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Geo- und Energiepolitik

Trump fordert – China kontert

Beijing stellt klar: Ohne Waffenstillstand keine Entspannung im Persischen Golf – und keine Hilfe für die USA

Foto: Oman Musandam/REUTERS
Vor dem Krieg kamen 50 Prozent der chinesischen Ölimporte durch die Straße von Hormus (Musandam, Oman, 18.5.2026)

Nach Beendigung von Donald Trumps Besuch in Beijing berichtete die New York Times (NYT) am Freitag unter Berufung auf die üblichen Erzählungen anonymer Personen, die angeblich »mit der Materie vertraut« sind, dass die USA und Israel sich »in intensiven Vorbereitungen auf die mögliche Wiederaufnahme der Angriffe auf Iran schon in der nächsten Woche« befänden. Der Tageszeitung zufolge seien es die umfangreichsten Vorbereitungen seit Verkündung der Waffenruhe am 8. April. Falls sich der US-Präsident für erneute Militärschläge entscheide, schlössen die Optionen »aggressivere Bombenflüge gegen Militär- und Infrastrukturziele« ein, hieß es in der NYT. Eine andere Option sei der Einsatz von Spezialeinheiten zum Auffinden und Abtransportieren des hochangereicherten Urans, das seit den Luftangriffen der USA am letzten Tag des Junikriegs 2025 tief unter der Erdoberfläche verschüttet ist. Für eine solche Operation würden aber Tausende Soldaten benötigt, »die vermutlich einen Sicherheitsring bilden würden und in Kämpfe mit iranischen Truppen geraten könnten«.

Die Lösung eines zentralen Problems mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen würde durch eine Ausweitung des von den USA und Israel gemeinsam geplanten und am 28. Februar begonnenen Angriffskrieges wahrscheinlich nicht erleichtert, sondern noch schwieriger: die faktische Kontrolle der Meerenge von Hormus durch die Revolutionsgarden und regulären Streitkräfte Irans seit dem 4. März und die Blockade der iranischen Häfen am Persischen Golf durch die US Navy, die offiziell am 13. April in Kraft trat.

Bei seinen Treffen mit Staatschef Xi Jinping am 14. und 15. Mai hatte Trump Chinas Hilfe durch Druck auf die iranische Seite erreichen wollen und öffentlich verkündet, Xi stimme mit ihm in der Notwendigkeit einer »Wiederöffnung« des Seeweges überein. Tatsächlich hatte der Gastgeber das Problem aber direkt und untrennbar mit der Beendigung des Krieges verknüpft. Auch Außenminister Wang Yi hob hervor, China gehe davon aus, »dass die grundlegende Lösung für die Probleme der Meerenge in der Verwirklichung eines dauerhaften und umfassenden Waffenstillstands liegt«. Am Freitag sprach sich das chinesische Außenministerium dafür aus, dass »die Schifffahrtsrouten, den Rufen der internationalen Gemeinschaft folgend, so bald wie möglich wieder geöffnet werden sollten, um zusammen die Stabilität und den reibungslosen Fluss der globalen Lieferketten aufrechtzuerhalten«.

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Anders als von Trump anscheinend vorausgesetzt, hat China an dem, was er fälschlich als »Wiederöffnung« bezeichnet, kein großes Interesse. Zwar kamen vor dem Krieg 45–50 Prozent der chinesischen Ölimporte durch die Straße von Hormus. Aber seit der vorigen Woche lässt Iran, offenbar aufgrund von detaillierten Vereinbarungen, Tanker mit Öl für China ungestört durch die Meerenge fahren. Problematischer ist aus chinesischer Sicht, dass die USA Öllieferungen aus dem Iran durch Sanktionen und seeräuberische Maßnahmen zu behindern versuchen. Die Islamische Republik war vor dem Krieg immerhin mit etwa 12–13 Prozent am chinesischen Ölimport beteiligt. Die jüngsten Sanktionen gegen diesen Handel wurden am Montag vor einer Woche ganz kurz vor Trumps Abflug nach Beijing angeordnet.

Die von kapitalistischen Staaten des Westens eingesetzte und dominierte Internationale Energiebehörde in Paris (IEA) schätzt in ihrem am 13. Mai veröffentlichten Monatsbericht, dass der globalen Ölversorgung durch die weitgehende Schließung der Straße von Hormus seit Kriegsbeginn rund 12,8 Millionen Barrel pro Tag verlorengegangen sind. Die Fördermenge der Staaten am Persischen Golf liege um 14,4 Millionen Barrel unter dem Vorkriegsniveau. Selbst wenn der Transportfluss im Juni in vollem Umfang wiederaufgenommen würde, prognostiziert die IEA für das laufende Jahr als Ganzes ein Absinken der Ölversorgung um durchschnittlich 3,9 Millionen Barrel pro Tag.

Insgesamt sind den Golfstaaten nach dieser und anderen Berechnungen seit Kriegsbeginn Einnahmen aus dem Verkauf von mehr als einer Milliarde Barrel Öl entgangen. Die Verluste werden für Saudi-Arabien mit 3,3 Millionen Barrel pro Tag, den Irak mit 2,8, die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) mit 1,4 und Kuwait mit 2 Millionen Barrel pro Tag angenommen. Iran ist offenbar mit nur 400.000 Barrel Exportminderung pro Tag gut davongekommen. Während Saudi-Arabien und die Emirate die Blockade der Meerenge teilweise durch Pipelines zu Häfen jenseits des Persischen Golfs umgehen können und Irak die in die Türkei führende Pipeline wieder in Betrieb zu nehmen versucht, sind Kuwait, Bahrain und Katar am schwersten betroffen. Das kleine Emirat, das vor dem Krieg gute, stabile Beziehungen zu Teheran hatte und neben den USA und Australien zu den wichtigsten Exporteuren von Flüssigerdgas gehörte, hat im März durch einen Schwarmangriff iranischer Drohnen und Raketen auf seine Industrie- und Verschiffungsanlagen in Ras Laffan einen erheblichen Teil seiner Exportkapazität verloren.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.05.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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