»Alles kann passieren«
Lieber quirlig: Das Duo Neuser-Wilhelmi spielt in der Berliner jW-Maigalerie
Musik muss unter die Haut gehen, emotional sein. Nikolaus Neuser, Jahrgang 1972, Trompeter und Flügelhornist, weiß das. Schon als Teenager in Nordrhein-Westfalen begann etwas in ihm zu swingen, wenn er Jazz, etwa von Miles Davis, hörte. Darum schwenkte er auch um: von der Klassik über einen kurzen Abstecher zum Punk hin zum Jazz. Der ist sein Lebenselixier, seitdem. Seit 1999 lebt Neuser in Berlin, nach dem Studium der Jazztrompete bei Uli Beckerhoff an der Essener Folkwang-Hochschule. Von Beginn an zählte er, der später auch ehrenamtlich als Vorsitzender für die Union Deutscher Jazzmusiker tätig war, zu den Protagonisten vom wild-dynamischen Hannes Zerbe Jazz Orchester. Zerbe wiederum, eine Berliner Koryphäe im Jazz, kuratiert die an jedem ersten Dienstag im Monat stattfindende Konzertreihe »jW geht Jazz«: für die Tageszeitung junge Welt in Berlin. Und darum tritt Nikolaus Neuser am kommenden Dienstag abend im Duo mit dem Pianisten Michael Wilhelmi in der Maigalerie der jungen Welt auf.
Wilhelmi ist Pianist, Komponist – und Mathematiker. Mathe, Logik und Philosophie hat der 1974 im Saarland Geborene in Leipzig studiert. Aber die Liebe zur Musik und die Neugierde darauf, sich mit ihr zu entwickeln, waren stark. Also schloss sich ein zweites Studium, nämlich von Klavier, Jazz und Komposition, an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin an. Seit 2004 ist Michael Wilhelmi selbst Dozent dort, für Improvisation für angehende Dirigenten. Als aktiver Musiker hat er es bis zu den Salzburger Festspielen gebracht, und 2023 hatte er die musikalische Leitung von Brechts »Dreigroschenoper« am Staatsschauspiel in Dresden inne. 2025 wurde das »Requiem für eine marode Brücke« von Michael Wilhelmi in Köln uraufgeführt.
Da kommt also einiges an Spiel- und Werkerfahrungen zusammen, wenn Neuser und Wilhelmi sich treffen. Sie kennen sich seit rund zwanzig Jahren, so, wie Jazzmusiker in Berlin sich immer mal wieder begegnen. Dass sie zusammen spielen, ist aber neu. Und der Auftritt in der Maigalerie ist sogar ihre Premiere als Duo.
Weil beide Musiker viel Wert auf die Kunst der Improvisation legen, können sie vorab nicht abschätzen, ob die einzelnen Stücke, die sie spielen werden, eine Minute oder eine halbe Stunde dauern werden. Alle Sinne werden geschärft, alle metaphysischen Kanäle offen sein. »Alles kann passieren«, verheißt Nikolaus Neuser.
Das Ausgangsmaterial umfasst dabei die Spanne vom Postimpressionismus bis zum einfachen, klaren Jazz, aber auch bis zu zeitgenössischen Klängen. Wird es denn konkrete Zitate aus bekannten Musiken geben? »Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich« sei das, meint Neuser schmunzelnd. Ihm kommt es auf Qualität an, auf eine hörbare Ästhetik, die sich mit der Gesellschaft, in der er lebt, vital auseinandersetzt.
Da kann es musikalisch mal hektisch und quirlig zugehen, dann wieder fast elegant. Rhythmisch invasiv, werden Stimmungen reproduziert, die schon zuvor latent im Raum vorhanden waren. Bis sich dieses liebe, nervöse Zucken in den Gliedmaßen einstellt, dem man als Jazzfan hilflos ausgeliefert ist. Jazz geht halt ins Blut.
→ Das Duo Neuser-Wilhelmi spielt am Dienstag, 4. August 26, um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Maigalerie der jungen Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin. Eintritt: 10 Euro (erm. 5 Euro), Anmeldung erbeten, telefonisch unter 030 – 53 63 55 54 oder per E-Mail: maigalerie@jungewelt.de
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
