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18.05.2026
- → Politisches Buch
Frieden außer Reichweite
Verhandeln und Bomben werfen: Ein lesenswertes Buch beleuchtet die Geschichte der Beziehungen zwischen den USA und Iran
Über den Charakter der derzeitigen Gesprächskontakte zwischen den USA und Iran ist wenig bekannt. Den letzten iranischen Vorschlag für einen dauerhaften Waffenstillstand lehnte US-Präsident Donald Trump als »Müll« ab. 2025 und 2026 mündeten solche »Verhandlungen« direkt in Angriffe der USA und Israels. Am 26. Februar hatten sich die Delegationen der USA und des Iran zu einer Verhandlungsrunde in Genf eingefunden. Die Gespräche waren weit fortgeschritten – es gab sogar ein direktes Treffen zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi und dem US-Delegationsleiter Steve Wittkoff unter Vermittlung des omanischen Außenministers Badr Al-Busaidi. Einen Tag später war Al-Busaidi in Washington und veröffentlichte danach ein Foto mit dem US-Vizepräsidenten: »Frieden ist in Reichweite.« Zwölf Stunden später begann die Bombardierung Teherans. Zwei Tage später hätten in Wien technische Gespräche über ein Atomabkommen stattfinden sollen.
Um dieses Szenario zu verstehen, ist Afshin Matin-Asgaris Buch über die Geschichte der Beziehungen zwischen Teheran und Washington hilfreich. Es ist das dritte Buch des in Kalifornien lehrenden Wissenschaftlers, der seine Doktorarbeit über die Protestbewegung gegen das Schah-Regime geschrieben hat. In den vergangenen Jahren sind zum Thema der iranisch-amerikanischen Beziehungen einige Studien erschienen, auf denen Matin-Asgari aufbaut. Bedauerlich ist, dass er eines der Standardwerke zum Thema, die Arbeit von William Beeman aus dem Jahr 2005, nicht berücksichtigt hat. Dennoch ist das Buch überzeugend.
Die Darstellung setzt im 18. Jahrhundert ein. Die einzelnen Kapitel fassen gut belegt bekannte Episoden der Beziehungen zusammen: der Einfluss des Öls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Putsch gegen Mossadegh, die US-Unterstützung für den Schah (unter anderem der Aufbau des iranischen Atomprogramms) und schließlich die Spannungen infolge der gegen die Monarchie gerichteten Revolution 1979, die in der Besetzung der US-Botschaft ihren Höhepunkt erreichten. Besonders wertvoll sind allerdings die Kapitel, die unmittelbare Hintergründe der jüngsten militärischen Zuspitzung beleuchten.
Der Autor weist darauf hin, dass US-Präsident Richard Nixon sogar die Pläne des Schahs für ein Atomwaffenprogramm unterstützt hatte. Auch nach dem Sturz des Schahs gab es Phasen einer punktuellen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 kooperierten die USA und Iran im Kampf gegen die Taliban und das Al-Qaida-Netzwerk in Afghanistan. Dazu fanden damals auch in Deutschland Treffen statt.
Als entscheidende Wegmarke erscheint im Rückblick das Jahr 2002. Damals beschlagnahmte Israel ein Schiff, das iranische Waffen für die Palästinensische Nationalbehörde an Bord gehabt haben soll. Teheran dementierte diese Darstellung und sprach von einer False-Flag-Operation. Wenn es eine war, dann ging der Plan auf: US-Präsident Bush verkündete, dass Iran ein Teil der »Achse des Bösen« sei – zu der sollte auch Saddam Husseins Irak gehören, der in den 80er Jahren mit Unterstützung des »Westens« einen blutigen Krieg gegen Iran geführt hatte.
Ein wesentlicher Befund des Buches ist, dass die Iran-Politik der USA seit 2002 weitgehend von der neokonservativ-proisraelischen Lobby bestimmt wird. Mit einer Unterbrechung: Als Barack Obama in seiner zweiten Amtszeit Hillary Clinton durch John Kerry als Außenminister ersetzte, verbesserte sich das Verhältnis noch einmal. 2015 wurde das Wiener Atomabkommen unterzeichnet – für viele Beobachter ein diplomatisches Meisterstück. Es regelte die Zusammenarbeit zwischen Iran und der Internationalen Atomenergiebehörde und hob Sanktionen auf. Doch es blieb nur zwei Jahre in Kraft, bis Donald Trump es, wie der Autor hervorhebt, auf Betreiben der genannten Lobby aufkündigte und die nächste Eskalationsspirale in Gang setzte. Matin-Asgari hat mit »Axis of Empire« ein zugängliches und hochaktuelles Buch vorgelegt, das die lange (Vor-)Geschichte der aktuellen Eskalation zwischen den USA und Iran anschaulich erzählt.
→ Afshin Matin-Asgari: Axis of Empire. A History of Iran-US Relations. Verso, London 2026, 304 Seiten, 32 Euro
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