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Taiwan im Zentrum
Das »Ein-China-Prinzip« wird zwar nach außen anerkannt, aber der Druck auf die Volksrepublik durch Washington und seine Verbündeten nimmt stetig zu
Zumindest auf wirtschaftlicher Ebene stehen die Zeichen zwischen den USA und der Volksrepublik China vorerst wieder auf Entspannung. Nach dem Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping vergangene Woche in Washington vereinbarten beide Seiten die Verringerung gegenseitiger Zölle und eine seit zwei Monaten geltende Aussetzung des Handelsstreits wurde bis zum 10. Januar 2027 verlängert. Nicht nur mit Blick auf China ist Trump anzumerken, dass er vor den im November anstehenden Zwischenwahlen in den USA seinen Fuß auf der Bremse hat. Dies gilt auch vordergründig für das nach dem »Ein-China-Prinzip« zur Volksrepublik gehörende Taiwan. Nach einigermaßen dubios klingenden Verlautbarungen, laut derer Trump Xi US-Waffen zum Verkauf angeboten haben soll, bekräftigte der US-Botschafter in China, David Perdue, beim Sender Fox News: »Wir befürworten weder eine Unabhängigkeit noch befürworten wir Zwang.«
Aufgerüstet wird die offiziell unter dem Namen »Republik China« firmierende Insel von den USA dennoch – auch wenn Trump eine weitere Zusage über Milliardenlieferungen aktuell als »Verhandlungschip« gegenüber Beijing zurückhält, wie Jörg Kronauer in seinem Text »Günstig gelegen« darstellt. Aber die Basis ist bereitet und die Inselbewohner werden zunehmend in die Kriegsvorbereitungen einbezogen. Und während die Volksrepublik darauf ihrerseits mit Aufrüstung antwortet, unterscheidet sich diese in ihrer Machtprojektion deutlich von der imperialistischen US-amerikanischen. So legt Lars Lange in seinem Beitrag »Von Feinden umzingelt« dar, wie Beijing derzeit seine einzige Militärbasis im Ausland in Dschibuti ausbaut –, ausgelegt darauf, den US-Aggressor im Falle einer Eskalation um Taiwan zurückschlagen zu können. Paul Neumann wiederum befasst sich in seinem Artikel »Rückkehr nach Nanjing« mit der wechselvollen Geschichte zwischen der einst der Volksbefreiungsarmee unter Mao Zedong unterlegenen Guomindang und Beijing. Die heute größte Oppositionspartei Taiwans hat einen freundlichen Kurs gegenüber Festlandchina eingeschlagen und setzt die ohne Parlamentsmehrheit regierende Demokratische Fortschrittspartei unter Druck.
Eine ähnlich wechselvolle Geschichte verbindet die Volksrepublik auch mit der früheren Kolonialmacht Japan, die sich »Vom Besatzer zum Vorposten« der US-Interessen in der Region entwickelt hat. Nicht nur das Abrücken von der nach dem Zweiten Weltkrieg auferlegten Friedensdoktrin schildert Autorin Kim Chi Luu, sondern auch die enorme Militarisierung des Inselstaats durch die Vereinigten Staaten, die einen Kriegseintritt Japans in den Bereich des Möglichen rückt, sollte der Konflikt um Taiwan eskalieren. Hauke Neddermann erinnert jedoch in seinem Artikel »Von allen Seiten geplündert« daran, dass China zwar schwer von Opium- und Kolonialkriegen getroffen und ausgepresst wurde, der »vermeintliche Tote«, den Lenin 1900 beschrieben hatte, aber nicht tot war.
Davon zeugt insbesondere die Entwicklung als Volksrepublik unter Führung der Kommunistischen Partei, die ebenfalls Höhen und Tiefen durchlaufen hat. Nach der Öffnung der chinesischen Wirtschaft lag die Arbeitswelt zunächst »Aufgeschlagen wie ein Ei« da, wie Maik Rudolph in seinem Artikel rekapituliert. Bis dahin bestimmende Säulen wie ein staatlich gesicherter Arbeitsplatz fielen weg und machten den Weg frei für Hunderte Millionen von Wanderarbeitern, die zum Kennzeichen der aufstrebenden Republik wurden. Dank der rasanten Entwicklung ist es China aber gelungen, in den »Kampf um Techhegemonie« einzutreten, und diesen im Bereich Robotik gar zu dominieren, resümiert Sebastian Edinger. Noch können die USA ihre Vormachtstellung bei der sogenannten künstlichen Intelligenz halten, aber auch hier wird die Lücke kleiner und vor allem: Den Entwicklern werden strikte Regeln auferlegt. Denn die Technik soll den Menschen nutzen und nicht exorbitante Gewinne bescheren.
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