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Wer regelt Gen Z?
Zwischen Vorsicht und Panikmache: Vieles über die Organisatoren und Verantwortlichen der für Sonnabend angekündigten Schülerproteste bleibt unklar
Die Junge Union Berlin hat Angst. Große Angst. Und bittet gar die Bundeswehr um Amtshilfe, gegen die am Sonnabend geplanten Schülerproteste vorzugehen. »Paris hat gezeigt, was Hasser der freiheitlichen, demokratischen Welt anrichten. Wir fordern, vorsorglich die Bundeswehr zur Verteidigung unserer freiheitlichen Ordnung hinzuzuziehen. Um Terror wie in Paris zu verhindern«, hetzte die Jugendorganisation der Christdemokraten am Sonntag auf Instagram. Bürgerliche Presse und Regierende schüren ebenfalls Ängste und entwerfen apokalyptische Szenarien. Mittlerweile zeigen sich auch linke Jugendverbände unsicher, ob sie für den 31. Oktober mobilisieren sollen. Für diesen Sonnabend ruft »Gen Z regelt« bundesweit in vielen Städten zu Protesten auf. Doch vieles scheint unklar. Wer oder was verbirgt sich hinter »Gen Z regelt«?
Auf der Website der losen Gruppe kann auf einer Karte der Bundesrepublik angeklickt werden, wann und wo in welcher Stadt Demonstrationen stattfinden sollen. In den fünf größten Städten organisiert »Gen Z regelt« nach eigenen Angaben Inhalte und Ablauf. Weitere Städte seien der »Initiative angeschlossen«. Doch nicht in jeder Stadt ist die Demonstration schon angemeldet. »Hier in Berlin lag eine Anmeldung von ›Gen Z regelt‹ vor, Samstag um 14 Uhr am Brandenburger Tor, doch die Anmelder sagten die Demonstration wieder ab«, sagte Moritz Roos von der Pressestelle der Berliner Polizei am Montag vormittag im Gespräch mit junge Welt. Er könne nicht ausschließen, dass eine weitere Anmeldung folgen werde.
In Köln, München, Leipzig und Stuttgart sind die Demonstrationen angemeldet, wie jW-Anfragen ergaben. In Frankfurt am Main sind gleich zwei Demonstrationen zur selben Zeit angemeldet, eine von »Gen Z regelt« unter dem Motto »Gen-Z-Demonstration – Jugendliche und junge Erwachsene machen auf ihre Anliegen aufmerksam und setzen sich für ihre Zukunft ein«, eine weitere von der »Jugendinitiative Generation Aufbruch« mit dem Thema »Unsere Zukunft. Unsere Stimme. Unsere Entscheidung – Für soziale Gerechtigkeit, Transparenz, demokratische Mitbestimmung und gegen eine verpflichtende Wehrdienstleistung«. Fragt sich, zu welcher davon die Zielgruppe eher kommen wird. »Die Angaben sind vorläufig und noch nicht final«, gab Ulrike Wiedenfels vom Frankfurter Ordnungsamt zu bedenken.
Auch die Stuttgarter Polizei baut ein Bedrohungsszenario auf. Es gebe Hinweise, dass es zu Störungen kommen könne, teilte das Polizeipräsidium gegenüber dpa am Montag mit. Unklar sei, mit welcher Intensität zu rechnen ist. Dies werde fortlaufend aufgeklärt. Man sei aber sehr gut vorbereitet.
»Ich habe mich aus der Organisation der Proteste am 31. Oktober zurückgezogen und meine Funktion als Sprecher von ›Gen Z regelt‹ niedergelegt«, gab Gianni Matheja am Sonntag auf seinem Instagram-Kanal »Gianni studiert« bekannt. Der 21jährige war Praktikant bei der Fernsehmoderatorin Caren Miosga und arbeitet demnach für RBB und ZDF. Sein Studium werde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes mit einem Stipendium finanziert. »Inzwischen kommen unter dem Namen ›Gen Z regelt‹ unterschiedliche Gruppen zusammen, deren Vorstellungen über Ziele und Formen des Protests auseinandergehen. Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe ich unter diesen Umständen nicht mehr ausreichend abgesichert«, begründet Matheja seinen Rückzug.
Die Forderungen, die auf der Website aufgelistet sind, wirken auf den ersten Blick wenig radikal: »Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen«, »Ein bezahlbares Leben. Die Sorgen der Menschen gehören ganz oben auf die Tagesordnung« und »Nein zur Wehrpflicht. Über unsere Zukunft entscheidet niemand ohne uns« ist dort unter anderem zu lesen. Verantwortlich für die Website zeichnet ein gewisser Akram Selo, der auch als Verantwortlicher für den Spendenaufruf auf der Plattform »Go Fund Me« auftritt. Die »Gen Z regel«-Seite wurde laut Impressum von einer Schweizer Webagentur erstellt. Seitens der angegebenen Kontaktdaten wurde bis jW-Redaktionsschluss am Montag nachmittag nicht reagiert.
Und was sagt diese »Generation Z«? »Als Sozialisten beteiligen wir uns an den Jugendprotesten, weil wir es wichtig finden, dieses spontane Bewusstsein der Jugendlichen und die allgemeine Ablehnung der aktuellen Politik mit konkreten Perspektiven zu bereichern«, sagte eine Sprecherin von »Young Struggle« am Montag gegenüber jW. Ihnen gehe es vor allem darum, die Forderung nach besserer Bildung oder gegen die Wehrpflicht nicht isoliert voneinander zu behandeln, »sondern die allgemeine Militarisierung in Deutschland mit dem Sozialabbau und der Krise, in der sich verschiedene Regierungen Europas befinden, zu verknüpfen«.
Etwas verhalten äußert sich Golo Kirsch, Sprecher des Schulstreikkomitees Kiel. »Wir als Schulstreik stehen hinter den Forderungen von ›Gen Z regelt‹, rufen jedoch nicht zum Protest am 31.10. auf und stehen nicht im Kontakt mit der Organisation. Wir streiken am 20.11. europaweit«, erklärte Kirsch gegenüber junge Welt am Montag.
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