Zum Inhalt der Seite
Punk

Auf gute Geschäfte

Lauter, wütender, schneller: Der zweite Longplayer »Business« des britischen Punkduos The Meffs

Foto: SOPA Images/IMAGO
Eine Wucht: The Meffs

Wenn das hier Business ist, dann doch ein so gut gespieltes, dass 17 Euro für die elf neuen Songs auf CD nach einem annehmbaren Angebot klingen. Für diejenigen jedenfalls, die noch CD-Player beladen. Hätten The Meffs ihren zweiten Longplayer wieder via Fat-Wreck-Chords-Ableger Bottles to the Ground veröffentlicht, wäre die LP zwar für deutlich unter 30 Euro erhältlich, aber da nun einmal längst alles irgendwo Business ist, war die Offerte des – für den Meffs-Sound bislang eher unzuständigen – italienischen Labels FLG für das Punkduo aus Essex offenbar die günstigere. Warum der Labelwechsel vollzogen wurde, weiß man nicht, kann es aber erahnen: »It’s just business / Dirty business / Leave you in the dust kind of business / We’re taking our share«, stellt Lily Hopkins (Gitarre/Gesang) im Titeltrack schließlich klar.

Einen guten Deal haben sie und Lewis Copsey (Drums/Backing vocals) in jedem Fall mit Dan Weller als Produzenten gemacht. Der produziert sonst Metal- und Matchcorebands und sorgte dafür, dass sich der Meffs Motto »Louder than a four-piece« nicht mehr nur live einlöst. Was auf den jeweils vom Punkfolker Frank Turner produzierten EPs »Broken Britain Pt. 1« (2022) und »Broken Britain Pt. 2« (2023) sowie dem Longplayer »What a Life« (2024) noch fehlte, ist nun voll vorhanden. Die Platte kommt um Längen intensiver, kraftvoller, ungestümer, schlicht mitreißender rüber als die Vorgänger. Vielleicht sogar etwas zu sehr, um außerhalb des Studios noch mithalten zu können. Die Energie, die Weller auf »Business« einfangen konnte, können The Meffs meiner Erfahrung nach nämlich nicht immer rüberbringen. Als ich sie im Sommer 2024 in der Zitadelle Spandau sah, waren dafür aber unfähige Tonleute verantwortlich, und die Festivalbühne war wohl auch etwas zu groß für das Duo. Ein paar Monate zuvor im kleinen Berliner Schokoladen waren die beiden definitiv eine Wucht.

Anzeige

Dass Lily und Lewis über die vergangenen fünf Jahre eine stetig größere Bühne geboten wird, geschieht so oder so zu Recht. Der gute Grund dafür lässt sich in 25 Minuten »Business« jetzt auch auf der Arbeit bestens nachhören. Dort sieht man passenderweise ja oft die falsch lachenden Visagen, wie sie das Gesicht auf dem Cover emblematisch darstellt. »Ich wollte das, weil das im Leben und im Business das Gesicht der Leute ist, die vielleicht auf dich herabschauen. (…) Für mich fasst das einfach jeden und alles zusammen«, sagte Lily dem Magazin Rock Sound. Denn ein Scheißbusiness, das ist auch den Meffs nicht entgangen, ist nicht nur die Musikindustrie, sondern das ganze von falscher Freundlichkeit, Leistungsdruck und Ausbeutung durchdrungene vermaledeite moderne Leben. Leute, die das nicht so gut finden, müssen sich in England manches Mal anhören, sie seien »meffs«. Hierzulande kann man sich einfach »Business« auf die Ohren knallen und dabei prima überhören, man sei ein wertloser Idiot. Oder mit dem Song »Disorder« einfach zurückbrüllen: »Wake up, wake up / Who’s your enemy? / Wake up, wake up / It’s not you, not me.« Lily und Lewis sollten es auch nicht sein. Die Lieben stellen sich auch nur lautstark berechtigte Fragen wie »Where did it all go wrong?«.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 18.09.2026, Seite 11, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!