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Nahostkonflikt

Besatzer rücken vor

Libanon: Israel nimmt Beirut ins Visier und weitet Bodenoffensive aus. Verhandlungen als nutzlos entlarvt

Foto: IDF/Xinhua/imago
Besatzer posieren: Auch die Ruine der Kreuzfahrerburg Beaufort wurde von der israelischen Armee erobert (israelisches Propagandafoto, 31.5.2026)

Es ist eine neuerliche schwere Eskalation im Krieg gegen Libanon: Am Montag wies Israels Premierminister Benjamin Netanjahu seine Armee an, die dichtbesiedelten südlichen Vororte Beiruts zu bombardieren und die Bodenoffensive im Südlibanon erneut auszuweiten. Kurz nach der Ankündigung Netanjahus setzte sich eine erneute Fluchtwelle im Libanon in Gang. Auf den aus den südlichen Vororten Beiruts herausführenden Straßen stauten sich Autos. Eltern holten ihre Kinder frühzeitig aus den Schulen ab, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen.

Für das angebliche Vorgehen gegen »terroristische Ziele« hat Washington nach Angaben israelischer Medien grünes Licht gegeben. Dies wäre ein eklatanter Kurswandel, nachdem die US-Regierung seit Inkrafttreten einer seitens Tel Aviv nie eingehaltenen Waffenruhevereinbarung vom 17. April Israel zu Zurückhaltung bei Angriffen auf die libanesische Hauptstadt aufgerufen hatte.

Am Wochenende wurde der Südlibanon erneut zum Ziel zahlreicher israelischer Angriffe – allein am Sonntag rund 90, wie die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete. Betroffen gewesen seien Wohn- und Gewerbegebiete sowie eine Tankstelle. Am Sonntag nahm die Armee die strategisch bedeutende mittelalterliche Burg Beaufort (Kalaat Al-Schafik) im Südlibanon ein. Schon während der fast 20jährigen israelischen Besatzung seit Anfang der 1980er Jahre hatte das Militär die im 12. Jahrhundert errichtete Burg, von der aus weite Gebiete im Libanon sowie die Golanhöhen überblickt werden können, als Basis genutzt. Den Abzug der israelischen Truppen im Jahr 2000 hatte maßgeblich die Hisbollah erzwungen, die Beirut auf Geheiß Washingtons entwaffnen will, obwohl die libanesische Armee israelischen Angriffen und Invasionen kaum etwas entgegenzusetzen hat.

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Die Hisbollah reagierte am Wochenende auf die Intensivierung der Attacken von Seiten Tel Avivs mit neuerlichen Angriffen auf den Norden des Nachbarlands – auch auf Orte, die seit Beginn der Waffenruhe nicht zum Ziel geworden waren. Zum Einsatz kamen erneut auch per Glasfaserkabel gesteuerte Drohnen, die wegen ihrer Unempfindlichkeit gegen Störsender von Israels Armee schlecht abgefangen werden können.

Europäische Staats- und Regierungschefs verurteilten am Wochenende die fortschreitende israelische Expansion im Libanon: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, nichts rechtfertige diese Eskalation. Außenminister Jean-Noël Barrot forderte eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats für Montag ein. Auch die Außenminister Großbritanniens und Deutschlands appellierten, das Waffenruheabkommen müsse eingehalten werden.

Netanjahu, dessen Regierung ihre Großisrael-Vision immer entschlossener vorantreibt, hat das Militär längst auch den Litanifluss, der bislang eigentlich als geographische Trennlinie galt, überschreiten lassen – am Wochenende sogar bis zum rund zehn Kilometer nördlicher gelegenen Fluss Sahrani. Die Hisbollah warf der libanesischen Regierung vor, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Das »Scheitern der direkten Verhandlungsoption« – seit einigen Wochen finden in Washington Gespräche zwischen Tel Aviv und Beirut statt – sei bewiesen, so deren Abgeordneter Hassan Fadlallah am Sonnabend. Auch Parlamentspräsident Nabih Berri spricht sich scharf gegen Verhandlungen mit Israel aus, das sich an keine Abkommen halte. Beirut solle vielmehr auf den Iran setzen, der zugesagt habe, keine Übereinkunft mit Washington zu schließen, die den Libanon nicht beinhalte, wie Berri schon Anfang Mai gegenüber dem katarischen Sender Al-Dschasira betont hatte.

Am Wochenende war auch Iran erneut Angriffen ausgesetzt. Die US-Luftwaffe attackierte die Stadt Goruk und die Insel Gheschm nahe der Straße von Hormus in angeblicher »Selbstverteidigung«. Teheran reagierte mit einem Gegenschlag auf einen US-Stützpunkt in Kuwait, der für die Angriffe genutzt worden sei.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 1, Titel

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