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Politische Debatte

Blindheit und Einsicht

Kuba-Debatte »In Wartestellung« in der Berliner Taz-Kantine: Von der US-Blockade ist kaum die Rede

Foto: Jorje Luis Banos/AP Photo/dpa
Havanna, 17.Juni 2026

Cuba sí‹ hasst uns, die junge Welt sowieso« – mit dieser Bemerkung eröffnete Taz-Redakteur Bernd Pickert die Diskussion. Unter dem Titel »In Wartestellung« hatte die Taz-»Panterstiftung« am vergangenen Donnerstag zunächst zu einem Theatermonolog eingeladen, anschließend debattierten kubanische Journalisten über die aktuelle Lage und mögliche Perspektiven Kubas. Das Podium übte dabei vor allem Fundamentalkritik an der kubanischen Regierung und am sozialistischen System. Die Rolle Washingtons und die Blockadepolitik wurden nur am Rande erwähnt.

Die Theaterregisseurin Roxana Pineda konnte, anders als ursprünglich angekündigt, aus privaten Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Nach der Vorführung eines kurzen Ausschnitts aus einem ihrer Theaterstücke begann die Podiumsdiskussion. Zu Gast waren die im Exil lebenden kubanischen Journalisten Cynthia de la Cantera und Mauricio Mendoza sowie der Schriftsteller Amir Valle. Gesprächspartner, die aktuell in Kuba leben, waren hingegen nicht eingeladen.

»Jetzt kann man tatsächlich von einer Blockade sprechen«, startete Pickert die Runde. Vor dem Ölembargo der Trump-Regierung habe das ja nur die kubanische Regierung gemacht. Nach wenigen Minuten wurde das Thema dann ausgeklammert, und die Runde ging zu einer ausführlichen Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse auf Kuba über, für die sie ausschließlich die Regierung in Havanna verantwortlich machte. Die Krankenhäuser seien marode, da die Regierung nur in Hotels investiere. Gute Bildung in Kuba, das sei wiederum eine Propagandalüge der kommunistischen Partei.

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Ein besonders prägnantes Problem sei die verstärkte Polarisierung, erklärte de la Cantera. Die kubanische Bevölkerung sei aufgrund fortschreitender Privatisierungen zunehmender Ungleichheit ausgesetzt. Die gegenwärtigen Reformen ermöglichten der kubanischen Regierung, selbst als Kapitalist aufzutreten und sich noch stärker zu bereichern. Gleichzeitig war sich die Runde einig, dass die Regierung gestürzt und das sozialistische System zu Fall gebracht werden müsse.

Gegen Ende der Veranstaltung weitete sich die Diskussion zu einem Rundumschlag aus. Auf dem Podium hieß es, große Teile der kubanischen Bevölkerung seien zu »blind«, um sich gegen die Regierung zu erheben. Ebenso scharf fiel die Kritik an Solidaritätsorganisationen aus; diese wurden als »nützliche Idioten« bezeichnet.

Für unabhängige Journalisten sei die Lage in Kuba schwer geworden. Mitte der 2010er Jahre seien einige von ihnen noch durch US-Medien wie die Washington Post unterstützt worden, berichteten die Gäste. Unkommentiert blieb jedoch die Frage, wie unabhängig Medienakteure tatsächlich sein können, wenn ihre Finanzierung maßgeblich von einer fremden Regierung abhängt, die dem eigenen Land mit einer gewaltsamen Übernahme droht.

Die angekündigte Debatte über Kubas Zukunft blieb weitgehend auf die Perspektive des Exils beschränkt. Die Auswirkungen der US-Blockade wurden entsprechend als Propagandalüge der kubanischen Regierung und ihrer »nützlichen Idioten« hingestellt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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