Stabil bleiben
Am Mittwoch abend wollte Donald Trump persönlich seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Flughafen in Washington zum Staatsbesuch abholen – außergewöhnlich. Xi reist mit einer Delegation von Firmenchefs an, deren Unternehmen in den USA zumeist auf der schwarzen Liste stehen – ungewöhnlich. Die Nutzer deutscher Bürgermedien erfuhren, wie üblich bei China, vorab wenig von dem Treffen, in der internationalen Presse ist es ein Spitzenthema.
So bringt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Mittwoch gleich vier Analysen zu dem Gipfel. Die Texte tragen Überschriften wie »In Washington ist die Erkenntnis gereift, dass die USA zuerst aufholen müssen.« Das sagt die US-Sicherheitsexpertin Nadia Schadlow im Interview. Gemeint ist: »Man kann nicht mit einem Land konkurrieren, das den Export seltener Erden stoppt, wenn man selbst nicht in der Lage ist, Dinge zu produzieren.«
Die NZZ-China-Spezialistin Katrin Büchenbacher wiederum meint: »Von einer neuen Détente zwischen China und den USA ist die Rede. Doch die Rivalität ist ungebrochen – es beginnt die Ära der zwei Giganten.« Sie zählt u. a. auf: »Chinas Anteil an der globalen Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes ist mehr als doppelt so groß wie jener der USA: 32 Prozent gegenüber 15 Prozent. China allein verarbeitet damit mehr als die USA, Japan, Deutschland und Südkorea zusammen.« Laut dem KI-Index-Report der Universität Stanford sei »der Unterschied zwischen dem besten amerikanischen Modell und dem besten chinesischen inzwischen vernachlässigbar gering«. Militärisch seien die USA »deutlich voraus«, schwächten aber »ihre traditionellen Allianzen«. NZZ-China-Korrespondent Matthias Kamp gibt als Grund für Xis Wirtschaftsbegleitung an: »Vielen Firmen steht wegen der schwachen Inlandsnachfrage das Wasser bis zum Hals.« Zugleich zitiert er Trump über Chinas Autoindustrie: »Wenn China käme und sagte, es wolle in den USA eine Fabrik errichten, wäre ich damit einverstanden.«
Resümees ziehen andere Blätter, so die South China Morning Post aus Hongkong: »Niemand auf beiden Seiten hegt große Erwartungen. Beide Regierungen sind sich bewusst, dass ihre Beziehung äußerst kompliziert ist – belastet durch Zollstreitigkeiten, technologische Rivalität, Spannungen um Taiwan und tiefsitzendes Misstrauen. Doch beide verstehen auch etwas Grundlegenderes: Trotz ihrer vielen Konflikte müssen sie lernen, miteinander zu leben.« Der Mailänder Corriere della Sera sieht Positives: »Es ist das erste Mal seit über einem Jahrzehnt zunehmender Feindseligkeiten, dass die beiden Supermächte einen positiven Konsens über ihre Beziehungen erreicht haben.« Eine Atempause? (as)
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