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Olympiabewerbung

Hamburg sagt nein

Mehrheit bei Referendum in Hansestadt gegen Olympiabewerbung. Vor allem Reiche dafür

Foto: Georg Wendt/dpa
Vorstellung des Abstimmungsergebnisses am Montag in Hamburg

Viele Hamburger wollen keine Spiele in ihrer Stadt. Rund 1,3 Millionen Stimmberechtigte ab dem 16. Lebensjahr waren am Sonntag per Referendum aufgerufen, sich zu äußern, ob in Hamburg 2036, 2040 oder 2044 Olympische Sommerspiele stattfinden sollen. Mit 55 Prozent der Stimmen gegen eine Bewerbung der Hansestadt fiel das Votum noch deutlicher als beim Anlauf 2015 aus. Die Abstimmungsbeteiligung lag laut dem vorläufigen Ergebnis bei 49,6 Prozent. Sein Bedauern drückte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bereits am Sonntag abend aus. Er habe Hamburgs Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund zurückgezogen.

Vor allem in Stadtteilen mit reichen Bewohnern fiel die Abstimmung positiv aus, so etwa in Nienstedten, wo das durchschnittliche Jahreseinkommen 2024 rund 168.400 Euro betrug, wie T-Online berichtete. Mehrheitlich mit »Ja« stimmte man demnach auch in Blankenese (158.334 Euro), Groß Flottbek (136.297 Euro) und Othmarschen (125.720 Euro) ab. Stadtweit liegt das jährliche Durchschnittseinkommen bei rund 50.000 Euro.

»Dieses Votum sollte der Hamburger Politik eine Lehre sein«, erklärte Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative »Nolympia« Hamburg. Die Menschen in der Stadt wollten »kein weiteres Leuchtturmprojekt«, sondern »bezahlbare Mieten, gut ausfinanzierte soziale Einrichtungen, Sportplätze, Universitäten und Schulen«. Von einer »Blamage des Senats« sprach auch Die Linke. »SPD, Grüne, CDU und Wirtschaft haben zig Millionen verpulvert«, erklärte Heike Sudmann, Linke-Kofraktionschefin in der Hamburgischen Bürgerschaft. Das »starke Ergebnis« sei »eine gute Entscheidung für die ganze Stadt«.

Ein Ergebnis vermutlich auch zur Freude der Konkurrenten in Berlin, München und der Region Rhein-Ruhr, die sich Hoffnungen als Austragungsorte machen. Der Deutsche Olympische Sportbund wird am 26. September seine Entscheidung bekanntgeben, mit welchem dieser drei nationalen Kandidaten man ins offizielle Bewerbungsrennen beim Internationalen Olympischen Komitee geht.

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Zuvor war bei Bürgerbefragungen um die Olympiabewerbung ein erstaunliches Phänomen zutage getreten – eine Art eigenwillige »olympische Arithmetik«, wie sie bei den Abstimmungen am 26. Oktober vorigen Jahres in München sowie am 19. April beim Votum in der Rhein-Ruhr-Region und in Kiel zu beobachten war. Nur in Berlin war ein solch basisdemokratisches Element von vornherein erst gar nicht vorgesehen.

Überschwänglich bezeichnete Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer das Votum in Schleswig-Holstein pro Olympia unlängst als »fulminantes Ergebnis«. 63,5 Prozent derer, die ihre Stimme abgaben, stimmten mit »Ja«. Beteiligt hatten sich von insgesamt 190.220 Stimmberechtigten jedoch nur 29,1 Prozent. Was rein rechnerisch bedeutete: Von weniger als einem Drittel, die ihre Stimme abgaben, plädierten rund zwei Drittel fürs olympische Segeln vor Kiel – in Bezug auf sämtliche Stimmberechtigten sind das gerade mal zwei Neuntel, etwas mehr als 20 Prozent.

Sehr ähnlich das Ergebnis in der Region »KölnRheinRuhr«, wo im April in insgesamt 17 Städten mehr als vier Millionen Menschen abstimmen durften, von dieser Möglichkeit aber nur rund 1,4 Millionen Gebrauch machten. Insgesamt ein Drittel der Einwohner hatte sich an der Abstimmung beteiligt, und von diesem Drittel hatten sich rund zwei Drittel pro Olympia in der Region ausgesprochen. Streng mathematisch genommen, siehe Kiel, also gerade mal zwei Neuntel. »Das ist ein richtig starkes Votum für Olympia aus Nordrhein-Westfalen«, meinte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) anschließend euphorisch. Und München? Insgesamt hatten im Oktober 66,4 Prozent der Einwohner für die Austragung der Olympischen Spiele plädiert – bei einer Beteiligung von 42 Prozent.

»Deutliche Mehrheiten«, »große Zustimmung«, »starke Signale«, »Rückenwind« lauteten Schlagzeilen nach den drei Abstimmungen. Eine objektive Bewertung der Ergebnisse mit Rücksicht darauf, wie viele der zum Votum berechtigten Bürger teilnahmen, legt allerdings eine andere Lesart nahe: Schönfärberei.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 4, Inland

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