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Sportpolitik

Spiel auf Zeit

Thomas Weikert lässt weiter offen, ob er DOSB-Präsident bleiben will. Ein Kommentar

Foto: Michael Kappeler/dpa
Blasser König: DOSB-Präsident Thomas Weikert

Nach den Olympischen Winterspielen« wollte er vermelden, ob er sich für eine zweite Amtszeit als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zur Wahl stellt. So hatte es Thomas Weikert zu Jahresbeginn angekündigt. Das olympische Feuer in Mailand und Cortina d’Ampezzo erlosch am 22. Februar. Man konnte meinen, dass sich der Anwalt aus Limburg kurz darauf erklären werde. Falsch gedacht. Er hat es noch immer nicht getan. Im »Haus des Sports«, der DOSB-Zentrale in Frankfurt am Main, wird sogar gemunkelt, es könne noch bis zum 26. September dauern, wenn darüber entschieden ist, ob der Dachverband mit Berlin, München oder der Region Rhein-Ruhr ins Rennen um Olympische Heimspiele für 2036, 2040 oder 2044 gehen wird.

Rein formal wäre Weikerts Ankündigung »nach Olympia« sogar im Herbst noch richtig. Das hat der Jurist sehr feinsinnig formuliert. Trotzdem werden die Vertreter der mehr als einhundert Mitgliedsorganisationen inzwischen ungeduldig. Um so mehr, je näher die DOSB-Mitgliederversammlung am 5. Dezember in Frankfurt am Main rückt, bei der zugleich Wahlen fürs Präsidium anstehen. Vorsorglich hatten die Spitzenverbände Ende März schon mal eine »Findungskommission« für die Spitze des Dachverbandes gegründet. Wer genau und wer für welches Amt gefunden werden soll, das haben die Kommissionsmitglieder bislang nicht verraten – vermutlich, weil sie es noch gar nicht genau wissen.

Alles in allem eine seltsame Situation um den Mann, der seit fünf Jahren im Spitzenamt ist und seither als eine Art »blasser König« mit kaum öffentlicher Präsenz, wenig Format und noch weniger Visionen wahrgenommen wird. Bei den Landessportbünden (LSB) bröckelte sein Rückhalt. Von einem Vertreter der Spitzenverbände wurde Weikert sogar offen zum Rücktritt aufgefordert. Für die riesige Organisation mit rund 29 Millionen Mitgliedern erhofft ein erklecklicher Teil des Gefolges offenbar ein Oberhaupt anderen Formats.

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Vornehmlich wegen dieses zu erwartenden Gegenwindes scheint der frühere Präsident der Internationalen Tischtennisföderation (ITTF) weiterhin unentschlossen. Jedenfalls spielt er auf Zeit. Aber warum? Um der ominösen Findungskommission ein Schnippchen zu schlagen? Um möglichst lange die Kräfteverhältnisse zu sondieren und hinter den Kulissen an einer Mehrheit zu basteln? Oder lässt er Woche um Woche verstreichen, damit für mögliche Gegenkandidaten die Zeit knapp wird, sich in dieser Rolle zu profilieren?

Über seine Motive schweigt sich Weikert selbstverständlich aus. Was ihm vorteilhaft scheint, ist für den DOSB das Gegenteil. Je länger die Ungewissheit anhält, desto mehr drohen zwangsläufig Erstarrung und Lähmung. Wer nicht weiß, wo ihm der Kopf steht, wird’s am ganzen Körper spüren. Gesund ist das bestimmt nicht.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.07.2026, Seite 16, Sport

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