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Umgang mit der AfD

Operationsplan AfD

Bericht: Minister beraten über Wege, eine AfD-Landesregierung vom Fluss geheimer Informationen abzuschneiden. Kritik kommt aus Magdeburg

Foto: Bihlmayerfotografie/imago
Laut des »Oplan Deu« sollen im Kriegsfall Zigtausende NATO-Truppen auch durch Sachsen-Anhalt verlegt werden

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt versetzt die Geheimdienste und die für sie zuständigen Minister in Aufregung. Bild berichtete am Mittwoch abend, die 16 Landesinnenminister sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) hätten sich bei einer geheimen Schaltkonferenz abgestimmt, wie sie möglichen Risiken begegnen, die eine Übernahme der Landesregierung durch die AfD beinhalten könnte. Das Boulevardblatt zitierte aus einem »Geheimplan« der Minister, der unter anderem vorsieht, im Falle einer AfD-Regierung in Magdeburg den dortigen Verfassungsschutz von Informationen abzuschneiden.

Sollte die Rechtsaußenpartei tatsächlich im Oktober in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, würde ein AfD-Innenminister Chef von Polizei und dem Landesamt für Verfassungsschutz. Vor allem die Kontrolle über den Inlandsgeheimdienst bereite den Innenministern Kopfschmerzen, so Bild. Die Sorge sei, dass bei Operationen, die Russland oder den »Rechtsextremismus« betreffen, die AfD zum »Sicherheitsrisiko und Informationsleck« werden könnte. »Das wäre der GAU«, zitierte das Springer-Blatt einen nicht namentlich genannten Minister. Dass die AfD auch an sensible Daten über linke Gruppen und Personen gelangen könnte, scheint die Ministerrunde weniger besorgt zu haben.

Folgende Punkte sind bei der Schalte laut Bild für den Fall einer AfD-Machtübernahme beschlossen worden. Die »Rechtsextremisten« und »Putin-Sympathisanten«, aus denen die AfD-Fraktion nach Ansicht der Minister in Sachsen-Anhalt größtenteils besteht, sollen »mit besonderer Aufmerksamkeit« beobachtet werden. Bei Erkenntnissen mit Russland-Bezug oder zum »Rechtsextremismus« soll das Landesamt in Magdeburg vom Informationsaustausch der Verfassungsschutzbehörden abgeschnitten werden. Auf das Datensystem »Nadis« dieser Behörden soll das Landesamt nur noch eingeschränkten Zugriff haben. In der Innenministerkonferenz soll das Einstimmigkeitsprinzip aufgegeben werden, eine Mehrheit von 13 Stimmen bei Anträgen und Beschlüssen künftig reichen.

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Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius denkt darüber nach, Sachsen-Anhalt im Fall einer Regierungsübernahme durch die AfD von Informationen fernzuhalten. Und zwar will er den streng geheimen Operationsplan Deutschland (Oplan Deu) aus der Magdeburger Staatskanzlei abziehen. Das mehr als 1.000 Seiten umfassende Papier enthält die zentralen Vorkehrungen der »Landes- und Bündnisverteidigung« im Krisen- und Kriegsfall, etwa Marsch- und Versorgungsrouten, aber auch Angaben über die Einbeziehung ziviler Einrichtungen. Der Plan liegt in den Staatskanzleien aller Bundesländer in Papierform und digital komplett vor, bei den Kommunen als abgespeckte Variante.

Die Überlegung zum Abzug des Dokuments aus Magdeburg äußerte der SPD-Politiker am Dienstag nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vor Verteidigungspolitikern der Koalitionsfraktionen. Wie bei den Innenministern ist auch bei Pistorius die Befürchtung leitend, die AfD könne den Plan nach Moskau weiterreichen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums wollte sich zu der Frage, ob man Informationen an eine AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt beschränken würde, nicht äußern. Es handele sich dabei um »hypothetische Fragestellungen«, sagte sie dem RND.

