pressekonferenz am vorigen Montag eine klare Absage. Ein solches Verfahren wäre mit der verfügbaren Zahl von Kriegsschiffen auch gar nicht möglich. Die US-Streitkräfte in der Region hätten »ein viel besseres Verteidigungsmanagement in diesem Prozess«, in das Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Frühwarnsysteme und elektronische Kriegführung einbezogen seien, erklärte Admiral Brad Cooper. Trump ließ es auf die Tauglichkeitsprüfung des Konzepts lieber nicht ankommen, sondern »verschob« am folgenden Tag die ganze Operation ohne Setzung eines neuen Datums. Die für ihn typische Begründung: Er stehe ganz kurz davor, sich mit den Iranern auf einen »Deal« zu einigen.

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Das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) hatte bald nach dem Eindringen der drei feindlichen Zerstörer in die Straße von Hormus und den Persischen Golf mit Angriffen auf diese begonnen. Die US-Streitkräfte reagierten vor allem am Donnerstag mit »Selbstverteidigungsschlägen« gegen mehrere Ziele an Land. Dazu gehörten nach mehr oder weniger offiziellen Angaben aus dem Centcom Militäranlagen und Kommandozentren in der Hafenstadt Bandar Abbas sowie unterirdische Lager und Abschussgeräte für Raketen und Drohnen auf Keschm, der größten Insel in der Meerenge. Iranische Medien erwähnten außerdem Angriffe auf küstennahe Gebiete bei Bandar Khamir und Sirik im Süden des Landes.

Zu einer Verstetigung oder Ausweitung der Kämpfe kam es jedoch zumindest unmittelbar nicht. In mehreren Stellungnahmen war Trump bestrebt, die Angriffe zu einem »Liebesklaps« herunterzuspielen. Die am 8. April in Kraft getretene Waffenruhe gelte weiter. Der Präsident drohte aber auch: »Ebenso, wie wir sie heute wieder k. o. geschlagen haben, werden wir sie in Zukunft noch viel härter niederschlagen, und sehr viel gewaltsamer, wenn sie nicht endlich, ganz schnell, ihren Deal unterschreiben«.

In Teheran liegt seit vorigem Montag ein neuer, wieder über Pakistan zugestellter Vorschlag der Trump-Administration vor. Nach unbestätigten Medienberichten, die sich auf unspezifische Insiderinformationen berufen, handelt es sich um ein Memorandum, das nur eine Seite lang ist. Die USA fordern angeblich neben der Aufhebung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus erneut den vollständigen Verzicht der Islamischen Republik auf die Anreicherung von Uran und die Ablieferung der vorhandenen Lagerbestände. Obwohl die iranische Führung dieses Verlangen kategorisch ablehnt, weil es Iran gegenüber allen anderen Unterzeichnern des Atomwaffensperrvertrages diskriminieren würde, hat Wladimir Putin angeblich öffentlich angeboten, das angereicherte iranische Uran zu übernehmen und einzulagern. So berichtete es zuletzt am Sonnabend die Nachrichtenagentur dpa von einer Pressekonferenz des Präsidenten nach den Feierlichkeiten in Moskau zum Jahrestag des Sieges über den Faschismus.

Trump und Mitglieder seines engsten Führungskreises versuchten schon am Freitag, auf das Tempo der »Verhandlungen« zu drücken und gaben sich scheinbar zuversichtlich, noch am selben Tag eine Antwort aus Teheran zu erhalten. Parallel dazu hält die US-Regierung an der Blockade aller iranischen Häfen am Persischen Golf fest. Ausgeübt wird diese, offenbar zur Vermeidung eigener Verluste, durch Schiffe der Navy, die jenseits der Straße von Hormus im Golf von Oman und im Arabischen Meer operieren. Nach Angaben des Centcom wurden seit Beginn dieser Operation am 13. April 58 Tanker und Frachter zur Umkehr gezwungen und vier unter iranischer Flagge fahrende Schiffe durch Schüsse in den Maschinenraum oder das Steuerzentrum fahrunfähig gemacht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.05.2026, Seite 7, Ausland

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