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Iran-Krieg

Saudi-Arabien mischt sich ein

Iran-Krieg: Riad erstmals direkt an Angriffen an der Seite der USA beteiligt. Ziel sind Milizen im Irak. Hinweise auf mögliche Hilfe Chinas für Teheran

Foto: Khalid Al-Mousily/Reuters
Liegt in Schutt und Asche: Ein Gelände der irakischen Volksmobilisierungskräfte (Bartella, 29.7.2026)

US-amerikanische und saudiarabische Streitkräfte haben in der Nacht auf Mittwoch gemeinsam Stellungen der irakischen Volksmobilisierungskräfte (PMF) angegriffen. Das ist ein Dachverband überwiegend schiitischer Milizen, der formal Teil der irakischen Sicherheitskräfte und in Teilen eng mit Iran verbunden ist. Die USA erklärten, das Bombardement habe Gruppen gegolten, die im Auftrag der Iranischen Revolutionsgarden sowohl US-Truppen als auch saudische Energieinfrastruktur angegriffen hätten.

Erstmals seit Ausbruch des Krieges Ende Februar erklärte Saudi-Arabien öffentlich, gemeinsam mit US-Kräften militärisch gegen mit Iran verbündete Akteure vorzugehen. Das saudische Verteidigungsministerium bestätigte, die Angriffe seien in Abstimmung mit den USA erfolgt, betonte zugleich aber, das Königreich suche keine Eskalation, werde jedoch auf jede Aggression reagieren. Damit tritt ein Akteur, der sich bislang weitgehend aus der direkten militärischen Konfrontation herausgehalten hatte, aus der Deckung.

Die von Washington und Riad genannte Begründung – Vergeltung für Drohnenangriffe auf US-Truppen und saudische Ölanlagen – erklärt nicht, warum der Gegenschlag ausgerechnet im Irak erfolgte. Die akuteste Bedrohung für Saudi-Arabiens Energieinfrastruktur ging in diesen Tagen von den jemenitischen Ansarollah (»Huthis«) aus. Seit dem 20. Juli hatten diese eine Seeblockade gegen saudische Schiffe verhängt und mehrfach Tanker, Häfen und Raffinerien attackiert.

Satellitendaten deuten auf erhebliche Schäden hin. Am Standort Janbu der saudischen ­Erdölfördergesellschaft Aramco wurden am Sonnabend zwei starke Brandherde registriert. Die Verladekapazität des Hafens ist seitdem um rund 40 Prozent gesunken. Eine Raffinerie in Dschisan musste nach einem Brand vorübergehend stillgelegt werden.

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Damit liegt eine andere Deutung nahe: Ein direkter Gegenschlag gegen die Ansarollah hätte weitere Angriffe auf die saudische Exportinfrastruktur provozieren können. Der Irak bot demgegenüber offenbar das kalkulierbarere Ziel. Auch die irakische »Islamische Widerstandsfront« wirft Riad vor, den Irak anzugreifen, weil es sich gegen die Ansarollah nicht wirksam durchsetzen könne. Die Widerstandsfront ist ein weiterer irakischer Milizenverband mit engen Beziehungen zu Iran.

Mit dem gemeinsamen Angriff auf Ziele im Irak ist es Washington erstmals gelungen, einen Golfstaat unmittelbar in die militärische Aggression gegen Iran und seine Verbündeten einzubinden. Der Krieg erreicht damit eine neue Stufe: Saudi-Arabien tritt nicht länger nur als Stützpunkt, Unterstützer oder Ziel iranischer Vergeltung auf, sondern erstmals selbst als aktive Kriegspartei.

Der irakische Schauplatz birgt zudem ein besonderes ­Eskalationsrisiko. Gleichzeitig mit den Angriffen strömen Millionen schiitische Pilger zur »Arbain«-Wallfahrt in das Land. Bis zum 28. Juli waren bereits rund 2,1 Millionen ausländische Pilger eingereist, allein aus dem Iran werden fünf bis sechs Millionen erwartet. Die US-amerikanisch-saudischen Angriffe trafen unter anderem Ziele in Dijala und Kirkuk. In Dijala liegt mit Mundhirija einer der wichtigsten Grenzübergänge für iranische Pilger. Ein gezielter Angriff auf Wallfahrer ist bislang nicht belegt. Doch Operationsgebiet und Pilgerkorridore überschneiden sich. Tote oder Verletzte unter den Pilgern würden den Krieg in der schiitischen Welt schlagartig religiös aufladen und weit über Iran hinaus mobilisieren.

Während damit mit Saudi-Arabien erstmals ein weiterer Regionalstaat offen in den Krieg eintritt, mehren sich Hinweise auf wachsende ausländische Unterstützung für Iran. Teheran soll angeblich binnen weniger Wochen bis zu 400 chinesische schultergestützte Flugabwehrsysteme erhalten haben. Der Vertragswert läge bei 60 bis 70 Millionen US-Dollar. Vermittelt soll das Geschäft über eine Hongkonger Firma worden sein, geliefert über Westchina und Pakistan. China und Pakistan wiesen den Bericht scharf zurück. Beijing sprach von einer »vollkommen grundlosen« Darstellung, Islamabad von »erfundenen und falschen« Behauptungen. Das Rüstungsgeschäft bleibt zwar unbestätigt und beruht auf anonymen Quellen. Allerdings wäre es nicht der erste Hinweis auf neue chinesisch-iranische Waffenlieferungen. Bereits zuvor war über ein mögliches Abkommen über Antischiffsraketen berichtet worden.

