Weltweit Abneigung gegen US-Aggression
Von Karin Leukefeld
Der US-israelische Angriff auf den Iran trifft in der Region, den USA und dem Rest der Welt auf wenig Zustimmung. Umfragen in den USA kamen zu dem Ergebnis, dass höchstens 33 Prozent der Befragten den Angriff auf Iran unterstützten. »Bis vor wenigen Tagen habe der Krieg gar nicht auf der Tagesordnung gestanden«, hieß es in einem Bericht über eine Umfrage des Umfrageunternehmens Yougov. Ablehnung gegen den Krieg sei sowohl unter Kritikern als auch unter Anhängern von US-Präsident Donald Trump verbreitet.
In den USA kritisierten sowohl Abgeordnete von Demokraten als auch von Republikanern die Angriffe teils scharf. Senator Bernie Sanders sprach von einem »vorsätzlich geplanten und verfassungswidrigen Krieg«, der das Jahrzehnte alte Vorhaben des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu umsetzen sollte, »die USA in einen bewaffneten Konflikt mit Iran« zu ziehen. Noch in der aktuellen Woche soll eine parteiübergreifende Resolution zu den Kriegsmachtbefugnissen zur Abstimmung gebracht werden.
Weltweit werden derweil Proteste gegen den Krieg gemeldet. In Pakistan wurden dabei Dutzende Menschen getötet und verletzt. In der Hafenstadt Karatschi blockierte eine aufgebrachte Menge am Sonntag wichtige Verkehrsstraßen, landesweit wurden US-Konsulate und Botschaftsniederlassungen unter den Schutz der Armee gestellt. Die Regierung verhängte in Teilen des Landes eine dreitägige Ausgangssperre. Wie Reuters am Dienstag bestätigte, waren es US-Marinesoldaten, die das Feuer auf Demonstranten vor dem Konsulat eröffneten.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad versuchte den dritten Tag in Folge eine aufgebrachte Menschenmenge die »Grüne Zone« zu stürmen, in der sich die US-Botschaft befindet. Polizeikräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein und feuerten Berichten zufolge Warnschüsse in die Luft. Ähnliche Szenen gab es in Indien.
Auch im Emirat Bahrain kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Zivilbevölkerung und Einsatzkräften. Das Land beherbergt die 5. US-Flotte, die seit Beginn des Angriffs auf Iran schon mehrfach Ziel von iranischen Drohnenangriffen wurde. Nach Bekanntwerden des Todes von Ajatollah Ali Khamenei strömten Hunderte Menschen zu Protesten auf die Straßen. Sicherheitskräfte feuerten Tränengas in die Menschenmenge. Bahrain verfügt über eine große schiitisch-muslimische Bevölkerung, die bereits früher mit dem sunnitisch-muslimischen Herrscherhaus im Land in Konflikt geriet.
Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Jordanien und Saudi-Arabien sehen sich – früheren Bemühungen um ein Zurückhalten der USA ungeachtet – mit Drohnen- und Raketenschlägen aus Iran konfrontiert. Die Außenminister der Golfstaaten beriefen am Sonntag abend eine Dringlichkeitssitzung ein, Ägyptens Präsident warnte, die Region könne »ins Chaos abgleiten«.
China verurteilte die gezielte Ermordung von Khamenei als »schwerwiegende Verletzung der Souveränität des Iran«. Der chinesische Außenminister Wang Yi führte am Montag Telefonate mit seinen Amtskollegen in Iran, Frankreich und im Oman. Dabei drängte er auf eine sofortige Waffenruhe. China unterstütze den Iran beim Schutz seiner Souveränität, Sicherheit, territorialen Integrität und nationalen Würde, sagte Wang gegenüber dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi. Dem französischen Außenminister Jean-Noël Barrot schlug er eine gemeinsame Initiative für die Deeskalation im Nahen und Mittleren Osten vor. Gegenüber dem omanischen Außenminister Badr bin Hamad al Busaidi betonte Wang, ein Übergreifen des Krieges diene nicht den grundlegenden und langfristigen Interessen der Golfstaaten.
Iran setzt derweil seine militärische Verteidigung gegen die US-amerikanisch-israelischen Angriffe fort. Das US-Zentralkommando meldete den Tod von sechs Soldaten, ging auf weitere Verluste allerdings nicht ein. Beobachter merkten an, dass Iran offensichtlich trotz des Verlusts vieler Führungspersönlichkeiten weiterhin in der Lage ist, gleichzeitig einen Krieg gegen zehn verschiedene Staaten zu führen. Zentrale Ziele sind weiterhin Israel und die US-Streitkräfte sowie deren Verbündete in der Region.
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Leserbrief von Volker Wirth aus Berlin (5. März 2026 um 11:34 Uhr)Weltweit – ja, einhellig – nein. Und das betrifft speziell die arabisch-islamische Welt. Es gab eben auch den Jubel fanatischer, offenbar sunnitischer Fußballfans über die Tötung Chameneis, des »Papstes der Schiiten«, wie sich Jens Berger in den »Nachdenkseiten« ausdrückte. Karin Leukefeld beschreibt nur kurz die Lage im Inselstaat Bahrain mit seiner sunnitischen Dynastie, während die Inselbewohner großenteils Schiiten sind, die bereits ihre Märtyrer zu beklagen hatten. Ähnlich ist es aber auch in anderen Golfmonarchien. Auch religiöse Diskriminierung und Unterdrückung sind zumindest für die Gläubigen ganz real! Die Golfmonarchien sind aber auch als Handlanger des US-Imperialismus Zielscheiben der Verachtung und des Kampfes nationalistischer und damit überkonfessioneller arabischer Kräfte. Da ist wohl das Wort »Abneigung« etwas schwächlich.
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