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Bomben auf Pilger
Tote und verletzte Gläubige nach US-Angriff auf irakisch-iranischen Grenzübergang
Die irakische Stadt Kerbala zieht jährlich Besucher aus verschiedenen Nationen in das Land. Mit über 20 Millionen Menschen gilt der islamische Trauertag »Arbain« als größte jährliche Pilgerfahrt der Welt. Doch zwei Gläubige aus dem Iran werden die Pilgerstätte des 680 in der Schlacht von Kerbala gestorbenen Imam Hussein – des dritten Imam der Schiiten – dieses Jahr nicht erreichen: Sie wollten gerade den Grenzübergang gen Irak bei Schalamcheh passieren, als am Donnerstag eine US-amerikanische Rakete in dem iranischen Ort einschlug. Die zwei Pilger starben, elf weitere Menschen wurden bei dem Angriff verletzt.
Handyaufnahmen von vor Ort, die von iranischen Medien aufgegriffen wurden, zeigen, wie das Passagierterminal der iranischen Seite brennt und Zivilisten in Panik fliehen. Der tödliche Angriff stoppte den Betrieb jedoch nicht. Innerhalb von drei Stunden wurde die Lage unter Kontrolle gebracht, wie die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete. Der Grenzübergang, der derzeit überwiegend von Pilgern passiert wird, bleibt demnach weiterhin geöffnet und ermöglicht iranischen Schiiten Zugang zu einer ihrer heiligsten Stätten. Traditionell treten die Gläubigen ihre Pilgerreise zu Fuß an, bis sie Kerbala erreichen. Während ihrer Reise werden sie von freiwilligen Pilgerhelfern auf den Straßen mit Speisen und Getränken versorgt. Sogar Übernachtungsmöglichkeiten werden ihnen von ansässigen Familien und Privatpersonen angeboten.
Zahlreiche Iraner nehmen jedes Jahr an dem Pilgermarsch teil – trotz der wiederholten US-Angriffe auf den Grenzübergang in Schalamcheh auch dieses Jahr. Bereits im April wurde der Aufenthaltsbereich der Einrichtung von einem Luftangriff der US-Armee getroffen. Ein irakischer Reisender wurde auf der iranischen Seite durch den Angriff getötet, fünf weitere wurden verletzt. Damals sorgte der Angriff dafür, dass der Reiseverkehr ausgesetzt wurde. Nur zwei Wochen zuvor hatten US-Angriffe fünf Lastwagenfahrer verletzt und zahlreiche zivile Fahrzeuge beschädigt.
Schalamcheh liegt in der Provinz Chuzestan, deren Bewohner der ethnischen Minderheit der iranischen Araber angehören. Obwohl die Provinz überwiegend schiitisch geprägt ist, hat das Regime wenig Rückhalt bei der dortigen Bevölkerung, die ihrer Regierung vorwirft, sie strukturell zu benachteiligen. Es kommt regelmäßig zu Protesten, aber auch zu Anschlägen der arabischsprachigen Separatisten auf iranische Militäreinrichtungen oder zivile Einrichtungen.
Nachdem der damalige irakische Präsident Saddam Hussein 1980 das Nachbarland angegriffen hatte, wurde die Grenzregion zum Kriegsschauplatz. Der Versuch, unter der arabischen Minderheit des Irans den arabischen Nationalismus zu etablieren, scheiterte – obwohl sie in ihrem eigenen Land als marginalisiert gelten, fand Hussein vergleichsweise wenig Unterstützung unter den arabischen Iranern.
Von den Kriegen der Vergangenheit, die für zahlreiche Verluste auf beiden Seiten sorgten, ist während des Pilgermarsches nichts mehr zu spüren. Die beiden Staatsoberhäupter, Iraks Premier Ali Al-Saidi und Irans Präsident Massud Peseschkian, vereinbarten jüngst, ihre bilateralen Beziehungen zu intensivieren. Iranische und irakische Sicherheitskräfte koordinieren gemeinsam die Ein- und Ausreise in Schalamcheh. Außerdem verlangt Bagdad von iranischen Pilgern des Arbain-Marsches keine Visa. Trotz der wiederholten Angriffe des US-Militärs auf den Grenzübergang strömen deswegen auch dieses Jahr wieder Millionen iranischer und irakischer Schiiten nach Kerbala.
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