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Südkorea

Trouble in Paradise

Auf Südkoreas beliebter Ferieninsel Jeju halten die Proteste gegen die Rüstungsunternehmen des Hanwha-Konzerns sowie Umweltverschmutzung und schleichende Militarisierung an

Foto: Yonhap/NewsNewscom/IMAGO
Proteste gegen Militarisierung gibt es auf der südkoreanischen Insel Jeju seit über zehn Jahren (Gangjeong, 10.5.2013)

Bekanntlich ist des einen Freud des anderen Leid. Das trifft seit Jahren erst recht auf Südkoreas südlichster Insel Jeju zu. Das subtropische Eiland mit einer Fläche von insgesamt 1.850 Quadratkilometern liegt etwa 90 Kilometer südlich der Koreanischen Halbinsel – inmitten einer Meerenge am Ausgang der Koreastraße, welche ins Ostchinesische Meer führt. Gemeinsam mit einigen kleineren Inseln bildet Jeju eine eigene Provinz namens Jeju-do. Besonders geschätzt ist diese unter in- wie ausländischen Touristen als beliebter Hort für Flitterwochen. Nach Feiern und Genießen steht der lokalen Bevölkerung der Dörfer Gangjeong, dessen Hafen als UNESCO-Biosphärenreservat bekannt ist, und Daepo, das mit spektakulären vulkanischen Felsformationen lockt, allerdings nicht der Sinn.

Ausgerechnet in dieser Region an der malerischen Südküste befindet sich ein Marinestützpunkt des südkoreanischen Militärs, der offiziell den Namen Jeju Civilian-Military Complex führt. Die nach jahrelangen Protesten im Jahr 2016 in Betrieb genommene Basis bleibt umstritten wie eh und je. Der rund 480.000 Quadratmeter große Hafen bietet Platz für Kriegsschiffe und Kreuzfahrtschiffe. Aufgrund der strategischen Lage im Ostchinesischen Meer ist der Stützpunkt geopolitisch von großer Bedeutung.

Am 30. Juni versuchten das Militär und Hanwha Aerospace vor der Küste von Seogwipo, wo die Dörfer Gangjeong und Daepo liegen, den vierten Test einer Feststoffträgerrakete durchzuführen, mussten diesen jedoch letztlich aus technischen Gründen absagen. Dies geschah weniger als einen Monat nach einer weiteren Explosion bei Hanwha Aerospace in der zentralkoreanischen Stadt Daejeon, bei der am 1. Juni mindestens fünf Menschen starben und weitere zwei Personen schwer verletzt wurden.

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Die Luft- und Raumfahrtfirma mit Forschungs- und Entwicklungscampus in Daejeon gilt als zentral für die koreanische Rüstungsindustrie. Laut Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap werden in dieser strategisch bedeutsamsten Anlage der landesweiten Rüstungsindustrie unter anderem Raketentriebwerke entwickelt und entsprechender Treibstoff hergestellt. In derselben Anlage kam es bereits in den vergangenen Jahren zweimal zu Explosionen. Im Mai 2018 starben dabei fünf Menschen, im Februar 2019 waren es drei. Genau wie die beiden vergangenen Unfälle soll sich die jüngste Explosion im Zusammenhang mit Arbeitsprozessen während Reinigungsarbeiten von Werkzeugen für Raketentreibstoffe ereignet haben.

Eine Untersuchung der Ursache der Explosion in Daejeon hat ergeben, dass unter anderem die Forderungen der Beschäftigten nach verbesserten Arbeitsbedingungen konsequent ignoriert wurden. Darüber hinaus soll es sich bei dem Gebäude 56 – der Reinigungsanlage für Sprengstoffe, in der sich die Tragödie ereignete – um ein nicht genehmigtes Bauwerk gehandelt haben.

Seit Jahren beklagen die Bewohner von Gangjeong und Daepo die ihrer Meinung nach menschenrechts- und lebensfeindlichen Praktiken von Hanwha. Unterstützt werden sie in ihrer Kritik von in- wie ausländischen Bürgerrechtlern und Umweltaktivisten sowie vom regionalen Ableger der liberal-progressiven Jeongui-dang (Gerechtigkeitspartei). Mit Ausnahme der Fischereigenossenschaften, die ihren Betrieb einstellen mussten, wurden auch im Juni die meisten Bewohner der Dörfer, in denen jeweils die Tests der Feststoffträgerraketen stattfanden, nicht im voraus informiert. Den Einwohnern war nicht einmal bewusst, dass es sich bei einem im Meer schwimmenden Objekt um eine Startrampe handelte, die von der Firma Hanwha Ocean aufgebaut worden war.

Am 6. Mai trafen sich dagegen drei Hanwha-Tochtergesellschaften mit Admiral Harry B. Harris jr. – von Mai 2015 bis Mai 2018 Befehlshaber des U. S. Indo-Pacific Command (heute nur U. S. Pacific Command genannt) – auf Hawaii, um zu betonen, dass das Bündnis zwischen Südkorea und den USA der Eckpfeiler der Hanwha-Rüstungsindustrie ist. Das Jeju-Weltraumzentrum, welches Hanwha im vergangenen Dezember in der Grundwassersonderverwaltungszone im mittleren Berggebiet von Jeju errichtet hat, verschmutzt währenddessen zunehmend das Trink- und Bewässerungswasser, das die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung darstellt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.07.2026, Seite 6, Ausland

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