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Aus: Ausgabe vom 04.03.2026, Seite 7 / Ausland
Nahostkonflikt

Knapp 800 Tote in Iran

Teheran reagiert auf den Überfall der USA und Israels mit anhaltenden Angriffen in der Golfregion. Den Aggressoren gehen die Raketen aus
Von Lars Lange
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Binnen weniger Tage wurde die Ölproduktion am Golf schwer in Mitleidenschaft gezogen (Fudschaira, 3.3.2026)

Die Begründung für den US-Angriff auf Iran hat sich am Montag nochmals geändert. US-Außenminister Marco Rubio behauptete in Washington, man habe gewusst, dass Israel eine Aktion gegen Iran geplant habe und dass dies Angriffe auf US-Streitkräfte nach sich ziehen werde. Deshalb habe man präventiv gehandelt, um höhere Verluste zu vermeiden. Schon Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte den Angriffskrieg als Präventivschlag bezeichnet. US-Geheimdienstbriefings hatten jedoch laut AP keinen Hinweis auf einen geplanten iranischen Erstschlag gegen die USA ergeben. Dennoch hatte auch US-Präsident Donald Trump am Sonnabend von einer »unmittelbaren Bedrohung« gesprochen. Iran seinerseits bezeichnete den Angriff als unprovoziert, zumal er – wie schon die Bombardements im Juni – mitten in laufenden Nuklearverhandlungen zwischen Washington und Teheran erfolgte.

Der iranische Rote Halbmond meldete bislang mindestens 787 Tote. Zu den zuletzt bestätigten Angriffszielen zählen Einrichtungen der Revolutionsgarden und der Basidsch-Miliz sowie Luftabwehrsysteme. Von den Aggressoren veröffentlichte Videos zeigen allerdings bislang nur einzelne zerstörte Startgeräte für Flugabwehr- und ballistische Raketen. Zudem seien mehrere iranische Kriegsschiffe versenkt worden, teilte das israelische Militär mit. Die Internationale Atombehörde (IAEA) bestätigte Schäden an den Eingängen der Urananlage Natans.

Auch das Motahari-Krankenhaus in Teheran wurde nach iranischen Angaben beschossen. Aus den Städten Karadsch und Isfahan wurden weitere Explosionen gemeldet. Die israelische Armee erklärte, die Zentrale des staatlichen Rundfunks IRIB in Teheran »zerstört« zu haben. Das Militär begründete dies damit, dass der Sender zur Vernichtung des Staates Israel und zum Einsatz von Atomwaffen aufrufe. IRIB selbst meldete über Telegram Explosionen in der Nähe seines Hauptquartiers, betonte jedoch, der Sendebetrieb sei nicht unterbrochen worden. Die Angriffe treffen also neben militärischen auch zivile Ziele. Ihre Auswahl – darunter Einrichtungen der inneren Sicherheitsarchitektur – legt nahe, dass neben der Erzeugung militärischen Drucks auch politische Strukturen geschwächt werden sollen.

Iranische Drohnen und Raketen schlugen in der US-Botschaft in Riad sowie in US-Militärstützpunkten in Bahrain und Kuwait ein. Das Ölterminal von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde beschädigt, der Betrieb gestoppt. An der Raffinerie Ras Tanura in Saudi-Arabien brach Feuer aus. Eine iranische Drohne traf die Startbahn eines britischen Stützpunkts auf Zypern. Aus Bahrain und Katar wurden Explosionen gemeldet. Anlagen in Tel Aviv und weiteren Teilen Israels wurden ebenfalls angegriffen. Katars Luftwaffe schoss nach eigenen Angaben zwei iranische Su-24-Kampfjets ab, die sich dem Luftraum des Landes genähert hätten.

Die iranischen Operationen zehren an westlichen Abfangraketenbeständen. Rubio bezifferte das Missverhältnis am Montag öffentlich: Iran produziere mehr als 100 Angriffsraketen monatlich. Dem stünden lediglich sechs bis sieben westliche Abfangraketen gegenüber. Tatsächlich liefert Lockheed Martin bereits 650 »Patriot«-Raketen jährlich – Gespräche über eine Steigerung auf bis zu 2.000 Einheiten laufen. Die Golfstaaten haben zudem das europäische System SAMP/T angefragt – Italien, das es bereits der Ukraine liefert, erklärte die Verfügbarkeit allerdings für begrenzt. Laut der Infoseite Middle East Eye können die USA Raketenbestellungen für die Luftwaffe diverser Golfstaaten nicht nachkommen.

