Knapp 800 Tote in Iran
Von Lars Lange
Die Begründung für den US-Angriff auf Iran hat sich am Montag nochmals geändert. US-Außenminister Marco Rubio behauptete in Washington, man habe gewusst, dass Israel eine Aktion gegen Iran geplant habe und dass dies Angriffe auf US-Streitkräfte nach sich ziehen werde. Deshalb habe man präventiv gehandelt, um höhere Verluste zu vermeiden. Schon Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte den Angriffskrieg als Präventivschlag bezeichnet. US-Geheimdienstbriefings hatten jedoch laut AP keinen Hinweis auf einen geplanten iranischen Erstschlag gegen die USA ergeben. Dennoch hatte auch US-Präsident Donald Trump am Sonnabend von einer »unmittelbaren Bedrohung« gesprochen. Iran seinerseits bezeichnete den Angriff als unprovoziert, zumal er – wie schon die Bombardements im Juni – mitten in laufenden Nuklearverhandlungen zwischen Washington und Teheran erfolgte.
Der iranische Rote Halbmond meldete bislang mindestens 787 Tote. Zu den zuletzt bestätigten Angriffszielen zählen Einrichtungen der Revolutionsgarden und der Basidsch-Miliz sowie Luftabwehrsysteme. Von den Aggressoren veröffentlichte Videos zeigen allerdings bislang nur einzelne zerstörte Startgeräte für Flugabwehr- und ballistische Raketen. Zudem seien mehrere iranische Kriegsschiffe versenkt worden, teilte das israelische Militär mit. Die Internationale Atombehörde (IAEA) bestätigte Schäden an den Eingängen der Urananlage Natans.
Auch das Motahari-Krankenhaus in Teheran wurde nach iranischen Angaben beschossen. Aus den Städten Karadsch und Isfahan wurden weitere Explosionen gemeldet. Die israelische Armee erklärte, die Zentrale des staatlichen Rundfunks IRIB in Teheran »zerstört« zu haben. Das Militär begründete dies damit, dass der Sender zur Vernichtung des Staates Israel und zum Einsatz von Atomwaffen aufrufe. IRIB selbst meldete über Telegram Explosionen in der Nähe seines Hauptquartiers, betonte jedoch, der Sendebetrieb sei nicht unterbrochen worden. Die Angriffe treffen also neben militärischen auch zivile Ziele. Ihre Auswahl – darunter Einrichtungen der inneren Sicherheitsarchitektur – legt nahe, dass neben der Erzeugung militärischen Drucks auch politische Strukturen geschwächt werden sollen.
Iranische Drohnen und Raketen schlugen in der US-Botschaft in Riad sowie in US-Militärstützpunkten in Bahrain und Kuwait ein. Das Ölterminal von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde beschädigt, der Betrieb gestoppt. An der Raffinerie Ras Tanura in Saudi-Arabien brach Feuer aus. Eine iranische Drohne traf die Startbahn eines britischen Stützpunkts auf Zypern. Aus Bahrain und Katar wurden Explosionen gemeldet. Anlagen in Tel Aviv und weiteren Teilen Israels wurden ebenfalls angegriffen. Katars Luftwaffe schoss nach eigenen Angaben zwei iranische Su-24-Kampfjets ab, die sich dem Luftraum des Landes genähert hätten.
Die iranischen Operationen zehren an westlichen Abfangraketenbeständen. Rubio bezifferte das Missverhältnis am Montag öffentlich: Iran produziere mehr als 100 Angriffsraketen monatlich. Dem stünden lediglich sechs bis sieben westliche Abfangraketen gegenüber. Tatsächlich liefert Lockheed Martin bereits 650 »Patriot«-Raketen jährlich – Gespräche über eine Steigerung auf bis zu 2.000 Einheiten laufen. Die Golfstaaten haben zudem das europäische System SAMP/T angefragt – Italien, das es bereits der Ukraine liefert, erklärte die Verfügbarkeit allerdings für begrenzt. Laut der Infoseite Middle East Eye können die USA Raketenbestellungen für die Luftwaffe diverser Golfstaaten nicht nachkommen.
Der Krieg greift auf Libanon über: Die Hisbollah feuerte Raketen und Drohnen auf israelische Militärziele, darunter den Luftwaffenstützpunkt »Ramat David«. Die israelischen Streitkräfte antworteten mit schweren Luftangriffen auf Beirut und den Südlibanon, bei denen nach Angaben libanesischer Medien allein am Montag mindestens 52 Menschen getötet und 154 verletzt wurden. Die israelische Armee gab an, den Chef des Hisbollah-Geheimdienstes sowie einen Vertreter der iranischen »Kuds-Einheiten« in Beirut getötet zu haben. Israelische Bodentruppen rückten in den Südlibanon vor, die libanesische Armee zog sich aus Grenzpositionen zurück. Die Regierung in Beirut verhängte ein sofortiges Verbot militärischer Aktivitäten über die Hisbollah. Präsident Joseph Aoun nannte den Beschluss unumkehrbar und forderte die Übergabe der Waffen. Die Hisbollah wies das Verbot zurück und gab an, angesichts der fortgesetzten israelischen Angriffe keinen Grund zur Entwaffnung zu sehen.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Mohammed Aty/REUTERS02.03.2026Widerstandsachse im Visier
Nathan Howard/REUTERS24.10.2024Blinken unter Freunden
Mohammed Zaatari/AP Photo/dpa01.10.2024Einfach nicht zu bremsen?
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 04.03.2026 -
Bis an die Bordkante bewaffnet
vom 04.03.2026 -
Prolog in Den Haag
vom 04.03.2026 -
Weltweit Abneigung gegen US-Aggression
vom 04.03.2026