-
28.05.2026
- → Sport
Raus ohne Applaus
Viertelfinale verpasst: Abermals fliegt die deutsche Eishockeynationalmannschaft nach der WM-Vorrunde aus dem Turnier
Ende, aus, vorbei. Nicht gut genug. Wenn heute, am 28. Mai, in den Viertelfinals bei der Eishockeyweltmeisterschaft die USA und Kanada, Finnland und Tschechien, Gastgeber Schweiz und Schweden sowie Norwegen und Lettland aufeinandertreffen, werden die bundesdeutschen Cracks aus der Ferne zuschauen. Das letzte Fünkchen Hoffnung für den Sprung unter die besten acht starb am Dienstag, als Lettland die Ungarn mit 8:1 besiegte und damit zum Ende der Vorrunde in Gruppe A dort einkam, wo das Team des Deutschen Eishockeybundes (DEB) nach sieben Matches gern gestanden hätte. Wie im Vorjahr verfehlten die Mannen von Bundestrainer Harold Kreis mit Rang fünf nach der Gruppenphase das selbsterklärte Minimalziel. Wieder ist’s Essig mit dem Viertelfinale. Und das im Jahr Olympischer Winterspiele, da eine Eishockey-WM für die Stars der Szene nicht mehr als großer Anreiz gilt, die Teams traditionell nicht in stärkster Besetzung anreisen und wiederholt die Grundsatzfrage provozierten, ob ein WM-Championat im Olympia-Jahr sportlich sinnvoll ist.
Drei Pflichtsiege zum Abschluss der Gruppenphase über Ungarn und Österreich (je 6:2) sowie Großbritannien (6:3) konnten nicht kompensieren, was die Mannschaft um Kapitän Moritz Seider von den Detroit Red Wings aus der nordamerikanischen Profiliga NHL zuvor auf dem Eis in Zürich fabriziert hatte. Die 1:3-Niederlage zum Auftakt gegen favorisierte Finnen sowie die 1:6-Pleite gegen Titelaspirant Schweiz durften noch angehen und waren gewissermaßen eingeplant. Der 0:2-Schock gegen die Letten im zweiten WM-Spiel am 17. Mai und ein 3:4 nach Penalty-Schießen drei Tage später gegen noch unsortierte US-Amerikaner waren jedoch der Ernüchterung zuviel. Nur ein Pünktchen gegen diese beiden Kontrahenten in Reichweite waren in der Endabrechnung zuwenig für Platz vier nach der Vorrunde.
Woran es fast durchweg vor allem hakte, war im letzten Gruppenspiel gegen Großbritannien einmal mehr zu besichtigen. In einem zweiminütigen Überzahlspiel im ersten Drittel kam die DEB-Auswahl zu keinem einzigen Torschuss gegen den Absteiger, während der »Eishockeyzwerg« gleich sein erstes Powerplay zum 1:4-Anschlusstreffer nutzte. Bis zu diesem Vorrundenabschluss, der fürs bundesdeutsche Nationalteam gegen überforderte Insulaner einem öffentlichen Training glich, offenbarten sich bei den »Special Teams« eklatante Schwächen. Sage und schreibe hatte es bis zum fünften Turnierspiel gegen Ungarn gedauert, bis »Team Germany« im Powerplay endlich einmal ein Treffer gelang, während die Finnen ihrerseits gleich zum WM-Start den Deutschen mit zwei Toren in dieser Spezialdisziplin eine Lehrstunde erteilten. Die Statistiken des Weltverbandes IIHF legen das Manko schonungslos offen. Im Unterzahlspiel, dem Penalty-Killing, wird für die DEB-Cracks von allen 16 Teams die schlechteste Quote vermerkt. Im Powerplay gelangen ihnen in 17 Versuchen bei numerischer Überlegenheit gerade mal drei Treffer, im Ranking Platz zwölf.
Spätestens nach dem jüngsten WM-Auftritt ist es ein Trugschluss zu glauben, der Pucksport hierzulande habe sich nach dem sensationellen Gewinn der olympischen Silbermedaille von 2018 und der Vizeweltmeisterschaft von 2023 unter den Schwergewichten im Welteishockey etabliert. Die Resultate bei den internationalen Großereignissen seit 2024 sprechen eine andere Sprache. Dem Viertelfinal-Aus gegen die Schweiz (1:3) beim Weltchampionat vor zwei Jahren folgte 2025 nach der WM-Vorrunde Platz fünf vornehmlich wegen einer 1:2-Niederlage im Penalty-Schießen gegen Dänemark. Nun abermals der frühe WM-Knockout. Und zuvor im Februar bei Olympia in Mailand? Zerplatzten für das vielleicht »stärkste Nationalteam aller Zeiten« mit gleich zehn NHL-Cracks im Viertelfinale gegen die Slowakei sämtliche Medaillenträume. Und das alles in Zeiten, da mit Russland und Belorussland zwei Eishockeynationen international gesperrt sind, die den DEB-Teams das Leben normalerweise zusätzlich erschweren.
»Wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Ich finde, wir haben im Moment keine wirkliche Identität, die uns auszeichnet«, lautete das WM-Resümee eines sichtlich enttäuschten Moritz Seider. Angesichts der jüngsten Negativserie ist es erstaunlich, dass die DEB-Verantwortlichen den Vertrag mit Harold Kreis im vorigen Dezember um ein Jahr bis 2027 verlängerten, ohne das olympische Ergebnis oder die WM-Tage von Zürich abzuwarten. Schon wird die Frage aufgeworfen, ob der 67jährge, der hinter der Spielerbank mit stoischer Gelassenheit wie der Gegenentwurf zum früheren Bundestrainer Hans Zach als immer zum Ausbruch bereiter »Alpenvulkan« wirkt, für die kommenden Aufgaben noch der richtige ist. Erst recht mit Blick Richtung Heim-WM kommendes Jahr in Düsseldorf und Mannheim, für die es Euphorie und Begeisterung zu entfachen gilt. Von DEB-Sportvorstand Christian Künast kam bislang keinerlei Rückendeckung. Für die Antwort auf die Frage, ob der Stuhl des Bundestrainers wackelt, bat er um Bedenkzeit. »Darüber brauchen wir noch nicht zu sprechen. Lasst uns erst mal die Analyse machen.« Diese WM-Auswertung will Künast spätestens Mitte Juni vorlegen. Die Fans reagierten prompt. Bei der obligatorischen Vorstellung der Teams vor dem abschließenden Vorrundenmatch gegen Großbritannien pfiffen sie Harold Kreis in der Arena hörbar aus.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
