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Guterres in Port-au-Prince
Haiti: Nicht einmal ein Viertel der UN-Hilfen gesichert
Es mag aufrichtig gemeint gewesen sein. Aber was UN-Generalsekretär António Guterres am Dienstag bei einem Besuch in Haiti erklärte, verdreht Ross und Reiter. In einer Schule in der Hauptstadt Port-au-Prince unterhielt sich Guterres mit Frauen, die dort Schutz vor der weitverbreiteten Bandengewalt suchten. »Ich bitte Sie um Verzeihung, nicht in der Lage gewesen zu sein, die internationale Gemeinschaft zu mobilisieren«, sagte er laut Reuters. Aber: Es sind genau die Interessen der vielbeschworenen internationalen Gemeinschaft – vor allem der USA –, die Haiti in die gegenwärtige verzweifelte Situation getrieben haben.
In Haiti leben nach UN-Angaben insgesamt etwa 1,5 Millionen Binnenvertriebene, die vor der grassierenden Gewalt in der Inselrepublik geflohen sind. Haiti wird bis heute dafür bestraft, dass es die erste Kolonie überhaupt war, die die Herrschaft der europäischen Sklavenhalter mit einer Revolution überwand – gegen niemand Geringeres als das Frankreich unter Napoleon Bonaparte. Die mächtigen kriminellen Banden im Land, die in der Folge früherer Katastrophen wie des Erdbebens von 2010 aufgestiegen sind, verüben Morde, Entführungen und Vergewaltigungen und zwingen Kinder, für sie zu kämpfen.
Trotz dieser schrecklichen Lage konnte das aktuelle UN-Hilfsprogramm für Haiti mit einem Umfang von 758 Millionen Euro laut Guterres bisher nicht einmal zu einem Viertel finanziert werden. Die Folge: »Für zu viele Haitianer ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben«, sagte Guterres auf einer Pressekonferenz. Laut einem Bericht, den von der UNO beauftragte Experten im April veröffentlichten, kontrollieren Banden mittlerweile 90 Prozent des Landes. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte am Montag, seit Jahresbeginn habe es durch Bandengewalt 2.300 Tote, 1.100 Verletzte sowie 99 Entführungen gegeben.
Der UN-Sicherheitsrat hatte im September entschieden, die schlecht ausgerüstete Multinationale Sicherheitsunterstützungsmission in Haiti (MMAS) unter der Führung Kenias durch die robustere Bekämpfungseinheit FRG zu ersetzen. Das Mandat sieht bis zu 5.500 Einsatzkräfte vor, darunter anders als bei der MMAS-Mission nicht nur Polizisten, sondern auch Soldaten. Derzeit sind allerdings weniger als 1.000 Mann im Einsatz. Sie stammen aus dem Tschad, der Mongolei, Jamaika, Guatemala und El Salvador.
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