Der Krieg greift auf Libanon über: Die Hisbollah feuerte Raketen und Drohnen auf israelische Militärziele, darunter den Luftwaffenstützpunkt »Ramat David«. Die israelischen Streitkräfte antworteten mit schweren Luftangriffen auf Beirut und den Südlibanon, bei denen nach Angaben libanesischer Medien allein am Montag mindestens 52 Menschen getötet und 154 verletzt wurden. Die israelische Armee gab an, den Chef des Hisbollah-Geheimdienstes sowie einen Vertreter der iranischen »Kuds-Einheiten« in Beirut getötet zu haben. Israelische Bodentruppen rückten in den Südlibanon vor, die libanesische Armee zog sich aus Grenzpositionen zurück. Die Regierung in Beirut verhängte ein sofortiges Verbot militärischer Aktivitäten über die Hisbollah. Präsident Joseph Aoun nannte den Beschluss unumkehrbar und forderte die Übergabe der Waffen. Die Hisbollah wies das Verbot zurück und gab an, angesichts der fortgesetzten israelischen Angriffe keinen Grund zur Entwaffnung zu sehen.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred P. aus Hamburg (4. März 2026 um 16:25 Uhr)
    Europäer, lernt Spanisch! Das Beispiel der aktuellen spanischen Außenpolitik demonstriert, wie es sich zu verhalten gilt, wenn man nicht Teil eines Problems, sondern zu seiner Lösung etwas beitragen will. Auch wenn es richtig ist zu vermuten, dass der Krieg gegen den Iran sich ganz wesentlich gegen die Ölzufuhr nach China richten soll und Israel dabei zur mächtigsten US-Militärbasis im Nahen Osten ausgebaut wird, sollten wir nicht vergessen, dass Europa (unter Einbeziehung Russlands) immer noch eine Schlüsselrolle im Kampf der Ideologien spielt und vom Hegemon entsprechend instrumentalisiert wird. Die Merz, Starmers und Macrons dürfen dann ab und zu vom Chef ins Oval Office eingeladen werden und sich vom neuen Ballsaal oder den schönen Vorhängen beeindrucken lassen. Das geht dann so lange, bis auch der letzte Europäer, die letzte Europäerin von der heiligen Mission des heiligen Donald überzeugt ist. Von den Kommandeuren der USA wird es den Soldaten mit auf den Weg gegeben. Ein Unteroffizier berichtet: »Er (der Kommandeur) forderte uns auf, unseren Truppen zu vermitteln, dass dies alles Teil von Gottes himmlischem Plan sei, und bezog sich dabei ausdrücklich auf zahlreiche Stellen aus der Offenbarung des Johannes, die sich auf Armageddon u. die bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi beziehen. Präsident Trump sei von Jesus selbst auserwählt worden, im Iran das Signalfeuer zu entzünden, um Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde anzukündigen.« (t-online 04.03.26) Harry Belafonte benannte im Interview mit G.Amendt Europa als den wichtigsten Ort, um den es gehe: »Hier ist es, wo die größten Lügen erzählt werden. Denn die Reaktion wird Europa benutzen, um ihre unheilvollen Absichten zu verwirklichen. Hier will sie testen, ob sie fähig ist zu gewinnen... Wenn ich Europäer wäre, würde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen gegen das, was Trump* ankündigt. Ich würde auf jeden Fall meine Stimme erheben.« (Konkret Lit.Verlag 1982 -*natürlich auf Reagan bezogen) Amen.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (4. März 2026 um 11:38 Uhr)
    Iran kämpft am Persischen Golf in seinem eigenen strategischen Umfeld – die USA und Israel operieren dort nur mit vorgelagerten Kräften und sind auf Partner angewiesen. Teherans aktuelle Strategie scheint darauf abzuzielen, genau diese Partner – die Golfstaaten – in den Konflikt hineinzuziehen. Angriffe auf Energieinfrastruktur und Militärbasen erzeugen Panik, treiben Versicherungsprämien in die Höhe und lassen Ölpreise steigen. Der wirtschaftliche Druck wirkt global – und möglicherweise stärker als einzelne militärische Erfolge. Gleichzeitig ist der Ressourcenverbrauch enorm. Jede abgefangene Rakete kostet ein Vielfaches dessen, was der Angreifer investiert. Westliche Luftabwehrsysteme sind durch mehrere Konflikte bereits stark beansprucht. Selbst wenn die USA und Israel kurzfristig hohe Schlagkraft entfalten können, bleibt die entscheidende Frage: Wie lange lässt sich dieses Tempo logistisch, industriell und politisch durchhalten? Am Ende könnte nicht die militärische Überlegenheit entscheiden, sondern die Ausdauer im Abnutzungskrieg.
    • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (4. März 2026 um 14:52 Uhr)
      Und schließlich stellt sich die Frage: Wer wird das wohl alles bezahlen?

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