Sollte sich der Bericht bestätigen, ginge Chinas Rolle über die bloße Fortsetzung sicherheitspolitischer Beziehungen hinaus. Das Rüstungsgeschäft wäre ein erstes Indiz dafür, dass Beijing im Fall einer militärisch bedrohlichen Schwächung Irans als Waffenlieferant einspringen könnte. Damit könnte sich eine seltene Form indirekter US-amerikanisch-chinesischer Konfrontation abzeichnen: Beijing würde einen Staat mit Waffen unterstützen, der sich in einem offenen Krieg mit den USA befindet. Noch wäre dies keine direkte Konfrontation, wohl aber eine der schärfsten indirekten militärischen Gegenüberstellungen beider Mächte seit Jahrzehnten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 7, Ausland

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→ Leserbriefe
  • Klaus Ludwig aus Wildeck 31. Juli 2026 um 10:16 Uhr
    Das sollte der jW nicht passieren: Selbstverständlich spricht China nicht darüber und verbietet sich grundsätzlich Einmischungen in eigene oder bilaterale Angelegenheiten. Wenn Trump sabbelt und meint, Xi habe ihm zugesagt, den Iran nicht zu unterstützen, weiß jeder denkende Mensch, er hat sich das ausgedacht. Xi wird sich verbitten, dass irgendwer sich in rein chinesische Angelegenheiten einmischt. Weil im Westen jedwede Kompetenz in Sachen internationaler Politik fehlt, wird immer wieder dieses Fass aufgemacht und brav befolgt: Alle Hilfe für die Ukraine ist legitim, eine für den Iran zu verurteilen. Am deutlichsten in der Diplomatensprache, wie China sie anwendet, war jene Aussage von Außenminister Wang Yi, der gefragt live antwortete, dass China nicht an einer militärischen Niederlage Russlands interessiert sei. Kann man deutlicher werden? Und wieso sollte China zusehen, wie der Iran zerschlagen und unterworfen wird? Geostrategisch würde die USA näher an Chinas Grenzen rücken und handelspolitisch BRICS beenden können, denn alle Handelswege Chinas nach Afrika und Europa gehen genau hier durch, ganz abgesehen vom Bedarf an Öl und Gas. Nein, niemand muss Xi fragen, China wird ganz sicher alles tun, damit der Iran nicht verliert! Niemand weiß, welche Kapazitäten USA und China haben, aber was politisch vollkommen unzulässig ist,ist ist die Wortwahl, der Iran »befindet sich in einem offenen Krieg mit den USA«. Nein, und nochmals nein. Die USA führen einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran und es geht tatsächlich um das Überleben dieser Nation, nicht um eine Wasserstraße, nicht um Kopftücher und nicht um Atomprogramme, Trump will nicht weniger als die Zerschlagung des Iran, einen Regime-Change und ggf. Bürgerkrieg, um wie in Venezuela die Kontrolle über die Energieressourcen und die Handelswege zu bekommen. Und er macht kein Hehl daraus: Das Ziel bleibt die Zerschlagung Chinas. In Beijing ist niemand so dumm, das nicht zu wissen, und schon gar nicht wird man, die Kapazität vorausgesetzt, dabei zusehen.
  • Onlineabonnent*in André M. aus B. 30. Juli 2026 um 10:49 Uhr
    Ich sehe seit dem Überfall Israels/USA auf den Iran eine schnell zunehmende Entgrenzung beim Einsatz militärischer Gewalt in weltweitem Maßstab. Mit der Versenkung eines iranischen Schiffes im Kaspischen Meer durch die Ukraine ist ein weiterer Akteur in den mittelöstlichen Krieg eingetreten. Es ist keinerlei vernunftgemäße Zurückhaltung bei militärischen Aktionen mehr sichtbar (auch in Russland/Ukraine nicht). Bis zur Verausgabung und darüber hinaus wird militärisch agiert mit völlig ungewissen Erfolgsaussichten und nicht erkennbaren Zielen, die eine Lösung der Konflikte markieren könnten. Im Gegenteil: Eskalation wohin man schaut. Die Aussichten sind trübe. Meine Meinung ist, dass wir uns im Präludium eines Weltkrieges befinden. Die Saat ist überall gelegt. Es war abzusehen, dass China nicht endlos seiner internationalen Beschneidung durch den Westen zusehen kann. Es kommt der Zeitpunkt, wo es auch militärisch reagieren muss. Bleibt zu hoffen, dass es erfolgreicher ist als Russland, das seit über vier Jahren eine immer erfolglosere Kampagne führt, weil die militärischen Mittel mit den politischen nicht deckungsgleich sind und z. Z. keine effektiven militärischen und politischen Antworten auf die Herausforderungen findet.
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