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Deutsche Teilung
Anfrage von Die Linke ergibt: Mehr als die Hälfte steuert im Osten auf Altersarmut zu. Sachsen-Anhalt mit über 60 Prozent »Spitzenreiter«
Wenn es sie doch nur gäbe, die blühenden Landschaften im Osten. Die zu beschauen wäre eine kostengünstige Freizeitaktivität für die Menschen vor Ort – und derart billige Vergnügungen könnte man gut gebrauchen, insbesondere in Sachsen-Anhalt. Denn wie aus einer kleinen Anfrage von Die Linke im Bundestag zum Lohnniveau und drohender Altersarmut hervorgeht, ist das Bundesland »Spitzenreiter« bei der Zahl der Arbeiter, deren aktueller Bruttolohn sie geradewegs zu Renten unter Armutsniveau führt. Das teilte die Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt am Montag mit.
Konkret hatte zunächst der Linke-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch gefragt, wie hoch der Bruttolohn bei Vollzeitbeschäftigung derzeit sein müsste, um nach 45 Jahren Beitragszahlung zur gesetzlichen Rentenversicherung eine Rente über der aktuellen Armutsschwelle für Alleinstehende, also 1.445 Euro, zu erhalten. Antwort der Bundesregierung: 3.771 Euro. Natürlich eine Modellrechnung – vom individuellen Gehalt zu einem fixen Zeitpunkt lässt sich nur bedingt auf die spätere Rentenhöhe schließen –, dennoch dürfte nicht wenigen beim Abgleich mit dem eigenen Lohnzettel zu Recht mulmig werden.
In Kombination mit den neuesten vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) über die Bruttoverdienste im Land (Stand: April 2025) ergibt sich, dass bundesweit 44 Prozent der Beschäftigten nicht über dieses Lohnniveau kommen, das ihnen eine Rente über der Armutsgrenze sichern würde, folgert Die Linke. In den westdeutschen Bundesländern sind das demnach 42 Prozent. Im Osten bekommen 54 Prozent weniger als 3.700 und über 59 Prozent weniger als 3.900 Euro brutto, wie die Destatis-Daten weiter zeigen. In Sachsen-Anhalt sind die Löhne besonders mau: Annähernd 61 Prozent haben dort einen Bruttolohn von unter 3.900 Euro und steuern somit auf einen Lebensabend in Armut zu.
»Die Schieflage bei Löhnen und Renten ist inakzeptabel groß«, meinte dazu am Montag Eva von Angern, Fraktionsvorsitzende von Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt. Leistung zahle sich zu selten aus, und die von der Bundesregierung geplante Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren verschärfe diese Tendenz weiter. Schon im April hatte die Partei über ihren Bundestagsabgeordneten David Schliesing zudem scharfe Kritik an der mangelnden Durchsetzung der Mindestlohnbestimmungen in Sachsen-Anhalt geübt. Schliesing bezeichnete die da frisch veröffentlichten Zahlen des Zolls, nach denen dessen Kontrollaktivitäten zu Schwarzarbeit und Verstößen gegen das Mindestlohngesetz stark zurückgegangen waren, als »erschütternd«. Rechnerisch werde ein Betrieb in Sachsen-Anhalt nur alle 90 Jahre geprüft, das »lädt geradezu zum Betrug ein«.
Die Zahlen zu den Bruttolöhnen hatte Destatis zwar schon in der vergangenen Woche veröffentlicht, Beachtung gefunden haben sie bislang allerdings nur wenig. Dabei ergeben sich durchaus einige interessante Datenpunkte: Um beispielsweise zu den einkommensstärksten zehn Prozent der Bundesbevölkerung zu gehören, muss man zwischen 7.300 und 7.500 Euro brutto im Monat verdienen. Das trifft im Westen auf circa 11,6 Prozent der in der Statistik Erfassten zu. Im Osten sind es gerade einmal 4,8 Prozent, in Sachsen-Anhalt 4,2 Prozent.
Es hat derweil wahlkampftaktische Gründe, dass Die Linke die Daten nutzt, um Sachsen-Anhalt in den Fokus zu rücken. Die Partei ist bemüht, vor den Landtagswahlen – bei denen die AfD voraussichtlich stärkste Kraft werden wird – ihr sozialpolitisches Profil zu schärfen. Die AfD-Spitze wiederum setzt aufs Menscheln vor Ort und ist auf großer Rundtour durchs Land, während die Landes-CDU unter ihrem neuen Chef Sven Schulze abermals einen kräftigen Rechtsdrall bekommen hat. Eine etwaige Landesregierungsbeteiligung von Die Linke, und sei es nur als Mehrheitenbeschaffer der »bürgerlichen Mitte«, scheint unter diesen Bedingungen eher unwahrscheinlich.
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