Wachsende Attraktivität
Gipfel der SOZ
Selten ist ein Staatenbündnis so stark divergierend eingeschätzt worden wie die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), die am Montag und am Dienstag im kirgisischen Bischkek zu ihrem 25. Gipfeltreffen zusammenkam. Manche sehen in ihr eine Art asiatische NATO, ein östliches Gegenstück zum transatlantischen Militärpakt. Wäre sie das, dann hätte sie Iran offen zu Hilfe eilen müssen, als das Land am 28. Februar von den USA und Israel überfallen wurde. Dies aber hat sie bekanntlich, abgesehen von einer verbalen Verurteilung des Angriffs, nicht getan. Iran kann zwar auf eine gewisse Unterstützung von Russland und von China zählen, den beiden zentralen Gründungsmitgliedern der SOZ. Sie erfolgt jedoch nur bilateral, nicht durch das Bündnis. Daran änderte sich auch in Bischkek nichts.
Dennoch: Die SOZ ist auch nicht der zerstrittene Haufen, zu dem manche ihrer Gegner sie erklären. Es stimmt: Ihr gehören die Erzfeinde Indien und Pakistan ebenso an wie China, das in scharfer Rivalität zu Indien steht. Das ist einer der Faktoren, die einem geschlossenen Vorgehen immer wieder im Wege stehen. Trotzdem: Die gemeinsame Mitgliedschaft in der SOZ hilft, die Spannungen abzubauen. In Bischkek etwa wurde auch über eine Verbesserung der indisch-chinesischen Beziehungen gesprochen, an der – nach einer Konflikteskalation im Jahr 2020 – seit geraumer Zeit gearbeitet wird. Und auch wenn die SOZ ziemlich langsam voranschreitet: Sie trägt dazu bei, ihre zehn Mitgliedstaaten enger zu verbinden. Dass sie ein gutes Dutzend »Dialogpartner« hat – von der Türkei über Saudi-Arabien bis zu Sri Lanka –, das belegt ihre in Asien deutlich zunehmende Attraktivität.
China arbeitet systematisch daran, die Kooperation in der SOZ zu intensivieren: in ihrem Rahmen die Infrastruktur auszubauen, eine SOZ-Entwicklungsbank zu schaffen. Zwar recht langsam, aber kontinuierlich entsteht so eine weite Teile Asiens umfassende Struktur, die trotz aller Spannungen zwischen einigen Mitgliedern einen friedlichen Ausgleich organisiert – dies nun durchaus als direktes Gegenbild zur NATO. »Hegemonie, Unilateralismus und Protektionismus«, erklärte Chinas Präsident Xi Jinping in Bischkek mit klarem Blick auf die USA, »stehen dem Lauf der Geschichte entgegen.« Die SOZ soll demgegenüber den Weg wachsender Kooperation auf Augenhöhe gehen. Und auch wenn man eine idealisierte Überhöhung vermeiden sollte: Die SOZ gilt immer mehr Staaten Asiens als Alternative.
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