Die Pläne von Pistorius und den Innenministern stoßen nicht überall auf Begeisterung. So ließ Rainer Robra (CDU), Chef der Magdeburger Staatskanzlei, erkennen, dass er wenig von den Erwägungen hält, den Informationsfluss zu beschränken. »Ich kann mir nicht vorstellen, wie die staatsrechtlich gebotene Zusammenarbeit der Länder funktionieren soll, wenn der Staat Sachsen-Anhalt von innen- oder verteidigungspolitischen Informationen ausgeschlossen wird«, erklärte Robra gegenüber dem RND.

»Im Verteidigungsfall ist übrigens auch der Bundesrat zu beteiligen, und dort bleibt die Mitgliedschaft Sachsen-Anhalts in jedem Fall uneinschränkbar bestehen«, ergänzte Robra. Überdies wies er darauf hin, dass Sachsen-Anhalt geographisch mitten in Deutschland liege und allein deshalb nicht so einfach ausgeschlossen werden könne. Der CDU-Politiker warnte, dass »mit immer mehr Ausgrenzung und immer weniger demütigem Respekt vor der Entscheidung von Wählern« das Land nicht aus der Krise zu führen sei.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.09.2026, Seite 4, Inland

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→ Leserbriefe
  • Mueller aus Rudolstadt 10. Sept. 2026 um 20:26 Uhr
    Nun sollte auch endlich junge Welt begreifen, dass eine AfD-Regierung nicht einfach nach Verfassungsschutzbericht eine profaschistische Regierung wäre. Sie ist für diese kriegsgeile Bundesregierung eine Gefahr, weil deren Kriegspläne nicht aufgehen könnten. Dass der Friedenskampf einen staatlichen Zuwachs riesigen Ausmaßes erhalten könnte – wäre das für junge Welt dann ein Problem mit einer AfD-geführten Landesregierung? Hier sollte junge Welt nun endlich mal an das Neudenken denken! Thomas
    • Onlineabonnent*in Oliver S. aus S. 14. Sept. 2026 um 12:16 Uhr
      Was sagte Trump vor seiner Wahl? Er hatte versprochen, den Krieg binnen 24 Stunden, noch vor Amtsantritt, zu beenden! Dieser Krieg wurde von den USA initiiert und wird von Trump aktuell weitergeführt! Er und der reichste Faschist der Welt haben der AfD zu ihrem Wahlergebnis gratuliert. Zufall? Es sollte nicht vergessen werden, dass z. B. Weidels persönliche Lebensverhältnisse so rein gar nicht zum Parteiprogramm passen. Ganz zu schweigen von dem Unsinn, den Alice und ihre Parteigenoss*innen sonst noch so von sich geben. Der Geoanalyst Brian Berletic sagte, die AfD ist nichts weiter als MAGA mit Sauerkraut! Für Frankreich, Italien usw. gilt das Gleiche. So betrachtet wäre ich, gelinde gesagt, äußerst vorsichtig, ob diese Partei einen friedenspolitischen Kurs Richtung Russland aufnehmen würde oder einfach nur Stimmen mit den berechtigten Ängsten der Menschen einsammelt.
    • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 11. Sept. 2026 um 15:58 Uhr
      Regierungen sollte man nicht nach denen beurteilen, die vorne auf der Bühne tanzen. Und schon gar nicht nach dem, was sie im Wahlkampf sagen. Man misst sie an ihren Taten. Und die werden dadurch bestimmt, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Wetten, dass das in etwa dieselben Kräfte sind, die den hirnrissigen Hochrüstungskurs der jetzigen Regierung befeuert haben? Was uns da blüht, ist absehbar, man mag es wahrhaben oder nicht. Auch wenn es sich heute noch unter einer dicken Decke von Demokratiegefasel verbirgt. Das gab es übrigens vor hundert Jahren auch. »Es wird schon alles nicht so schlimm kommen«, ist auch heute das denkbar schlechteste Rezept. Steht so jedenfalls in den Geschichtsbüchern.
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