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Nahostkonflikt

Nummern auf der Haut

Westjordanland: Israelische Besatzungstruppen markieren palästinensische Häftlinge nach Überfall. USA verhängen neue Sanktionen gegen IStGH

Foto: Mohamad Torokman/REUTERS
Kein Einzelfall: Schon im vergangenen Jahr wurden im selben Ort Palästinenser markiert (Kabatija, 27.12.2025)

Mindestens geschmacklos: Israelische Besatzungstruppen haben am Montag bei einem Überfall auf die Stadt Kabatija südlich von Jenin im besetzten Westjordanland Nummern auf die Gesichter und Körper palästinensischer Häftlinge geschrieben. Das Militär führte Razzien in rund 100 Häusern durch und nahm mehrere Personen fest, wobei einige dabei verprügelt worden seien. Die Nummerierung habe offenbar dazu gedient, die Festgenommenen »zu identifizieren und die Vernehmungen zu organisieren«, erklärt einer der Männer laut der israelischen Zeitung Haaretz, die zuerst über den Vorfall berichtete. Videos und Fotos, die die Markierungen zeigen sollen, verbreiteten sich rasch im Netz. Derartige Nummerierungen bei Razzien seien »laut Überlebenden und Menschenrechtsorganisationen im Umgang Israels mit palästinensischen Gefangenen zur Routine geworden«, heißt es beim palästinensischen Onlinemedium Kuds News Network.

»Ob man bei solchen Bildern an KZ-Tätowierungen oder ans Markieren von Nutztieren denkt, zeigen sie doch eine der vielen Formen von Entmenschlichung, denen Palästinenser durch Israel ausgesetzt sind«, meint Wieland Hoban, Vorsitzender des Vereins »Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost«, am Mittwoch gegenüber junge Welt. Diese Entmenschlichung sei »eine Voraussetzung für Genozid, denn wenn es sich nicht um Menschen handelt – wie der Sicherheitsminister selbst gesagt hat –, dann lässt sich ihre Tötung leichter rechtfertigen«, so Hoban in Anspielung auf jüngste Äußerungen des ultrarechten israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir. »Schockierend und widerwärtig«, findet auch der Knesset-Abgeordnete Ahmed Tibi in einem Post auf X scharfe Worte. »Ein Bild, das an dunkle Zeiten erinnert und das jeden schockieren sollte«, so der Vorsitzende der arabischen Partei Taal.

Die israelischen Streitkräfte haben den Vorfall eingeräumt. In ­Kabatija seien »Verdächtige markiert« worden, »die im Zuge des Einsatzes befragt wurden«, so das Militär laut Times of Israel. »Die Kommandeure haben den Soldaten die Schwere dieser Handlung deutlich gemacht, und es wurden Lehren daraus gezogen«, heißt es weiter. Doch der Vorfall in Kabatija war keinesfalls der erste seiner Art. Bei einem Überfall auf das Geflüchtetenlager in Jenin im nördlichen Westjordanland im April haben israelische Besatzungstruppen Dutzende Palästinenserinnen entsprechend ihren Nachbarschaften im Lager mit Buchstaben und Nummern auf ihren Händen markiert, berichtete Middle East Eye. Damals hatte das Militär eine nahezu wortgleiche Erklärung veröffentlicht; es kam zu einer »Fehleinschätzung«, man habe »Lehren daraus gezogen«. In der Ersten Intifada habe ein kommandierender Major am Holocaust-Gedenktag 1988 seinen Soldaten befohlen, »Nummern auf die Arme von Gefangenen zu schreiben«, so Noam Chomsky unter Berufung auf Presseberichte von damals. Dies sei zwar »ein Scherz« des Majors gewesen, doch sei der Befehl ausgeführt worden. Die Jewish Telegraphic Agency berichtete im März 2002 von einem Fall im Geflüchtetenlager in Tulkarem. Im Oktober 2023 markierten israelische Polizisten in Tel Aviv eine Gruppe festgenommener Eritreer mit Nummern, berichtete Haaretz damals.

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Unterdessen führt die US-Regierung ihren erklärten Kampf gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) fort, der auch dem Schutz vor Strafverfolgung der israelischen Verbündeten dient. US-Außenminister Marco Rubio verkündete am Dienstag Sanktionen gegen die IStGH-Präsidentin Tomoko Akane und den leitenden Prozessanwalt des Gerichtshofs, Abdoulaye Seye. »Die Trump-Regierung hat sich klar geäußert: Der IStGH ist ein korruptes und in fataler Weise politisiertes supranationales Gericht«, so Rubio in einer Stellungnahme. Bereits im Juli erklärte er, dass er beabsichtigt, den IStGH »Stein für Stein« auseinanderzunehmen.

Im November 2017 leitete Chefanklägerin Fatou Bensouda Untersuchungen gegen die USA wegen mutmaßlicher Verbrechen in Afghanistan ein und wurde daraufhin von der ersten Trump-Administration sanktioniert. Auf Initiative des damaligen Chefanklägers Karim Khan stellte der IStGH im November 2024 Haftbefehle gegen Netanjahu und den damaligen israelischen Kriegsminister Joaw Gallant aus. Im Juli 2026 wurde Khan schließlich wegen Vorwürfen vermeintlichen sexuellen Fehlverhaltens gefeuert. Die Untersuchungen der nun sanktionierten Akane und Seye, fügte Rubio hinzu, schafften »einen gefährlichen Präzedenzfall für alle Nationen«. Zumindest für alle Nationen, so möchte man hinzufügen, die zuweilen schwere Kriegsverbrechen begehen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 7, Ausland

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  • B.S. aus Ammerland 19. Aug. 2026 um 21:45 Uhr
    Trumps »Haltet den Dieb«-Politik: Wo der Bock zum Gärtner gemacht wird, ist ein beschämendes Beispiel für eine feige und unterwürfige Haltung und Politik des Westens. Personen vom Schlage einer von der Leyen, einer Kallas, eines Merz sind nicht mehr hinnehmbar. Putin ein Verbrecher, Netanjahu ein Heiliger – der für uns die Drecksarbeit macht, O-Ton Merz. Wo leben solche Figuren, von mitfühlenden Menschen kann hier wohl keine Rede sein! Aber wer auf der Lohnliste der Anglo-Amerikaner steht oder besser seit Jahren in deren Thinktanks unterwegs ist und daraus Vorteile zieht sollte auch so öffentlich benannt werden. Der Bundestag ist voll von diesen Akteuren, ebenso die Wirtschaft und die Medien. Und da sagt nochmal jemand, das wäre alles Zufall? Wenn der »President of Disneyland« seine und Netanjahus Verbrechen leugnet und diejenigen, die noch einigermaßen bei Verstand sind, ein Rechtsempfinden haben, dieses als Verbrechen anklagen und dafür sanktioniert werden sollten, dann geht der Rechtsstaat vor die Hunde. Aber was viel schlimmer ist: Das Vertrauen der Bürger/innen in den Rechtsstaat geht verloren. Verbrecher schreiben dann die Gesetze und unsere Politiker nicken es ab, weil es ihnen peinlich ist und ihre Privilegien flöten gehen.
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