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Straße von Hormus wieder geschlossen
Iran-Krieg: Washington bombardiert Militärstellungen und Hinterland, Teheran antwortet mit Angriffen auf US-Basen
Am Montag haben die Iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben US-amerikanische Einrichtungen in Bahrain und Kuwait angegriffen. Sie zerstörten Radaranlagen in Oman und trafen Treibstofftanks sowie Munitionsdepots auf dem Prinz-Hassan-Stützpunkt in Jordanien – die jüngste Antwort auf eine weitere US-Angriffswelle. In der Nacht zuvor waren erneut Explosionen bei Bandar Abbas und auf der Insel Keschm zu hören gewesen. Iran erklärte die Straße von Hormus zum wiederholten Mal für gesperrt, während Washington das Gegenteil behauptet.
Betroffen von den jüngsten iranischen Vergeltungsschlägen sind inzwischen sechs Staaten der Region: Bahrain, Kuwait, Jordanien, Katar und Oman wurden ebenso angegriffen wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die zuletzt seit Anfang Mai verschont geblieben waren. Auffällig ist jedoch, dass Saudi-Arabien bislang ausgespart bleibt – trotz der dortigen US-Militärpräsenz und seiner strategischen Bedeutung am Golf. Von einem Wiederausbruch des Krieges zu sprechen trifft die Lage dennoch nur bedingt. Der Ende Februar begonnene Konflikt zwischen den USA und Iran war nie wirklich beendet worden, sondern hatte lediglich die Intensität gewechselt.
Die jüngste Angriffswelle unterscheidet sich allerdings deutlich vom Vorgehen zu Beginn des Krieges. Nach der Tötung der iranischen Führungsspitze am 28. Februar hatten die USA ihren Beschuss der Rüstungsindustrie ausgeweitet, während Israel ab Mitte März zusätzlich Irans Energie- und Petrochemieinfrastruktur traf, darunter das Gasfeld South Pars. Die aktuellen Angriffe richten sich dagegen vor allem gegen Küstenradar, Marineeinheiten, Raketen- und Drohnenstellungen sowie militärische Logistik entlang der Straße von Hormus. Allerdings bleibt es nicht bei diesem engen Zielspektrum: Aufnahmen von US-Angriffen auf eine Start- und Landebahn sowie Eisenbahnbrücken deuten auf eine erste Ausweitung auf den zivilen Hinterlandverkehr hin, berichtet die Agentur AP. Auch Strom- und Hafeninfrastruktur in mehreren Küstenstädten seien in Mitleidenschaft gezogen worden, schreibt Reuters unter Berufung auf lokale Quellen. Ein gezielter Angriff auf das Kernkraftwerk Buschehr, wie ihn iranische Stellen behaupten, ließ sich bislang nicht bestätigen.
Dass das Vorgehen derzeit in eher engem Rahmen verbleibt, dürfte auch mit den Mitteln zu tun haben, die den USA noch zur Verfügung stehen. Bis zum Ende der ersten Kampfphase im April hatte das Pentagon nach einer Analyse des Centers for Strategic and International Studies mindestens die Hälfte seiner THAAD-Abfangraketen, knapp die Hälfte seiner »Patriots« und rund 30 Prozent seiner »Tomahawk«-Marschflugkörper verschossen. CNN bestätigte diese Zahlen über interne Verteidigungsministeriumsquellen. Die Nachschubraten liegen bei etwa 15 neuen »Tomahawks« und 20 »Patriot«-Raketen monatlich, THAAD-Lieferungen sind für dieses Jahr nicht vorgesehen. Die Wiederherstellung der Vorkriegsbestände dürfte drei Jahre oder länger dauern.
Iran hingegen setzt auf eine grundsätzlich andere Logik: Drohnen, Kurzstreckenraketen, Seeminen oder kleine Schnellboote lassen sich seriell und vergleichsweise billig fertigen und sind damit nicht in derselben Weise erschöpfbar wie die teuren, langwierig nachproduzierten Präzisionssysteme der USA. Die US-Bestände an Abfangraketen und Marschflugkörpern geraten damit zunehmend unter Druck. Hält der Konflikt an, dürfte Washington seine Zielauswahl weiter verengen oder auf andere Operationsformen ausweichen. Dazu könnten auch Bodenoperationen gehören. Ob die US-Streitkräfte gegen einen Gegner, der selbst als Vorreiter dezentraler Wirkmittelkriegführung gilt, dafür ausreichend vorbereitet wären, ist allerdings fraglich.
Wie stark die Straße von Hormus von den jüngsten Ereignissen tatsächlich beeinträchtigt ist, zeigen Schiffstrackingdaten deutlicher als die offiziellen Erklärungen beider Seiten. Am Sonntag durchquerten nach Daten des Anbieters Kpler nur sechs Schiffe die Wasserstraße – der niedrigste Wert seit fünf Wochen und ein Bruchteil der rund 130 Schiffe, die vor Kriegsbeginn dort täglich verkehrten. Der Iran-Krieg treibt die Preise: Brent-Rohöl kletterte am Montag um 4,3 Prozent auf 79,31 US-Dollar je Barrel, bleibt damit aber noch unter den Höchstständen früherer Kriegsphasen, wie Reuters vermerkt.
Dass sich daran bald etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Teheran macht Washington für den Bruch des Memorandums vom Juni verantwortlich und erklärt, die eigenen Zusagen nie zuerst verletzt zu haben. Solange die USA ihre Verpflichtungen nicht erfüllten, fühle sich auch Iran nicht länger an die Vereinbarung gebunden. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb dazu auf X: »Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei.«
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