Zum Inhalt der Seite

Russland erhöht Einsatz

NATO riskiert Atomkrieg

Foto: Russian Defence Ministry/Handout via REUTERS
Start einer ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ »Jars« vom Raketentestgelände Kapustin Jar am 21. Mai

Nein, die dramatisierenden Äußerungen von Expräsident Dmitri Medwedew über die aus Deutschland für Russland ausgehende Gefahr und die Überlegungen führender russischer Politikberater über die Notwendigkeit, auch einen Atomwaffeneinsatz in Betracht zu ziehen, sind offenbar keine Propagandaübungen zur Bedienung des chauvinistischen Teils der russischen Öffentlichkeit. Wenn jetzt auf diese Drohungen oder Warnungen großangelegte Manöver der Nordmeerflotte, der Test einer Interkontinentalrakete über Sibirien und der massivste Raketenangriff auf Kiew seit Jahren folgen, dann muss man diese Drohungen wohl ziemlich ernst nehmen. Zumal sich anscheinend Wladimir Putin, der bisher eher im Ruf stand, ein Zauderer zu sein, von den Warnungen der russischen »Falken« hat überzeugen lassen.

Russland weiß oder ahnt, dass es sein militärisches Überleben – soweit man das Wort in diesem Kontext verwenden kann – gegen den vereinigten Westen inzwischen ausschließlich seinen Atomstreitkräften verdankt. Deshalb sind in dem Raketenangriff auf Ziele in und um Kiew ausschließlich Waffensysteme verwendet worden, die nuklearfähig sind und – wie »Oreschnik« und »Zirkon« – wegen ihrer sehr hohen Fluggeschwindigkeit nicht abgefangen werden können. Von der »Zirkon« kam außerdem eine landgestützte Version zum Einsatz, die das ursprünglich für Einsätze von Schiffen aus entwickelte System wesentlich mobiler und schwerer zu entdecken macht.

Anzeige

Als Schwelle für einen möglichen russischen Erstschlag benennen russische Autoren und Politiker inzwischen das, was der vereinigte Westen gerade ausprobiert: eine Seeblockade der russischen Ostseehäfen sowie der arktischen Küste des Landes, vor allem in ihrem westlichen, eisfreien Teil von Murmansk bis Archangelsk. Auch wenn Donald Trump derzeit durch den Nahen Osten abgelenkt sein sollte, montieren Großbritannien und Norwegen maritime »Koalitionen der Willigen« für diese Zwecke, Frankreich bereitet gemeinsame Manöver seiner Atomstreitkräfte mit Polen vor, die Bundeswehr steht mit »nur« einer Panzerbrigade in Litauen zu Aktionen in alle Richtungen bereit – auch gegen das Kaliningrader Gebiet. Das alles im Zeichen der »Abschreckung« Russlands. Und wenn das genau umgekehrt als Provokation wirkt? Dann hat sie »leider nicht funktioniert«. Zu dumm für die Überlebenden.

Themen:
→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 26.05.2026, Seite 1, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!