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Libanon

Israel will nicht aufhören

Trotz Warnung aus Iran greifen die Besatzer die südlibanesische Stadt Tyros an. Dabei sollen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran kurz vor Ende stehen

Foto: Kawant Haju/AFP
Der vorgebliche Krieg Israels gegen die Hisbollah trifft am Dienstag die antike Hafenstadt Tyros

Washingtons kleiner Partner muckt auf: Nachdem Iran und Israel am Montag nachmittag ihren kurzen militärischen Schlagabtausch auf Drängen von US-Präsident Donald Trump beendet hatten, erklärte der israelische Kriegsminister Israel Katz unverdrossen, dass seine Armee »weiterhin im Libanon gegen die Terrororganisation Hisbollah vorgehen« wird. Jeder Versuch Teherans, »eine Verbindung zwischen dem Libanon und dem Iran herzustellen, um Israel anzugreifen, wird eine äußerst entschlossene Reaktion nach sich ziehen«, so Katz. Israel weise »die Drohungen des Iran entschieden zurück«. Premier Benjamin Netanjahu legte am Abend nach und behauptete, Iran und die Hisbollah seien schwächer denn je und hätten in den vergangenen 24 Stunden versucht, Israel eine »neue Gleichung« aufzuzwingen. Der Konflikt mit beiden sei noch nicht beendet, und sollte der Iran einen Fehler begehen und Israel erneut angreifen, werde man mit aller Härte reagieren, drohte Netanjahu.

Zuvor hatte die iranische Führung noch »härtere und vernichtendere Maßnahmen« angekündigt, sollten die Angriffe auf Libanon fortgesetzt werden. Der erste Angriff Irans auf israelisches Territorium seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 8. April war am Sonntag in Reaktion auf die Bombardierung des Beiruter Stadtteils Dahija erfolgt, eines dichtbesiedelten Viertels der Hauptstadt, das von Israel als Hochburg der Hisbollah geframed wird.

Schon am Montag abend folgte die Aufforderung des israelischen Militärs zur »Evakuierung« von Teilen der antiken Stadt Tyros im Süden des Libanon, die seit 1984 als UNESCO-Welterbe anerkannt ist. Festgehalten ist dort, dass Tyros, »die große phönizische Stadt« war, »die über die Meere herrschte und blühende Kolonien wie Cádiz und Karthago gründete«. Am Dienstag morgen wurden dann erstmals alle 200.000 Einwohner der drittgrößten libanesischen Stadt von den israelischen Besatzungstruppen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Explizit galt die Evakuierungsaufforderung dieses Mal auch für das christliche Viertel. Vergangene Woche hatte die Armee behauptet, dass sich dort Dutzende Hisbollah-Kämpfer versteckten. Ein Luftangriff tötete nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut jedoch schon vor der Warnung mindestens acht Menschen und verletzte 32 weitere. Bei dem Einschlag nahe einem Rotkreuz-Zentrum seien auch vier Sanitäter verletzt worden.

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Es sei einer der folgenschwersten israelischen Angriffe auf Tyros seit dem 2. März, als die Hisbollah in Unterstützung des attackierten Iran in den Krieg gegen Israel eintrat, hieß es weiter. Seither sind insgesamt mehr als 3.600 Menschen im Libanon getötet worden und über eine Million Libanesen auf der Flucht. Allein seit der von den USA vermittelten Waffenruhe am 16. April hat Israels Militär nach libanesischen Angaben fast 3.500 Angriffe gegen das Land geflogen. Schon am Montag wurde auch das geschützte Weltkulturerbe getroffen, wie das Kulturministerium am Dienstag mitteilte. Beschädigt worden seien dabei archäologische Elemente wie antike Säulen und Kapitelle.

Parallel zur Eskalation seitens der israelischen Führung haben sowohl Trump als auch Pakistans Vermittler kolportiert, Teheran und Washington stünden kurz vor einer Einigung – ebenso wie zu Beginn des US-amerikanisch-israelischen Angriffskriegs auf Iran am 28. Februar und im Vorfeld des Zwölftagekriegs vergangenen Sommer. Trump sagte am Montag abend (Ortszeit), man befinde sich in der »Endphase« der Aushandlung dessen, »was ein sehr, sehr gutes Abkommen sein wird«. Auf die Frage, wie lange es noch dauern werde bis zur Finalisierung, antwortete er, »zwei oder drei Tage«. Auch Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif erklärte, dass ein Abkommen »kurz vor dem Abschluss« stand, als Israel mit dem Beschuss von Beirut am Sonntag die jüngste Verschärfung im Konflikt mit Iran befeuerte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.06.2026, Seite 1, Titel

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