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Iran-Krieg

Kein Standpunkt der Schwäche

Iran und USA einigen sich auf einen Fahrplan für ein Abschlussabkommen. Teheran weiter in starker Position

Foto: Nathan Howard/REUTERS/Pool
Historische Begegnung, historisches Foto: Irans Außenminister Araghtschi mit Jared Kushner und J. D. Vance (Luzern, 21.6.2026)

Ein kurzer Videoclip zeigt eine historische Szene: Irans Außenminister Abbas Araghtschi und US-Vizepräsident J. D. Vance nebeneinander im Hotelresort hoch über dem Vierwaldstättersee. Diplomaten beider Länder hatten sich schon früher getroffen, auch vor Kameras, etwa bei den Atomverhandlungen von 2015. Auf Vizepräsidentenebene jedoch noch nie. In der Schweiz verhandelten nun die Vertreter zweier Staaten, die sich vor wenigen Wochen noch offiziell miteinander im Krieg befanden – 18 Stunden lang.

Mitten in die Gespräche platzte der US-Präsident, ohne selbst am Verhandlungstisch zu sitzen. Auf seiner Plattform »Truth Social« forderte Donald Trump Teheran auf, seine »hochbezahlten Stellvertreter« in Libanon umgehend zur Ruhe zu bringen – andernfalls werde er Iran erneut treffen, härter als noch in der Vorwoche. Die Drohung brachte das vierseitige Treffen mit Pakistan und Katar zeitweise zum Stillstand; die iranische Delegation verweigerte zunächst die Fortsetzung im Viererformat und verhandelte nur noch über die Vermittler weiter.

Am Ende stand dennoch ein Fahrplan: ein hochrangiges Komitee zur politischen Aufsicht, Arbeitsgruppen zu Sanktionen und zur Nuklearfrage, eine Koordinierungsstelle für Libanon. Und vor allem: Kommunikation über die Straße von Hormus, um eine sichere Schiffahrt durch die Meerenge zu gewährleisten. Sechzig Tage, so der Plan, bleiben den Unterhändlern bis zu einem Abschlussabkommen, das auf das am 14. Juni unterzeichnete Memorandum von Islamabad aufbauen soll. Am Montag erklärte Vance außerdem vor seiner Rückreise, Iran habe zugestimmt, wieder Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land zu lassen.

Doch hinter der diplomatischen Dramaturgie stand die eigentliche Frage des Wochenendes: Verhandelt Iran aus Schwäche – oder aus einer Position heraus, die trotz Blockade und Krieg noch immer eine der Stärke ist?

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Wie ernst die Lage für Teheran tatsächlich ist, lässt sich an wenigen Zahlen ablesen: Fast neunzig Prozent der iranischen Deviseneinnahmen stammen aus dem Erdölsektor. Wer den Ölexport unterbindet, so die Logik des Weißen Hauses, trocknet die Fähigkeit des Landes aus, Importe zu bezahlen, die Währung zu stützen und den Krieg zu finanzieren. Tatsächlich sind die iranischen Ausfuhren eingebrochen: von knapp 1,9 Millionen Barrel täglich im März auf zuletzt unter 260.000 Barrel im Mai, wie Daten der Tankerverfolger Kpler und Vortexa zeigen, die Reuters ausgewertet hat.

Was diese Zahl aber verschleiert, ist ihr Gewicht innerhalb der iranischen Gesamtwirtschaft. Der Ölsektor mag den größten Teil der Devisen liefern, trägt nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber weniger als ein Drittel zur eigentlichen Wirtschaftsleistung des Landes bei. Hinzu kommt eine Lagerkapazität, die nach Einschätzung von Analysten größer ist, als noch vor wenigen Wochen kalkuliert wurde. Die US-amerikanische Blockade trifft damit nicht das Rückgrat der iranischen Ökonomie, sondern vor allem ihre externe Finanzierung – und ein Land, das diesen Druck für eine gewisse Zeit aus Reserven abfedern kann.

Auch Chinas Importe von iranischem Rohöl sind auf rund 1,1 Millionen Barrel täglich im Mai gefallen – der niedrigste Stand seit Januar 2025. Beijing agiert dabei diplomatisch zurückhaltend: Außenamtssprecher Lin Jian forderte lediglich eine »frühe Wiederaufnahme sicherer und freier Passage« durch die Straße von Hormus, eine Formel ohne Parteinahme.

Dennoch nehmen die kleinen chinesischen »Teapot«-Raffinerien laut US-Finanzministerium rund neunzig Prozent der iranischen Ölexporte auf – sie werden über eine »Schattenflotte« sanktionierter Tanker versorgt. Washington sanktionierte im April mit Hengli Petrochemical eine der größten dieser Raffinerien, ohne das System zu unterbrechen. Im Mai und Juni trafen weitere Sanktionen Firmen aus China und Hongkong, die laut Washington Raketen- und Drohnenkomponenten für die Revolutionsgarden beschafften sowie Zahlungswege bereitstellten. Beijing weist die Vorwürfe zurück. Belegt ist damit keine offene chinesische Aufrüstung Irans, wohl aber ein Geflecht aus Handels- und Beschaffungskanälen, das die US-Blockadestrategie unterläuft.

Die Blockade trifft Iran also, ohne das Land in die Knie zu zwingen – weder ökonomisch noch militärisch: Teherans Spielraum bleibt erheblich.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.06.2026, Seite 7, Ausland

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