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Genozid in Gaza

Israels Armee gesteht Tötung von Hind Rajab

Nach mehr als zweieinhalb Jahren werden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet

Foto: IMAGO/Anadolu Agency
Sie tragen den gleichen Namen: Hind Rajabs Großmutter fordert eine unabhängige Untersuchung ein (Gaza-Stadt, 20.8.2026)

Es ist eines der grausamsten Verbrechen in dem nicht an Barbarei mangelnden israelischen Genozid in Gaza: Am 31. Januar 2024 wollte sich die Fünfjährige Hind Rajab mit ihrer Familie vor den anrückenden Besatzungstruppen in Sicherheit bringen und geriet dabei in eine tödliche Falle. Umringt von Leichen ihrer Familienmitglieder harrte Hind 40 Stunden mit ihrer Cousine Lajan in dem unter Beschuss stehenden Auto aus – umstellt von israelischen Panzern. Bevor sie schließlich ebenso wie zwei zur Hilfe eilende Sanitäter getötet wurde. Der aus dem Auto abgesetzte Notruf wurde vom Palästinensischen Roten Halbmond aufgezeichnet und unmittelbar veröffentlicht, aber das interessierte damals weder die israelische Regierung, noch die sogenannte internationale Gemeinschaft. Zwölf Tage später konnten nur noch ihre Leichen geborgen werden.

Nun hat das israelische Militär am Mittwoch eingeräumt, dass seine Truppen das Feuer auf das Auto eröffnet hatten, in dem sich Hind und ihre Familienangehörigen befanden. Man habe strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet, hieß es. Zuvor hatte das Militär stets bestritten, dass sich seine Truppen in der Gegend in der Nähe des Ortes befunden hätten, an dem sie getötet wurde. Ermittlungen zu getöteten Palästinensern führen allerdings in den seltensten Fällen zu Konsequenzen für die Täter bzw. die jeweiligen Verantwortlichen. In den vergangenen zehn Jahren habe nur ein »winziger« Anteil der Ermittlungen zu Anklagen geführt, erklärte Dan Owen von der israelischen Menschenrechtsorganisation »Yesh Din«. Und der zunehmende politische Druck halte die Strafverfolgungsbehörden noch stärker davon ab, »die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, selbst wenn eindeutige Beweise vorliegen«.

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Die Großmutter des kleinen Mädchens, nach der es benannt wurde, lebt jetzt in einem Flüchtlingslager in Gaza-Stadt. Sie und ihre Familie würden »der Justiz des Staates Israel nicht vertrauen«, sagte Hind Rajab gegenüber Reuters. »Wir hoffen, dass Gerechtigkeit von der ganzen Welt ausgeht. Wir appellieren an die internationale Justiz insgesamt.«

Insgesamt hat das israelische Militär seit der palästinensischen Angriffswelle vom 7. Oktober 2023 mehr als 73.000 Palästinenser getötet; Tausende weitere kamen bei israelischen Angriffen im Südlibanon ums Leben. Unter den Toten befinden sich humanitäre Helfer, Ärzte, Journalisten und andere in Konflikten geschützte Berufsgruppen. Allein seit der sogenannten Waffenruhe vom Oktober 2025 sind 1.200 Opfer israelischer Angriffe zu verzeichnen – und die Attacken, die sich vorgeblich gegen Terrorstrukturen richten, gehen unvermindert weiter.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.08.2026, Seite 6, Ausland

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  • Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 20. Aug. 2026 um 22:58 Uhr
    Siehe hierzu auch eine andere Meinung https://www.hindrajabfoundation.org/posts/the-illusion-of-accountability-israel-investigates-itself Nach wie vor sehenswert ist das Dokudrama »Die Stimme von Hind Rajab« https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stimme_von_Hind_Rajab
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