-
15.05.2026
- → Titel
Diplomatie unter Bomben
Libanon: Neue Runde von Verhandlungen mit Israel , das trotz »Waffenruhe« das Land in Schutt und Asche legt
Vor dem Hintergrund heftiger Angriffe auf die libanesische Bevölkerung, Infrastruktur und Lebensgrundlagen haben sich am Donnerstag zum dritten Mal Botschafter aus Israel und Libanon in den USA unter dem Dach des Weißen Hauses in Washington, D. C., getroffen. Die Zusammenkunft soll zwei Tage dauern. Die Initiative zu den Treffen geht von der US-Regierung aus. US-Präsident Donald Trump möchte so auch Fortschritte bei den festgefahrenen Gesprächen zwischen den USA und Iran erzielen.
Denn Iran hat deutlich gemacht, dass ein Waffenstillstand und Rückzug der israelischen Angriffs- und Besatzungstruppen aus dem Libanon integraler Bestandteil einer Lösung am Persischen Golf sein muss. In der allgemeinen Wahrnehmung will Iran damit die libanesische Hisbollah unterstützen, die angeblich als Irans Stellvertreter im Libanon operiert. Im Libanon wird die Hisbollah, auch Widerstand genannt, von einem großen Teil der Bevölkerung als die einzige Kraft gesehen, die den israelischen Angriffs- und Besatzungstruppen etwas entgegensetzen kann.
Die dritte libanesisch-israelische Gesprächsrunde in Washington könnte eine Verlängerung des Zustandes bringen, der offiziell als »Waffenruhe« bezeichnet wird und von Trump in der Nacht zum 17. April für drei Wochen ausgerufen worden war. Libanon fordert den vollständigen Abzug der israelischen Armee von libanesischem Territorium, die Freilassung aller libanesischen Gefangenen und von Israel verschleppten Personen sowie einen vollständigen und dauerhaften Waffenstillstand. Die Argumentation der Regierung in Beirut besagt, dass nur mit einem Waffenstillstand die Bedingungen für eine Entwaffnung der Hisbollah gewährleistet werden könnten.
Israel begründet seine militärischen Angriffe auf Libanon mit der Präsenz der Hisbollah und fordert deren vollständige Entwaffnung. Israel wolle dem Libanon helfen, sich von der »Terrororganisation« Hisbollah zu befreien, man verfolge die gleichen Ziele, erklärte unter anderem der israelische Außenminister Gideon Saar. Die israelischen Angriffe zielten ausschließlich auf die Infrastruktur der Hisbollah, Zivilisten würden immer gewarnt, so ein Sprecher der israelischen Armee, die sich als »moralischste Armee der Welt« bezeichnet.
Die libanesische Tageszeitung L’Orient Today – Le Jour hat in der Zeit zwischen dem 2. März und 16. April ganze 3.555 israelische Luftangriffe mit Drohnen und Kampfjets gezählt. Nicht einbezogen in die Rechnung sind Artillerieangriffe und die Zerstörung von Häusern und ziviler Infrastruktur. Im gleichen Zeitraum wurden lediglich 152 Evakuierungswarnungen gezählt, die nach Mitternacht an Mobiltelefone per Messengerdienst verschickt wurden. Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung vor allem in ländlichen Gebieten hat dazu keinen Zugang.
Kurz vor Ablauf der dreiwöchigen »Waffenruhe« hat die israelische Armee ihre gezielten Angriffe auf die Bevölkerung am Wochenende verschärft. Zum Einsatz kommen vor allem Drohnen, die Menschen töten, egal, ob sie in Fahrzeugen oder zu Fuß unterwegs sind oder sich zu Hause aufhalten. In Arab Salim im Distrikt Nabatija wurden am Mittwoch sieben Angehörige einer Familie in ihrer Wohnung in einem dreistöckigen Haus getötet. In Rumin (Nabatija) wurde ein Mann mit seinen zwei Kindern getötet, in Nmaira (Sidon) wurden zwei Schwestern und eine weitere Person getötet. Auf der vielbefahrenen Schnellstraße zwischen Beirut und Sidon wurden am Mittwoch zwölf Personen in ihren Fahrzeugen von Drohnen getötet, darunter auch zwei Kinder. Seit Anfang der vergangenen Woche wurden bei Drohnenangriffen libanesische Soldaten, Brotverkäufer, die ihre Ware ausfuhren, und Rettungssanitäter getötet, als diese selbst Opfern israelischer Attacken zu Hilfe kommen wollten.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!