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Sturzfluten in China und Nepal

Katastrophe hält an

Sturzflut in Nepal und Tibet fordert mindestens 750 Tote. Inzwischen werden Wasser und Medikamente knapp. Ausländische Spezialisten sind auf dem Weg

Foto: Athit Perawongmetha/Reuters
Verheerung: Vielen in der Krisenregion ist fast nichts geblieben (Devighat, 30.8.2026)

Die Zahl der Todesopfer infolge der am Donnerstag von einem Gletscherabbruch ausgelösten riesigen Sturzflut im Himalaja ist am Sonntag auf 750 gestiegen – 734 in Nepal, 16 auf nördlicher Seite der Grenze in der autonomen chinesischen Region Tibet. Rund 3.000 Menschen, darunter 2.498 in Nepal, gelten noch immer als vermisst. In acht nepalesischen Distrikten bis nach Chitwan an der indischen Grenze wird nach ihnen gesucht.

Allein in der kleinen Bergstadt Syabrubesi, Ausgangspunkt für viele Trekkingtouren in der Langtang-Region, sollen 60 mehrstöckige Hotels, Herbergen und andere solide Betonhäuser fortgerissen worden sein. Völlig unter den Massen von Schlamm begraben wurde laut Berichten der Grenzübergang Timure, der als Zollstation für Importe eine tragende Rolle im Handel über die chinesisch-nepalesische Grenze spielt. In der abgelegenen Siedlung gab es am Freitag ein kleines Wunder, als ein Spezialrettungsteam ein sechsjähriges Mädchen lebend bergen konnte.

Allein 40 Brücken wurden im Katastrophengebiet zerstört, was den Zugang zu etlichen Gebieten für Rettungs- und Hilfskräfte massiv erschwert. Manche Ortschaften sind nach wie vor faktisch nur auf dem Luftweg per Hubschrauber erreichbar, doch selbst diese können bisweilen nicht landen. Ein Großteil der Verbindungswege in den Norden Nepals, so das indische Portal News24, sei unterbrochen. Zwar hat Nepal regelmäßig mit Erdrutschen zu kämpfen, die Straßenabschnitte temporär unpassierbar machen. Solch großflächige Zerstörungen hat das Land aber mindestens seit dem Erdbeben 2015 nicht gesehen.

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Nepals Premierminister Balendra Shah, früherer Bürgermeister Kathmandus und erst seit dem Wahlsieg seiner Partei am 5. März in diesem Amt, sagte am Sonnabend, identifizierte Todesopfer würden an ihre Angehörigen übergeben. Von unbekannten Toten würden vor einer Bestattung DNA-Proben genommen, um später eine Identifizierung vornehmen zu können. Auch mit dieser Aufgabe kommen die forensischen Fachkräfte angesichts der Vielzahl der inzwischen geborgenen Leichen kaum hinterher. Derweil berichtete die Kathmandu Post von einem zunehmenden Problem mit Trinkwasserreserven und Medikamenten. Krankenhäuser, so sie im Katastrophengebiet noch stehen, sind wegen der zerstörten Straßen etwa für Entbindungen und Not-OPs unerreichbar.

Ebenfalls am Sonnabend gab Außenminister Shishir Khanal bei einer Pressekonferenz bekannt, die Regierung habe um ausländische Fachkräfte für Tunnelrettung gebeten. Ein elfköpfiges Expertenamt aus Indien sei bereits mobilisiert, während eine weitere Gruppe aus China in Kürze erwartet werde, hieß es. Hintergrund dieser Bemühungen ist, dass im Distrikt Rasuwa bis zu 400 Arbeiter in einem Tunnelsystem vermutet werden. Einem Team der Nepal Mountaineering Association (NMA) war es nicht gelungen, bis zu ihnen vorzudringen, da die Tunneleingänge durch Schlamm und Wasser nicht zugänglich sind. Dennoch halten sich laut einem Bericht der Himalayan Times Hoffnungen, die Betroffenen noch lebend retten zu können. NMA-Generalsekretär Rajendra Bahadur Lama betonte, das Rettungsteam seiner Organisation stehe weiter bereit, nach Kräften zu helfen. Man brauche aber Fachleute, und nach nunmehr drei Tagen werde der Zeitfaktor für die Eingeschlossenen zusehends kritisch.

Rund ein Dutzend Wasserkraftwerke, eine Säule der nepalesischen Energieversorgung und für wirtschaftlich wichtige Energieexporte, wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die südkoreanische Zeitung The Chosunilbo berichtete, dass mutmaßlich 90 Prozent eines im Bau befindlichen Kraftwerkes – Gemeinschaftsprojekt der Firmen Doosan Enerbility und Korea South-East Power – zerstört wurden. Die bisherigen Strukturen seien von der Naturgewalt oberirdisch fast komplett weggerissen worden. Von neun koreanischen Arbeitern fehle noch jede Spur. Mittlerweile gibt es erste Schätzungen, welche die Gesamtschäden auf mindestens vier bis fünf Milliarden US-Dollar beziffern. Das wäre ein Zehntel des nepalesischen Bruttoinlandsproduktes 2025. Bevor der Wiederaufbau beginnt, müssen freilich die Rettungsarbeiten und Nothilfe abgeschlossen werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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