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Fisch statt Krieg

Foto: Marco Di Marco/AP

Wer in der EU hinter dem Kurs der EU steht, bedauert, dass sich das Völkchen auf Island diesem nicht anschließen will. Das Referendum über Beitrittsgespräche ergab, dass die Bevölkerung sich keine stärkere Anbindung an die EU wünscht, gleichwohl Island dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sowie dem Schengen-Abkommen bereits angehört. Verdrießlichkeit machte sich am Montag darüber breit, dass die Einwohner des eisigen Eilandes in einem Beitritt offenbar keinen Gewinn für sich erkennen.

So sieht auch die spanische Tageszeitung El País in der »sehr schmerzhaften Ablehnung« vor allem »eine verpasste Chance für Brüssel«: Denn der Union entgehe »ein dringend benötigter Schub für das seit dem ›Brexit‹ schwächelnde Projekt«. »Ein Beitritt Islands hätte es der Union ermöglicht, sich um mehrere tausend Kilometer nach Norden und Westen in Richtung Arktis auszudehnen – eine Region, die sich von der Peripherie der Peripherie zu einem dunklen Objekt der Begierde entwickelt für jene, die sich selbst als Macht begreifen.«

Auch die Neue Osnabrücker Zeitung gesteht, dass ein Beitritt vor allem für die EU und weniger für die Isländer Vorteile bringen würde. Die Erkenntnis, dass die EU »in der Island-Frage (…) mehr zu gewinnen als zu verlieren« habe, tritt dabei aber hinter Gedanken über ein schlechtes Image des Staatenbundes zurück. »Europa«, wie die EU dort allumfassend bezeichnet wird, präge »das Bild des bürokratischen, regelversessenen, zerstrittenen Kontinents«. Könne das Versprechen eines »starken Binnenmarktes« nicht mehr überzeugen, »welche Anziehungskraft besitzt die EU noch?«

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Ja, was bleibt da noch? »Das Argument, Island wäre unter schützenden Flügeln der EU sicherer«, wie es De Volkskrant ins Spiel brachte. Doch sei dieses nicht stark genug gewesen, obwohl »US-Präsident Donald Trump Pläne zur Eingliederung Grönlands in die USA verfolgt, russische Kriegsschiffe vor Islands Küsten patrouillieren und auch China Interesse an arktischen Schiffahrtsrouten und Bodenschätzen bekundet hat«. Denn, so die niederländische Tageszeitung, unter den Gegnern eines Beitritts habe sich offenbar die Auffassung durchgesetzt, »die EU könne sich nicht einmal selbst verteidigen«.

ilflos und unfähig, sich selbst zu behaupten? Wohl kaum. »Es ging zu einem großen Teil um Fisch«, wusste die Irish Times am Montag zu berichten. Die bedeutende Fischereiindustrie habe die Ansicht vertreten, »dass die Gemeinsame Fischereipolitik der EU die souveräne Kontrolle über die Bewirtschaftung der für den Inselstaat lebenswichtigen Fischbestände untergraben würde«. Das kann auch El País nicht von sich weisen. »Die Fischerei wog schließlich schwerer als die Aussicht auf einen wirtschaftlichen und militärischen Schirm (…).« Petri Dank.(dm)

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.09.2026, Seite 2, Ansichten

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